Strategie: Unterschied zwischen den Versionen

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==Plünderung und Eroberung==
 
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Der Reichtum mittelalterlicher Königreiche und Fürstentümer ist meistens vorwiegend auf Landbesitz gebaut. Während im 12. Jahrhundert schon mehrere Handelsrepubliken etabliert sind, ist ein feudaler Staat wie das Königreich Jerusalem weiterhin auf Landwirtschaft angewiesen. Dies bedeutet, dass Plünderungsfeldzüge eine effektive Art und Weise sind, dem Feind die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen, und somit seine Kriegsfähigkeit zu untergraben. Plünderungsfeldzüge haben zudem den Vorteil, dass sie verlustarm sind, den Angreifer bereichern, das Prestige des Angegriffenen schmälern - es ist sehr demütigend, nicht in der Lage zu sein, sein eigenes Land vor solchen Übergriffen zu beschützen - und ihn eventuell zu einem Angriff zu zwingen, und ihn somit nach mittelalterlichem militärischem Denken in eine nachteilige Position zu versetzen. Aus diesem Grund sind die meisten mittelalterlichen Feldzüge Plünderungsfeldzüge. Eroberungsfeldzüge sind eher selten. Groß angelegte Eroberungen wie die von Sizilien zwischen 1047 und 1059 die von England um 1066 (beide durch die untypisch expansiven Normannen) und der erste Kreuzzug sind recht untypisch fürs Hochmittelalter.
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Der Reichtum mittelalterlicher Königreiche und Fürstentümer ist meistens vorwiegend auf Landbesitz gebaut. Während im 12. Jahrhundert schon mehrere Handelsrepubliken etabliert sind, ist ein feudaler Staat wie das Königreich Jerusalem weiterhin auf Landwirtschaft angewiesen. Dies bedeutet, dass Plünderungsfeldzüge eine effektive Art und Weise sind, dem Feind die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen, und somit seine Kriegsfähigkeit zu untergraben. Plünderungsfeldzüge haben zudem den Vorteil, dass sie verlustarm sind, den Angreifer bereichern, das Prestige des Angegriffenen schmälern - es ist sehr demütigend, nicht in der Lage zu sein, sein eigenes Land vor solchen Übergriffen zu beschützen - und ihn eventuell zu einem Angriff zu zwingen, und ihn somit nach mittelalterlichem militärischem Denken in eine nachteilige Position zu versetzen. Aus diesem Grund sind die meisten mittelalterlichen Feldzüge Plünderungsfeldzüge. Eroberungsfeldzüge sind eher selten. Groß angelegte Eroberungen wie die von Sizilien zwischen 1047 und 1059 die von England um 1066 (beide durch die untypisch expansiven Normannen) und der erste Kreuzzug sind die Ausnahme fürs Hochmittelalter.
  
 
[[Kategorie:Militär]]
 
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Aktuelle Version vom 10. Oktober 2016, 23:40 Uhr

Strategie bezeichnet in seiner militärischen Bedeutung langfristige Planung für militärische Operationen. Dies beinhaltet die Ziele der militärischen Aktion, die Route, die das Heer nimmt, die Verpflegung und so weiter. Der Artikel beschreibt die wichtigen Aspekte mittelalterlicher strategischer Planung.

Große und kleine Heere

Mittelalterliche Strategie dreht sich in vielerlei Hinsicht um die rechte Balance zwischen einem zu großen und einem zu kleinen Heer. Große Heere sind schwer zu bewegen und zu verpflegen. Kleine Heere aber werden leichter geschlagen. Diese Schwierigkeit der Kriegsführung zu allen Zeiten ist in der Epoche der Lehnsaufgebote und Naturalwirtschaft noch bedeutsamer. Sie stellt eine der Hauptursachen dar, warum Entscheidungen zwischen großen Heeren selten auf dem Schlachtfeld gesucht werden.

Dies bedeutet, dass mittelalterliche Heere eher klein sind. Ein Heer mit mehr als 1000 Soldaten gilt schon als ziemlich groß; 10000 Soldaten bilden ein riesiges Heer. Heere, die größer sind als 100000 Mann, gibt es praktisch nicht. Am ersten Kreuzzug beteiligten sich die damals unfassbare Anzahl von 35000 Soldaten, allerdings nicht in einem einzigen Heer.

Besonders in der Levante ist die Strategie beeinflusst von Versorgungsproblemen und Krankheiten. Mittelalterliche Heere versorgen sich oft selbst durch Plünderungen, allerdings ist dies oft nicht wegbar im Heiligen Land, wo auf die Sicherung der Nachschublinien geachtet werden muss. Krankheiten kosten oft weitaus mehr Soldaten das Leben als direkter Kontakt mit dem Feind, insbesondere bei schlechter Versorgungssituation.

Defensive und Offensive

Im Mittelalter sind die Kräfte der Defensive durch Burgen und befestigte Städte gegenüber der Offensive im Vorteil. Dem Schwächeren ist es relativ einfach, sich in derart befestigte Plätze zurückzuziehen und sich so der Entscheidung der Schlacht zu entziehen. Mittelalterliches militärisches Denken sieht deshalb einen Angreifer im strategischen (und auch taktischen) Nachteil.

Plünderung und Eroberung

Der Reichtum mittelalterlicher Königreiche und Fürstentümer ist meistens vorwiegend auf Landbesitz gebaut. Während im 12. Jahrhundert schon mehrere Handelsrepubliken etabliert sind, ist ein feudaler Staat wie das Königreich Jerusalem weiterhin auf Landwirtschaft angewiesen. Dies bedeutet, dass Plünderungsfeldzüge eine effektive Art und Weise sind, dem Feind die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen, und somit seine Kriegsfähigkeit zu untergraben. Plünderungsfeldzüge haben zudem den Vorteil, dass sie verlustarm sind, den Angreifer bereichern, das Prestige des Angegriffenen schmälern - es ist sehr demütigend, nicht in der Lage zu sein, sein eigenes Land vor solchen Übergriffen zu beschützen - und ihn eventuell zu einem Angriff zu zwingen, und ihn somit nach mittelalterlichem militärischem Denken in eine nachteilige Position zu versetzen. Aus diesem Grund sind die meisten mittelalterlichen Feldzüge Plünderungsfeldzüge. Eroberungsfeldzüge sind eher selten. Groß angelegte Eroberungen wie die von Sizilien zwischen 1047 und 1059 die von England um 1066 (beide durch die untypisch expansiven Normannen) und der erste Kreuzzug sind die Ausnahme fürs Hochmittelalter.