Nachrichtenwesen

Aus Scriptorium

In der mittelalterlichen Gesellschaft war das Nachrichtenwesen, vom heutigen Standpunkt aus gesehen, primitiv. Es war eingeschränkt durch mehrere Faktoren:

  • Isolierung der Stände und Religionen voneinander
  • Geografische und klimatische Begebenheiten (Berge und Wüsten machten Vorankommen schwer; ein Sturm konnte Schiffsreisen monatelang verzögern)
  • Geringe Alphabetisierung der Gesellschaft
  • Oft vorkommende Missverständnisse und Unwahrheiten in Berichterstattungen

Aus diesem Grund brauchte es manchmal Monate, bis eine verlässliche Nachricht aus dem Heiliegn Land Europa erreichte, und auch umgekehrt.

DIe langsame und ineffiziente Nachrichtenübermittlung im Mittelalter war kaum je ein großes Problem für Bauern und Handwerkern, welche mit mangelnden Informationen klarkommen konnten. Aber sie bereiteten dem Klerus und dem Adel oft Kopfzerbrechen, besonders wenn ein schneller Informationsaustausch nötig war (zum Beispiel bei einem herannahenden feindlichen Heer).

Kommunikationskanäle

Briefe waren eine übliche Form von Nachrichten. Korrespondenz bürgerte sich schnell im Heiligen Land, wo die Kreuzfahrer oft per Brief mit ihren muslimsichen und byzantinischen Gegenspielern kommunizierten. Briefe wurden Boten übergeben, welche den Brief per Pferd überbrachten. Dies war innerhalb der Levante relativ schnell und zuverlässig, aber außerhalb der unmittelbaren Region war die Überbringung von Nachrichten oft langsam und unzuverlässig. Um zu gewährleisten, dass ein wichtiger Brief ankam, wurden manchmal mehrere Boten mit der selben Kopie eines Briefes losgeschickt.

Boten übergaben Nachrichten auch mündlich - dies wurde oft getan, wenn die Nachricht in einer anderen Stadt laut öffentlich verlesen werden musste. Selbst wenn ein Bote eine geschriebene Nachricht mit sich führte, geschah es oft, dass zusätzliche Informationen mündlich weitergegeben wurden - zum Beispiel, wenn der Empfänger Fragen zum Brief hatte oder weitere Informationen wollte.

Da Nachrichten oft vertraulich waren und ihre Übermittlung sehr wichtig, mussten Boten Vertrauensleute sein - oft waren sie Ritter aus dem Gefolge eines Barons, Offiziere eines islamischen Heers, Geistliche oder andere Respektspersonen, die im Namen ihres Herrns handeln durften.

EIne wichtige Innovation, welche die Kreuzfahrer schnell von den Einheimischen lernten (und welche sich danach auch über Europa verbreitete) waren Brieftauben. Diese verließen sich auf den Orientierungssinn von Tauben, und darauf, dass Tauben immer in ihre Heimat zurückzogen. Brieftauben zog man in einem Taubenschlag in einer bestimmten Stadt/Örtlichkeit groß, um sie dann per Käfig an andere Taubenschläge zu versenden. Wenn zum Beispiel eine Brieftaube aus Akkon nach Jerusalem kam, so konnte man ihr in Jerusalem eine Nachricht umbinden und sie freilassen. Die Taube würde dann verlässlich nach Akkon fliegen.

Die Institution der Brieftauben steckte aber in den Kreuzfahrerstaaten noch in den Kinderschuhen, und vielmals war der Ort, an den ein Brieftaubenbesitzer seine Nachricht hinschicken wollte, nicht verfügbar.