Furusiyya

Aus Scriptorium

Das Wort Furusiyya (von Faris, Ritter) kann in etwa mit Rittertum oder Ritterlichkeit übersetzt werden. Es enthält 2 Definitionen, welche in diesem Artikel erklärt werden. In jeder ihrer Bedeutungen umfasste der Begriff der Furusiyya den Lebensstil der fatimidischen Elite, welcher einiges gemein hat mit dem des europäischen Adels.

Furusiyya als Disziplin

Furusiyya kann, im ursprünglichsten Sinne, Reitkunst bedeuten, umfasst aber auch in dieser Bedeutung mehr als das. Man kann die Kunst der Furusiyya in vier Teile unterteilen.

Erstens kommt das Reiten an sich. Wer die Furusiyya als Disziplin beherrscht, kann nicht nur reiten und beherrscht alle Reittechniken, sondern versteht es auch, sich ärztlich um sein Tier zu kümmern, ihm die richtige Nahrung zu geben und seine Hufe zu beschlagen.

Zweitens kommt das Bogenschießen, drittens der Galoppansturm mit dem Speer, und viertens der Schwertkampf. Oft lernt man die ersten 3 Unterteilungen der Furusiyya, bevor man es wagen kann, auch die erste zu lernen, und das, was man zu Fuß gelernt hat, auch auf dem Pferderücken zu lernen.

Die Furusiyya ist daher sehr bedeutsam im Kriegswesen, aber auch in der Jagd.

Die Furusiyya ist in diesem Sinne stark verbunden mit den Mameluken – jeder Mameluk lernt die Furusiyya in seiner Baracke von Kindheit an. Viele edle fatimidischen Familien lassen aber auch ihre Söhne von Mentoren oder auf Schulen in der Kunst der Furusiyya unterweisen, damit auch freie fatimidische zukünftige Offiziere ihren Untergebenen in nichts nachstanden.

Furusiyya als Ethos

Verbunden mit der Furusiyya als Disziplin war eine weitere Bedeutung, welche sich erstreckt auf einen ebstimmten Ethos, ähnlich des westlichen Rittercodex. Männer, die sich in der Furusiyya versuchten, lernten nicht nur Reit- und Kampfkunst, sondern versuchten auch, dem Ethos des Propheten Muhammad und seiner Gefährten nachzueifern. Eigenschaften wie Großzügigkeit, Aufmerksamkeit und Opferbereitschaft standen an vorderster Front im Ethos der Furusiyya. Aus diesem Grund musste jemand, der von sich behauptete, ein guter Faris zu sein, auch jene Qualitäten haben, welche ihn in der islamischen Kultur des Mittelalters als wahrlich männlich auszeichneten.