Bürgerlicher Haushalt

Aus Scriptorium

Anders als adlige Haushalte waren bürgerliche Haushalte normalerweise nicht sonderlich riesig, wobei dies natürlich vom Reichtum des jeweiligen Bürgers abhing. Insofern ähnelten sie eher modernen Haushalten.

Bürgerliche Haushalte waren vor allem auf die Arbeit hin abgerichtet. Aus diesem Grund kann man sie als Produktionseinheiten sehen, welche in deren Erhalt auf die Arbeit jedes einzelnen Haushaltsmitglieds angewiesen war.

Haushaltsstrategien, sofern man davon reden konnte, waren konservativ und defensiv. In erster Linie war das Überleben wichtig, in zweiter Linie die Vorsorge für die Zukunft in Bezug auf Heirat, der Zeugung von Kindern und die Erbschaft des Nachlasses.

Wie adlige Haushalte hatten reiche bürgerliche Haushalte auch Diener. Es war überaus häufig für junge Leute, einige Jahre außer Haus im Dienst eines anderen Haushaltes zu verbringen. So lernten sie Fähigkeiten, die sie später im Leben benötigen würden, und bekamen auch ein Gehalt. Vor allem war dies nützlich für Mädchen, welche ihre Verdienste zu ihrer Mitgift dazugeben konnten. Die Praxis, Kinder wegzusenden, war vor allem verbreitet in Handwerker- und Händler-Haushalten, die ihre Söhne - manchmal auch Töchter - als Lehrlinge oder Gehilfen an andere weitergaben. Dies gab diesen Kindern die Möglichkeit,s ich als Meister in diesen Gewerben zu qualifizieren, und selber eine Werkstatt zu gründen. Diese Lehrlinge machten einen wichtigen Teil des Haushaltes - der "Meisterfamilie" - aus; ihr Meister hatte rechtlich gesehen das selbe Verhältnis zu ihnen wie ihr eigener Vater.

Die Häuser von Armen hatten nur schlechte Qualität. Der Boden war normalerweise aus Lehm, und es gab kaum Fenster. Arme Haushalte konnten sich keine Diener leisten - solche Familien mussten oft selber als Dienstpersonal bei Reicheren arbeiten.

Rolle von Hausherrn und Hausfrau

Allgemein kann man sagen, dass die Rolle des Hausherrn definiert und spezialisiert war, und die Rolle der Hausfrau undefiniert und alles das abdeckend, was der Mann nicht tat. Natürlich verrichteten beide schwere Arbeit, aber dies verschafft eine Vorstellung davon, wie die Rollenverteilung aussah.

Der Mann ging seinem Beruf nach - sei es ein Handwerk, einem Beruf als Kaufmann, Waffenknecht, Gehilfe oder bloß Tagelöhner. Der Mann vergewisserte, dass dem Haushalt nicht das Geld ausging, und zudem oblag es ihm, Lehrlinge und Gehilfen auszubilden und zu fördern.

Die Hausfrau hatte eine breite Palette an Aktivitäten zu erledigen. Diese umfassten nicht so sehr die Verwaltung der häuslichen Bestände, da diese oft sehr spärlich waren - eine durchschnittliche Familie hatte Besteck, Teller, Betten, Stühle und vielleicht auch einen Tisch, mehr nicht. Die Hausfrau musste sich um die Beschaffung und die Zubereitung von Essen kümmern (sehr wichtig im Zeitalter vor dem Kühlschrank), Kleidung flicken, putzen, sich um Tiere kümmern (sofern es solche gab), Pflanzen anbauen, und oft war sie dafür verantwortlich, die von ihrem Mann erzeugten Waren zu vermarkten - oft stand bei einer Werkstatt der Mann am Hobel, der Esse, dem Webstuhl oder der Mühle, und die Frau verkaufte seine Produkte über die zur Straße hinweisende Theke.

Wichtig war ein gutes Einvernehmen zwischen Hausherrn und Hausfrau. Es war anzuraten, dass die beiden regelmäßig Abrechnungen anstellten, um herauszufinden, wer welche Aufgaben erledigt hat, wie viel Geld noch da ist und wie viel gemacht worden ist.