Kategorie:Verwaltung des Emirats Askalon

Aus Scriptorium

Anders als es das der Fall im feudalen Verwaltungssystem der Kreuzfahrerstaaten war, hatte die Verwaltung des Fatimidenkalifats Merkmale, die ihrer Zeit voraus erschienen. Die Karriere in der Verwaltung des Fatimidenkalifats oder eines seiner Emirate fußte weniger auf der Herkunft eines Kandidaten, sondern vielmehr auf seinen persönlichen Meriten. Aus diesem Grund machten im vom ismailischen Schiitismus dominierten Kalifat nicht nur Schiiten sondern auch Sunniten Karriere; tatsächlich wurden viele Ämter von Christen (Nicht Katholiken, sondern Kopten und Orthodoxen) und Juden besetzt.

Emirate

Das Fatimidenkalifat war im 12. Jahrhundert in 6 Emirate aufgeteilt. Diese waren nicht belehnt sondern nur Gouverneure, wobei sie oft Mächte hatten die sie von feudalen Herren kaum unterscheidbar machten. Neben den Emiren von Kairo, Alexandria, Qus, Damietta und Fayyum (die von Ägypten jeweils das Zentrum, den Norden, den Süden, den Osten und den Westen regierten) gab es auch einen Emir von Askalon, welcher die Grenzregion zu den Kreuzfahrerstaaten kontrollierte.

Ämter eines Emirats

Die Verwaltung eines Emirats widerspiegelte die Verwaltung des Kalifats insgesamt. An der Spitze stand als Vertreter des Kalifen der Emir, welcher sowohl militärische wie auch zivile Macht inne hatte. Er wurde oft aus den Reihen der Generale des Kalifen gezogen. Er war selber verantwortlich für seinen Beamtenapparat, wobei auch der Kalif ihm diverse Beamte vorsetzen konnte - in dieser Hinsicht war er weniger autonom als feudale Herren.

An seiner Seite stand der Wesir, welcher das Oberhaupt des Beamtenapparats des Emirats darstellte. Der Wesir des Kalifen (Auch Großwesir genannt) war oft die Macht hinterm Thron; ein Wesir in der Provinz hatte kaum je die selbe Macht. Oft kam der Wesir des Emirs aus dessen Haushalt, und oft war es ein Eunuch. Er erfüllte weitestgehend die Aufgaben eines Kanzlers.

Der Emir hatte die volle Befehlsgewalt über das Heer, welches ihm zur Verfügung stand, aber er hatte in dieser Funktion einen Leutnant, der Zimam hieß. Er war das Sprachrohr der Truppen beim Emir, und verantwortlich für jegliche militärische Arbeit, die der Emir an ihn delegierte.

Der Schatzmeister, auch Khazin genannt, kontrollierte das Budget des Staates und beriet den Emir in wirtschaftlichen Fragen.

Der Hajib war das Äquivalent des Kämmerers im Königreich Jerusalem. Er war verantwortlich für die Verwaltung der Zitadelle des Emirs und kontrollierte den Zugang zum Emir. Obwohl dieses Amt sehr persönlich und für den Haushalt des Emirs als Privatperson wichtig war, hatte auch der Kalif ein Interesse daran, dass dieser Posten von einer fähigen Person bekleidet wurde, da die Zitadelle schlussendlich Eigentum des Kalifen war, auch wenn er sie dem Emir zur Verfügung gestellt hatte.

Städtische Ämter

Städtische Ämter unterschieden sich insofern von Emiratsämtern als dass die Befugnisse eines Stadtbeamten nicht über dessen Stadt hinausgingen. Ein städtische Beamter von Askalon zum Beispiel hatte nichts mit Al-Arisch zu schaffen, auch wenn beide Städte im selben Emirat lagen.

All jene Städte, die einem Emir unterstanden, aber in denen kein Emir residierte, hatten einen Wali als Statthalter einer Stadt für den Emir. Dieser hatte weitreichende Kompetenzen, aber ein dem Wali übergeordneter Emir hatte stets das letzte Wort.

Der oberste Beamte, der für die Stadt Askalon selbst verantwortlich war, war der Qadi (Auch Kadi geschrieben ). Er war der oberste Richter der Stadt. Anders als der Vizegraf hatte er keine administrativen und militärischen Aufgaben, und auch keine Schöffen - allerdings standen ihm Gerichtsdiener und Schreiber beiseite.

Der wichtigste Assistent des Qadi jedoch war der Muhtasib, der eine ähnliche Aufgabe hatte wie der Marktvogt, und dafür verantwortlich war, dass die Gebote des Islams und des Kalifen auch auf der Straße aufrecht erhalten wurden.

Ein wichtiger städtischer Posten war auch der Amil, der Steuereintreiber. Der Steuereintreiber war dem Khazin des Emirats unterstellt, und hatte neben der Steuereintreibung auch die Aufgabe, Almosen zu verteilen.

Letztlich gab es noch in Hafenstädten, wie Askalon es war, den Shahbandar, den Hafenmeister. Er war verantwortlich für den Hafen und das Eintreibern der Hafenzölle.

Militärische Verwaltung

Das Fatimidenkalifat hatte, anders als das Königreich Jerusalem, ein stehendes Heer, welches sich aus Berufssoldaten und Sklavensoldaten zusammensetzte. Soldaten unterstanden immer letztendlich dem Kalifen, oder aber seinem Vertreter. Die Soldaten Askalons unterstehen dem Emir, der dort der zivile und militärische Vertreter des Kalifen ist. Dem Emir steht als militärischer Stellvertreter und Berater der Zimam beiseite.

Die größte Heeresabteilung ist die Jund (bzw Dschund), eine ausgewachsene Armee, die von einem Emir oder einem Qa’id (General im Feld) angeführt wird. Diese ist unterteilt in Tulabahs (Kompanien), welche jeweils von einem Naqib (Hauptmann) angeführt werden. Innerhalb der Tulabah gibt es noch kleinere Aufteilungen in Jaridas, kleine Gruppen von 10 Männern, von denen einer als Arif (Korporal) die Aufsicht hat.

Religiöse Verwaltung

An der Spitze der religiösen Verwaltung steht der Kalif, sowie dessen Religionsminister, der „Sahib al-Dawa“. Der Sahib al-Dawa entsendet von ihm gesponserte Dais in die Provinzen, sowie zur Missionierung ins Ausland. Dais sind ähnlich wie Priester im Katholizismus, allerdings beanspruchen sie nicht, das Monopol auf religiöse Schlüsselfunktionen zu haben – ihre Aufgabe ist vor allem, Leute zu bekehren, Predigten zu halten, geistlichen Trost zu spenden und zu lehren. Jedem Dai folgen einige Mustajibs – Novizen, die dem Dai als Assistenten folgen, hoffen, von ihm lernen zu können und schließlich selber zu Dais ernannt zu werden.

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