Morgenländische Verhaltensregeln

Aus Scriptorium

Morgenländische Verhaltensregeln hatten Anwendung in der einheimischen Gesellschaft im Königreich Jerusalem sowie auch im Fatimidenkalifat. Ihre Einhaltung war wichtig für das Ansehen in der Gesellschaft, insbesondere für Leute aus gutem Hause. Morgenländer haben einen strikten Ehrenkodex, insbesondere Muslime aus ländlichen Regionen.

Tischmanieren

  • Gastfreundlichkeit ist extrem wichtig bei Arabern. Wer sich nicht gastfreundlich gibt, bringt Schande über sich.
  • Morgenländer laden sich oft einander ein, um ihre Beziehungen untereinander zu pflegen.
  • Bei Einladungen gilt es als höflich, zuerst zweimal abzulehnen und bei dritten Mal einzuwilligen. Auf keinen Fall sollte man das dritte Angebot ablehnen.
  • Wenn die Einladung nur einmal ausgesprochen ist, kann man davon ausgehen, dass sie nur aus Höflichkeit ausgesprochen wurde und nicht ernst gemeint war.
  • Es muss kein Besteck mitgebracht werden, für gewöhnlich wird mit den Händen gegessen.
  • Es gibt keine Stühle; man sitzt auf Kissen und isst von einem niedrigen Tisch.
  • Der männliche Gast kommt an die rechte Seite des Gastgebers.
  • Als kurzes Tischgebet ist ein "Bismillah" angemessen.
  • Männer und Frauen essen getrennt.
  • Beim Sitzen soll man darauf achten, niemanden die Füße gegenüber auszustrecken, da die Fußsohle als unrein gilt.
  • Geschenke sollten nur für Kinder mitgenommen werden, nie für die Frau des Gastgebers. Wenn eine Familie eingeladen ist, sollte der Mann sie übergeben. Es geziehmt sich für den Gastgeber nicht, diese Geschenke zu öffnen, bis die Eingeladenen wieder weg sind.
  • Vor dem Essen werden oft nicht-alkoholische Getränke gereicht, oft Säfte.
  • Vor der Mahlzeit wird in der Regel eine Schüssel mit Wasser gereicht.
  • Es sollte stets der Gast zu essen anfangen.
  • Es wird zum Essen dazu Brot gerecht. Das Brot kann man Ersatz für einen Löffel benutzen. Man reißt vom Brot ein kleines Stück ab, formt es zu einem Schäufelchen, nimmt damit Speisen auf und isst sie so. Das Brot wird dabei mitgegessen und kein zweites Mal benutzt.
  • Es schickt sich, bei einer Einladung viel zu essen. Der Gastgeber ist dazu angehalten, den Gast aufzufordern, mehr zu essen. Erst, wenn der Gast dreimal nachdrücklich ablehnt, weiß der Gastgeber, dass der Gast nicht mehr kann.
  • Es schickt sich, einen Rest auf den Teller übrig zu lassen, um zu signalisieren, dass das Essen genug war.
  • Dreimal den Becher zu schwenken heißt, dass man genug zum Trinken gehabt hat.
  • Das Essen muss halal sein; zudem soll es nie Schweinefleisch und Alkohol enthalten.
  • Als Gast ziemt es sich, das Essen des Gastgebers zu loben.
  • Beim Gehen ist ein Auffordern, noch etwas, zu bleiben, üblich. Dies ist nicht ernst zu nehmen und abzulehnen, da es nur eine Höflichkeitsfloskel ist.
  • Eine Gegeneinladung wird unbedingt erwartet.

Beim Betreten eines fremden Hauses

  • Wenn man das Tor zum Haus eines wichtigen Menschen erreicht, hat man dem Pförtner seine Waffen zu geben.
  • Wenn der Hausherr sozial niedriger als der Besucher steht, wird er zum Besucher kommen, wenn er auf derselben sozialen Stufe oder höher steht, wird der Pförtner den Besucher zum Hausherrn bringen.
  • Der Besucher hat beim Betreten des Hauses die Schuhe abzunehmen.
  • Besuch kann durchaus spontan sein, ohne dadurch unschicklich zu sein.

Bei der Körperhygiene

  • Die linke Hand gilt als unrein - man soll sie nie benutzen, um damit zu essen, damit einzuschlagen, etwas zu überreichen oder zu nehmen.
  • Vor dem Essen soll man sich die Hände waschen.
  • Fußsohlen sind prinzipiell unrein.
  • Der Schnurrbart war zu stutzen.
  • Die Nägel waren regelmäßig zu schneiden.
  • Nase, Mund und Zähne mussten stets gereinigt sein.
  • Nach einem Besuch auf der Latrine musste man sich reinigen.
  • Es ist unrein, während der Regel Geschlechtsverkehr zu haben.
  • Das Anfassen von Leichen, neu geborenen Kindern, Menstruationsblut und Sperma ist extrem unrein; die Scharia verlangt in solchen Fällen ein rituelles Bad (Gusl).
  • Wenn jemand niest, so ist es höflich, "Alhamdulillah" - Gott sei Dank - als Gesundheitswunsch zu sagen.

Benimm bei Frauen

  • Frauen sollen ihre Beine nicht überschlagen.
  • Frauen sollen nicht fluchen, denn dies bringt Schande über ihren Vater oder Ehemann.
  • Frauen sollen nicht kokette Gesten machen (ihren Kopf zurückwerfen, ihre Schultern wackeln usw.).
  • Frauen sollen es nicht zulassen, dass ihre Hände von jemanden berührt werden, der nicht aus der Familie ist.
  • Frauen sollen außerhalb ihres Hauses nicht betrunken sein, denn das ist schockierend.
  • Frauen sollen es vermeiden, mit Fremden zu reden.
  • Frauen, die sich außerhalb ihres Hauses bewegen, sollen normalerweise begleitet sein, am Besten von einer weiblichen Begleiterin von einem Verwandten, mit denen sie mit eingehakten Armen gehen soll.
  • Unter Morgenländer sind Hosen bei Frauen akzeptabel, solange sie weit und blickdicht sind, von einem Gewand bedeckt werden und nicht männlicher Bekleidung ähneln.
  • Frauen sollen sich, ebenso wie Männer, standesgemäß kleiden.
  • Frauen sollen ihren Ehemännern stets gehorchen.
  • Das Tragen enger Kleider ist inakzeptabel. Zudem gehört es sich, dass eine Frau außerhalb des Hauses ein Kopftuch, einen Hijab oder eine ähnliche Kopfbedeckung trägt.

Begrüßungen

  • Begrüßungen im Morgenland sind oft ausgedehnt und vielfältig.
  • Hände werden nicht zur Begrüßung, sondern nur zur Besiegelung einer Vereinbarung geschüttelt.
  • Es geziemt sich bei einer Einladung, zuerst den Gastgeber, dann den Ältesten und dann die anderen Anwesenden zu begrüßen.
  • Begrüßungsformeln beinhalten im Christentum oft einen Bezug auf Gott („Gott segne dich“ oder „Gott mit Euch“), im Islam und im Judentum einen auf den Frieden ("Salam" bzw. "Schalom").
  • Es ist am besten, nicht zu überfreundlich oder zu kalt zu sein.
  • Es gilt als höflich, dem gegenüber nach seinem Befinden zu befragen.
  • Gute gleichgeschlechtliche Freunde begrüßen sich mit Wangenküssen und durch Berührung der Nasenspitzen.
  • Frauen sollte ein Mann zurückhaltend begrüßen. Ein intensiver Blickkontakt ist unangemessen. Ein kurzes, höfliches Kopfnicken zwischen Mann und Frau ist oft genug als Begrüßungsgeste.

Benimm beim Einkaufen

  • Beim Markt soll man feilschen. Morgenländer feilschen tendenziell viel mehr und aggressiver als Abendländer und sind stolz darauf, einen Preis so niedrig wie möglich drücken zu können.
  • Man darf auf keinen Fall am Markt Streitereien eskalieren lassen.
  • Das erste Gebot des Handels ist Caveat Emptor – sieh dich vor, Käufer! Es ist wichtig, die Ware ordentlich zu prüfen, bevor man damit weggeht.

Benimm in einem Dienstverhältnis

  • Es ist wichtig, zwischen freien und unfreien Dienern zu unterscheiden. Unfreie Diener, also Sklaven, müssen aber nicht unbedingt mit weniger Respekt als freie Diener behandelt werden. Jedoch gelten sie, im Gegensatz zu Freien, als bloße Gegenstände und es muss auf sie vonseiten des Besitzers keine Rücksicht genommen werden.
  • Hierarchien sind wichtig und müssen auch von anderen eingehalten werden. Jemand, der den gleichen Rang hat wie der Herr, aber mit dem Knecht redet und den Herrn ignoriert, beleidigt dadurch den Herrn zutiefst.