<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/api.php?action=feedcontributions&amp;feedformat=atom&amp;user=Romain+du+Puy</id>
	<title>Scriptorium - Benutzerbeiträge [de]</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/api.php?action=feedcontributions&amp;feedformat=atom&amp;user=Romain+du+Puy"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Spezial:Beitr%C3%A4ge/Romain_du_Puy"/>
	<updated>2026-10-26T18:23:42Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.35.2</generator>
	<entry>
		<id>https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Glas&amp;diff=1512</id>
		<title>Glas</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Glas&amp;diff=1512"/>
		<updated>2016-03-24T21:12:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Romain du Puy: /* Techniken der mittelalterlichen Glasherstellung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt Glas und die Herstellung von Glas im Kontext des Mittelalters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte der Glasherstellung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fertigkeit Glas herzustellen und dieses zu bearbeiten ist eine alte Kunst. Die ältesten Belege stammen aus Ugarit, wo bereits im Jahre 1600 v. Chr. Glas geschmolzen und zu Perlen verarbeitet wurde. Das älteste bekannte Glasgefäß stammt dagegen aus Ägypten und datiert auf die Regierungszeit Thutmosis III. (ca. 1450 v. Chr.). Die Ägypter stellten Hohlgläser her, in dem sie erhitzte Glasstränge um einen Kern aus poröser Keramik wickelten und diesen anschließend aus dem erkalteten Glas heraus kratzten. Das Zentrum der ägyptischen Glasmacherei lag in Theben. Dort wurde ein Gemisch aus Quarzsand und Pflanzenasche in einem ersten Schmelzvorgang bei 800 Grad zum Schmelzen und die so entstehende Fritte in einem zweiten Schmelzvorgang auf bis zu 1100 Grad erhitzt. Das beim zweiten Brennvorgang entstandene Rohglas wurde zu handlichen Barren geschmolzen, welche im gesamten Mittelmeerraum zur beliebten Handelsware avancierten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Minoer, Mykener, Griechen, Etrusker und später auch die Römer übernahmen die Techniken der Glasherstellung. Durch die Erfindung der Glasbläserpfeife im 1. Jahrhundert vor Christus erfuhr die Kunst der Glasmacherei wichtige Impulse. Fortan war es möglich, mundgeblasenes Glas herzustellen, was das Formenspektrum enorm erweiterte. Die Römer waren in der Lage, ihre Glasgefäße durch die unterschiedlichsten Dekorationsformen zu verzieren. Zum weit gefächerten Repertoire der römischen Glasmacher gehörten Nuppen, Auflagen und Schlangenfadendekor. Neben kunstvollen Gefäßen waren sie auch in der Lage Büsten, Statuetten, Gemmen, Mosaiksteinchen und Flachglas für Fenster herzustellen. Bei der Oberschicht erfreuten sich Glasarbeiten mit Edelmetalleinlage besonderer Beliebtheit. Mit der Beigabe verschiedener Zusätze war es in den Handwerkern möglich das Glas beim Schmelzvorganz einzufärben. Zudem beherrschte man auch die Kunst des Entfärbens, wodurch milchig weißliches Glas entstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ausführlichste Darstellung antiker Glasmacherei findet sich in der Historia Naturalis des älteren Plinius. Das Glas wurde aus Quarzsand und natürlich vorkommendem Natron hergestellt. Bedeutende Lagerstätten lagen in Hispanien, Gallien und Italien, während der Großteil des Natrons im ägyptischen Wadi Natrun abgebaut wurde. Weitere Abbaustätten von Natron bildeten die Salinen am Toten Meer, wenngleich sie niemals die Bedeutung der ägyptischen Lagerstätten erreichten. Die Grundstoffe wurde in großen Wannen aufgeschmolzen und das Gemenge in kleinen Schmelztiegeln veredelt. Zentren der Glasherstellung entstanden rund um das Wadi Natrun und in der Levante. Von dort aus wurde das Rohgals ins gesamte Imperium Romanum exportiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Techniken der mittelalterlichen Glasherstellung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mittelalterliche Glas bestand im wesentlichen aus zwei Hauptkomponenten: Aus zwei Teilen Quarzsand als Glasbildner und einem Teil Natron / Soda oder Asche als Flussmittel und zur Senkung der Schmelztemperatur. Mit Natron erreichten die Handwerker eine wesentlich höhere Glasqualität, weshalb diesem der Vorzug gegeben wurde. Nur wenn dieser Grundstoff nicht verfügbar war, griff man behelfsmäßig auf Asche zurück. Daneben konnte es noch diverse Zusätze für die Farbgebung enthalten. Eisenoxide ergaben als Zusatz eine blau-grüne bis gelbliche Färbung, Kupferoxide eine blau oder grünliche Färbung, während man mit Nickeloxiden eine violette bis rötliche Färbung erreichte. Die teuersten Färbemittel waren Silber für eine gelbliche Färbung und Gold, dass es dem Glasmacher ermöglichte einen Purpurton zu treffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Glasmacher bedienten sich bei der Glasherstellung eines zweistufigen Schmelzverfahrens. Zunächst wurde das Gemenge gesintert. Bei diesem Prozess wird das Gemenge auf 700 Grad erhitzt, dass Flussmittel und Glasbilder verbinden und die Fritte entsteht. Verunreinigungen wie Sulfate und Chloride flockten als Schaum aus und konnten von Hand abgeschöpft werden. In einem zweiten Schritt wurde das Rohglas bei 1150 Grad geschmolzen und schließlich bei 900 Grad weiterverarbeitet oder zwecks Weitertransport in Barrenform gegossen. Diese Vorgänge erfolgten in einem speziell gefertigten Glasofen, der neben der eigentlichen Schmelzkammer eine Sinterkammer beinhaltete, aus der man den Schaum abschöpfen konnte. Ursprünglich hatten diese wuchtigen Öfen eine runde Form. In späterer Zeit setzte sich die eckige Ofenform durch. Aus Gründen des Brandschutzes waren die Schmelzöfen stets in einem separaten Gebäudeteil oder in einem Hinterhof untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Herstellung von Hohlglas waren dem mittelalterlichen Handwerker zwei unterschiedliche Techniken vertraut. Zum einen war es möglich, das Glas mit Hilfe eines Models in Form zu blasen. Dabei wurde der Schmelze mit der Glasmacherpfeife ein Klumpen zähflüssigen Glases entnommen und dann in eine Form aus Holz oder Eisen geblasen. Zum anderen gab es noch die Technik des freien Blasens, die wesentlich mehr Kunstfertigkeit des Handwerkers erforderte, da das Glas ausschließlich durch Blasen, Rotation und dem Einsatz spezieller Scheren und Zangen in Form gebracht wurde. Das Glas konnte noch beim Blasen durch das Aufsetzten verschiedener Applikationen verziert werden. Um Spannungen zu vermeiden, die das Glas zum Springen bringen konnten, musste es anschließend im Kühlofen getempert werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunst, Flachglas herzustellen, geriet zunächst in Vergessenheit und musste erst wiederentdeckt werden. Im Mittelalter erfolgte die Fertigung von Flachglas im Zylinder-Blas-Verfahren. Hierbei wurde, wie schon bei der Herstellung von Hohlglas, aus der Schmelze zähflüssigen Glases ein Klumpen entnommen. Dieser wurde zu einem Zylinder aufgeblasen, ehe er der Länge nach aufgetrennt und zu einer 35 x 50 cm großen Glasscheibe ausgerollt. Eine andere Möglichkeit war es, den Glasklumpen zu öffnen und durch Rotation zu einer kreisrunden Glasscheibe, der Butze, zu formen. Dieses Verfahren stammt höchstwahrscheinlich aus dem vorderen Orient und wurde von dort übernommen. Es war durchaus üblich, dass in ein und derselben Glashütte sowohl Hohl- als auch Flachglas hergestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Okzident==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Gebieten des ehemaligen Weströmischen Reiches knüpfte man an römische Glasmacher-Traditionen an. Jedoch litt die Qualität des Gebrauchsglases im nordalpinen Raum erheblich. Die Situation verschärfte sich, als der transalpine Handel mit Soda und Natron zum erliegen kam. Man war gezwungen das ausbleibende Flussmittel durch Pottasche zu ersetzen. Die meisten Glashütten verlagerten sich aus den Städten in Waldgebiete, da sie einen enormen Bedarf an Holz hatten. Dieses auch als Waldglas bekannte Glas hatte eine bräunlich-grünliche Färbung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sturzbecher, Rüsselbecher und kuhhornförmige Glasgefäße waren das am weitesten verbreitete Gebrauchsglas. Ab dem 10. Jahrhundert wurde diese Produktpalette um stumpfe Becher mit konischer Wandung, Ampulle und bauchige Flaschen mit langem Hals erweitert. Zudem sind aus dieser Zeit erstmalig Kirchen mit verglasten Fenstern belegt. Mit dem 12. Jahrhundert kamen zusehends byzantinisch angehauchte Gläser korinthischen Typs in Mode. Dies waren meist Becher mit aufgeschmolzenem Tropfen- und Perlendekor. Bis zum 15. Jahrhundert erweiterte sich die Produktpalette stetig. Im 15. Jahrhundert gelang es erstmals farbloses Transparentglas herzustellen, dass als Cristallino bekannt wurde. Damit hatte die mittelalterliche Glasherstellung im Okzident ihren Zenit erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die frühen Zentren der okzidentalen Galsmacherei lagen in Italien, dem Rheinland sowie der Normandie und der Provence. Später etablierten sich weitere Zentren in England, Skandinavien und in Böhmen. Letztere waren vor allem für den Kuttrolf und den Krautstrunk bekannt. Unter islamischem Einfluss gewannen auch die Glashütten auf der iberischen Halbinsel, allen voran die katalanischen, an Bedeutung. Im nordalpinen Raum blieben die französischen so wie die niederländischen Glashütten führend. Die eigentlichen Hochburgen der okzidentalen Glasmacherkunst lagen jedoch nach wie vor in Italien. Hier sind vor allem die Glasmacher von Venedig und Genua zu nennen, die mit ihrer Kunstfertigkeit den Ruhm des italienischen Glases begründeten, das sich in ganz Europa großer Beliebtheit erfreute. Murano-Glas wurde zum Inbegriff der Qualität und wurde bis nach Skandinavien verhandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Byzantinische Raum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weitaus stärker als im lateinischen Westen knüpfte man im byzantinischen Raum an römische Wurzeln an. Den byzantinischen Glasmachern war eine Vielzahl an Arbeitstechniken und Formen bekannt. Glas konnte sowohl frei als auch in der Form geblasen werden. Ebenso beherrschte man die Fertigung von Flachglas. Gefäße wurden mit Applikationen und Emailtechniken verziert. Auch waren Gravur- und Schnitttechniken bekannt. Besondere Kunstfertigkeit entwickelten die byzantinischen Handwerker bei der Herstellung von bunten Kirchenfenstern und Glasmosaiken, die durch ihre Einlagen aus Edelmetall bestachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die byzantinische Glasmacherkunst strahle weit über die Grenzen des byzantinischen Kernlandes hinaus. Sie beeinflusste die Italienischen Glasmacher ebenso wie ihre bulgarischen Kollegen. Byzantinisches Exportglas fand sich im ganzen Mittelmeerraum wie auch an den Küsten des Schwarzen Meeres bis hinauf zur Kiewer Rus. Als besonders populärer Exportschlager erwiesen sich die sogenannten Hedwigsgläser, die gerade in den Kreuzfahrerherrschaften weite Verbreitung fanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Islamische Raum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In allem vom Islam eroberten Ländern, die ehemals zum Römischen Reich gehörten, wurde die spätantike Glasproduktion fortgesetzt. Die in islamischer Zeit entstandenen Glashütten lassen sich nur schwer von den ursprünglich römischen Unterscheiden, da sie dem gleichen Aufbau wie ihre Vorbilder folgten. In der Anfangszeit folgten auch die Gefäßformen noch den klassischen Mustern der Spätantike. Erst allmählich entwickelten sich eigene, unzweifelhaft der islamischen Welt zuzuordnende, Gefäßtypen, etwa für Spritzfläschchen und Phiolen für Pharmazie und Kosmetik. Auch sind große Trink- und Waschgefäße sowie Moscheelampen mit üppiger Ornamentik bekannt. Für den täglichen Gebrauch gab es kleinere Schmuckelemente und Spielsteine aus Glas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Islamische Glasmacher waren in der Lage nahezu farbloses Glas herzustellen, wie sie auch im Stande waren, eine große Palette von unterschiedlichen Farbtönen zu erzeugen, indem sie dem Gemenge Zusatzstoffe beigaben. Zur Verzierung ihrer Erzeugnisse bedienten sie sich vielfältiger Techniken. Beliebt waren applizierte Fäden oder scheiben. Ähnlich beliebt waren Ritz- und Schleifmuster oder sich widerholende Ornamente, die mithilfe eines Rads in das noch heiße Glas gedrückt wurden. Schriftzüge wurden dagegen mit speziellen Zangen in das Glas gedrückt. Im religiösen Kontext handelte es sich dabei oftmals um Koransuren, aber es sind auch Gefäße und Schalen mit Herrschernamen bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Produktion von Glas stellte im muslimischen Raum einen wichtigen Wirtschaftsfaktor da; allen voran der Handel mit Natron, der für die Herstellung von hochwertigem Glas unabdingbar war. Darüber hinaus bildeten Rohglas und Glasprodukte wichtige Exportgüter. Syrische Stangengläser wurden sowohl in den Osten als auch in den Westen verhandelt. Selbst zerbrochenes Altglas bildete ein wichtiges Handelsgut, was noch einmal den Wert dieses Materials unterstreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Wert des Glases==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glas war ein wertvoller Rohstoff, da allein die Beschaffung der Grundstoffe und die Herstellung des Rohglases sehr aufwendig war. Darüber hinaus erforderte die Bearbeitung des Glases hohe Kunstfertigkeit. Es ist daher wenig verwunderlich, das Glas im Mittelalter nicht für alle gesellschaftlichen Schichten erschwinglich war und als Luxusgut galt. Reiche Bürgerliche waren durchaus in der Lage, sich einfachere Glasgefäße und Schmuckperlen aus Glas zu leisten. Aufwändigere Objekte aus Glas waren dagegen dem Adel vorbehalten. Besonders kostbar waren Glasfenster. Diese waren nur für den Hochadel und den hohen Klerus erschwinglich. So waren Fenster aus Glas ein deutliches Zeichen für Reichtum und Macht ihrer Besitzer, während sich andere mit dünnen Stoffbahnen oder Pergament zufrieden geben mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Alltag]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Romain du Puy</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Glas&amp;diff=1511</id>
		<title>Glas</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Glas&amp;diff=1511"/>
		<updated>2016-03-24T21:11:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Romain du Puy: /* Techniken der mittelalterlichen Glasherstellung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt Glas und die Herstellung von Glas im Kontext des Mittelalters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte der Glasherstellung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fertigkeit Glas herzustellen und dieses zu bearbeiten ist eine alte Kunst. Die ältesten Belege stammen aus Ugarit, wo bereits im Jahre 1600 v. Chr. Glas geschmolzen und zu Perlen verarbeitet wurde. Das älteste bekannte Glasgefäß stammt dagegen aus Ägypten und datiert auf die Regierungszeit Thutmosis III. (ca. 1450 v. Chr.). Die Ägypter stellten Hohlgläser her, in dem sie erhitzte Glasstränge um einen Kern aus poröser Keramik wickelten und diesen anschließend aus dem erkalteten Glas heraus kratzten. Das Zentrum der ägyptischen Glasmacherei lag in Theben. Dort wurde ein Gemisch aus Quarzsand und Pflanzenasche in einem ersten Schmelzvorgang bei 800 Grad zum Schmelzen und die so entstehende Fritte in einem zweiten Schmelzvorgang auf bis zu 1100 Grad erhitzt. Das beim zweiten Brennvorgang entstandene Rohglas wurde zu handlichen Barren geschmolzen, welche im gesamten Mittelmeerraum zur beliebten Handelsware avancierten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Minoer, Mykener, Griechen, Etrusker und später auch die Römer übernahmen die Techniken der Glasherstellung. Durch die Erfindung der Glasbläserpfeife im 1. Jahrhundert vor Christus erfuhr die Kunst der Glasmacherei wichtige Impulse. Fortan war es möglich, mundgeblasenes Glas herzustellen, was das Formenspektrum enorm erweiterte. Die Römer waren in der Lage, ihre Glasgefäße durch die unterschiedlichsten Dekorationsformen zu verzieren. Zum weit gefächerten Repertoire der römischen Glasmacher gehörten Nuppen, Auflagen und Schlangenfadendekor. Neben kunstvollen Gefäßen waren sie auch in der Lage Büsten, Statuetten, Gemmen, Mosaiksteinchen und Flachglas für Fenster herzustellen. Bei der Oberschicht erfreuten sich Glasarbeiten mit Edelmetalleinlage besonderer Beliebtheit. Mit der Beigabe verschiedener Zusätze war es in den Handwerkern möglich das Glas beim Schmelzvorganz einzufärben. Zudem beherrschte man auch die Kunst des Entfärbens, wodurch milchig weißliches Glas entstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ausführlichste Darstellung antiker Glasmacherei findet sich in der Historia Naturalis des älteren Plinius. Das Glas wurde aus Quarzsand und natürlich vorkommendem Natron hergestellt. Bedeutende Lagerstätten lagen in Hispanien, Gallien und Italien, während der Großteil des Natrons im ägyptischen Wadi Natrun abgebaut wurde. Weitere Abbaustätten von Natron bildeten die Salinen am Toten Meer, wenngleich sie niemals die Bedeutung der ägyptischen Lagerstätten erreichten. Die Grundstoffe wurde in großen Wannen aufgeschmolzen und das Gemenge in kleinen Schmelztiegeln veredelt. Zentren der Glasherstellung entstanden rund um das Wadi Natrun und in der Levante. Von dort aus wurde das Rohgals ins gesamte Imperium Romanum exportiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Techniken der mittelalterlichen Glasherstellung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mittelalterliche Glas bestand im wesentlichen Hauptkomponenten: Aus zwei Teilen Quarzsand als Glasbildner und einem Teil Natron / Soda oder Asche als Flussmittel und zur Senkung der Schmelztemperatur. Mit Natron erreichten die Handwerker eine wesentlich höhere Glasqualität, weshalb diesem der Vorzug gegeben wurde. Nur wenn dieser Grundstoff nicht verfügbar war, griff man behelfsmäßig auf Asche zurück. Daneben konnte es noch diverse Zusätze für die Farbgebung enthalten. Eisenoxide ergaben als Zusatz eine blau-grüne bis gelbliche Färbung, Kupferoxide eine blau oder grünliche Färbung, während man mit Nickeloxiden eine violette bis rötliche Färbung erreichte. Die teuersten Färbemittel waren Silber für eine gelbliche Färbung und Gold, dass es dem Glasmacher ermöglichte einen Purpurton zu treffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Glasmacher bedienten sich bei der Glasherstellung eines zweistufigen Schmelzverfahrens. Zunächst wurde das Gemenge gesintert. Bei diesem Prozess wird das Gemenge auf 700 Grad erhitzt, dass Flussmittel und Glasbilder verbinden und die Fritte entsteht. Verunreinigungen wie Sulfate und Chloride flockten als Schaum aus und konnten von Hand abgeschöpft werden. In einem zweiten Schritt wurde das Rohglas bei 1150 Grad geschmolzen und schließlich bei 900 Grad weiterverarbeitet oder zwecks Weitertransport in Barrenform gegossen. Diese Vorgänge erfolgten in einem speziell gefertigten Glasofen, der neben der eigentlichen Schmelzkammer eine Sinterkammer beinhaltete, aus der man den Schaum abschöpfen konnte. Ursprünglich hatten diese wuchtigen Öfen eine runde Form. In späterer Zeit setzte sich die eckige Ofenform durch. Aus Gründen des Brandschutzes waren die Schmelzöfen stets in einem separaten Gebäudeteil oder in einem Hinterhof untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Herstellung von Hohlglas waren dem mittelalterlichen Handwerker zwei unterschiedliche Techniken vertraut. Zum einen war es möglich, das Glas mit Hilfe eines Models in Form zu blasen. Dabei wurde der Schmelze mit der Glasmacherpfeife ein Klumpen zähflüssigen Glases entnommen und dann in eine Form aus Holz oder Eisen geblasen. Zum anderen gab es noch die Technik des freien Blasens, die wesentlich mehr Kunstfertigkeit des Handwerkers erforderte, da das Glas ausschließlich durch Blasen, Rotation und dem Einsatz spezieller Scheren und Zangen in Form gebracht wurde. Das Glas konnte noch beim Blasen durch das Aufsetzten verschiedener Applikationen verziert werden. Um Spannungen zu vermeiden, die das Glas zum Springen bringen konnten, musste es anschließend im Kühlofen getempert werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunst, Flachglas herzustellen, geriet zunächst in Vergessenheit und musste erst wiederentdeckt werden. Im Mittelalter erfolgte die Fertigung von Flachglas im Zylinder-Blas-Verfahren. Hierbei wurde, wie schon bei der Herstellung von Hohlglas, aus der Schmelze zähflüssigen Glases ein Klumpen entnommen. Dieser wurde zu einem Zylinder aufgeblasen, ehe er der Länge nach aufgetrennt und zu einer 35 x 50 cm großen Glasscheibe ausgerollt. Eine andere Möglichkeit war es, den Glasklumpen zu öffnen und durch Rotation zu einer kreisrunden Glasscheibe, der Butze, zu formen. Dieses Verfahren stammt höchstwahrscheinlich aus dem vorderen Orient und wurde von dort übernommen. Es war durchaus üblich, dass in ein und derselben Glashütte sowohl Hohl- als auch Flachglas hergestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Okzident==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Gebieten des ehemaligen Weströmischen Reiches knüpfte man an römische Glasmacher-Traditionen an. Jedoch litt die Qualität des Gebrauchsglases im nordalpinen Raum erheblich. Die Situation verschärfte sich, als der transalpine Handel mit Soda und Natron zum erliegen kam. Man war gezwungen das ausbleibende Flussmittel durch Pottasche zu ersetzen. Die meisten Glashütten verlagerten sich aus den Städten in Waldgebiete, da sie einen enormen Bedarf an Holz hatten. Dieses auch als Waldglas bekannte Glas hatte eine bräunlich-grünliche Färbung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sturzbecher, Rüsselbecher und kuhhornförmige Glasgefäße waren das am weitesten verbreitete Gebrauchsglas. Ab dem 10. Jahrhundert wurde diese Produktpalette um stumpfe Becher mit konischer Wandung, Ampulle und bauchige Flaschen mit langem Hals erweitert. Zudem sind aus dieser Zeit erstmalig Kirchen mit verglasten Fenstern belegt. Mit dem 12. Jahrhundert kamen zusehends byzantinisch angehauchte Gläser korinthischen Typs in Mode. Dies waren meist Becher mit aufgeschmolzenem Tropfen- und Perlendekor. Bis zum 15. Jahrhundert erweiterte sich die Produktpalette stetig. Im 15. Jahrhundert gelang es erstmals farbloses Transparentglas herzustellen, dass als Cristallino bekannt wurde. Damit hatte die mittelalterliche Glasherstellung im Okzident ihren Zenit erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die frühen Zentren der okzidentalen Galsmacherei lagen in Italien, dem Rheinland sowie der Normandie und der Provence. Später etablierten sich weitere Zentren in England, Skandinavien und in Böhmen. Letztere waren vor allem für den Kuttrolf und den Krautstrunk bekannt. Unter islamischem Einfluss gewannen auch die Glashütten auf der iberischen Halbinsel, allen voran die katalanischen, an Bedeutung. Im nordalpinen Raum blieben die französischen so wie die niederländischen Glashütten führend. Die eigentlichen Hochburgen der okzidentalen Glasmacherkunst lagen jedoch nach wie vor in Italien. Hier sind vor allem die Glasmacher von Venedig und Genua zu nennen, die mit ihrer Kunstfertigkeit den Ruhm des italienischen Glases begründeten, das sich in ganz Europa großer Beliebtheit erfreute. Murano-Glas wurde zum Inbegriff der Qualität und wurde bis nach Skandinavien verhandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Byzantinische Raum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weitaus stärker als im lateinischen Westen knüpfte man im byzantinischen Raum an römische Wurzeln an. Den byzantinischen Glasmachern war eine Vielzahl an Arbeitstechniken und Formen bekannt. Glas konnte sowohl frei als auch in der Form geblasen werden. Ebenso beherrschte man die Fertigung von Flachglas. Gefäße wurden mit Applikationen und Emailtechniken verziert. Auch waren Gravur- und Schnitttechniken bekannt. Besondere Kunstfertigkeit entwickelten die byzantinischen Handwerker bei der Herstellung von bunten Kirchenfenstern und Glasmosaiken, die durch ihre Einlagen aus Edelmetall bestachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die byzantinische Glasmacherkunst strahle weit über die Grenzen des byzantinischen Kernlandes hinaus. Sie beeinflusste die Italienischen Glasmacher ebenso wie ihre bulgarischen Kollegen. Byzantinisches Exportglas fand sich im ganzen Mittelmeerraum wie auch an den Küsten des Schwarzen Meeres bis hinauf zur Kiewer Rus. Als besonders populärer Exportschlager erwiesen sich die sogenannten Hedwigsgläser, die gerade in den Kreuzfahrerherrschaften weite Verbreitung fanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Islamische Raum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In allem vom Islam eroberten Ländern, die ehemals zum Römischen Reich gehörten, wurde die spätantike Glasproduktion fortgesetzt. Die in islamischer Zeit entstandenen Glashütten lassen sich nur schwer von den ursprünglich römischen Unterscheiden, da sie dem gleichen Aufbau wie ihre Vorbilder folgten. In der Anfangszeit folgten auch die Gefäßformen noch den klassischen Mustern der Spätantike. Erst allmählich entwickelten sich eigene, unzweifelhaft der islamischen Welt zuzuordnende, Gefäßtypen, etwa für Spritzfläschchen und Phiolen für Pharmazie und Kosmetik. Auch sind große Trink- und Waschgefäße sowie Moscheelampen mit üppiger Ornamentik bekannt. Für den täglichen Gebrauch gab es kleinere Schmuckelemente und Spielsteine aus Glas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Islamische Glasmacher waren in der Lage nahezu farbloses Glas herzustellen, wie sie auch im Stande waren, eine große Palette von unterschiedlichen Farbtönen zu erzeugen, indem sie dem Gemenge Zusatzstoffe beigaben. Zur Verzierung ihrer Erzeugnisse bedienten sie sich vielfältiger Techniken. Beliebt waren applizierte Fäden oder scheiben. Ähnlich beliebt waren Ritz- und Schleifmuster oder sich widerholende Ornamente, die mithilfe eines Rads in das noch heiße Glas gedrückt wurden. Schriftzüge wurden dagegen mit speziellen Zangen in das Glas gedrückt. Im religiösen Kontext handelte es sich dabei oftmals um Koransuren, aber es sind auch Gefäße und Schalen mit Herrschernamen bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Produktion von Glas stellte im muslimischen Raum einen wichtigen Wirtschaftsfaktor da; allen voran der Handel mit Natron, der für die Herstellung von hochwertigem Glas unabdingbar war. Darüber hinaus bildeten Rohglas und Glasprodukte wichtige Exportgüter. Syrische Stangengläser wurden sowohl in den Osten als auch in den Westen verhandelt. Selbst zerbrochenes Altglas bildete ein wichtiges Handelsgut, was noch einmal den Wert dieses Materials unterstreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Wert des Glases==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glas war ein wertvoller Rohstoff, da allein die Beschaffung der Grundstoffe und die Herstellung des Rohglases sehr aufwendig war. Darüber hinaus erforderte die Bearbeitung des Glases hohe Kunstfertigkeit. Es ist daher wenig verwunderlich, das Glas im Mittelalter nicht für alle gesellschaftlichen Schichten erschwinglich war und als Luxusgut galt. Reiche Bürgerliche waren durchaus in der Lage, sich einfachere Glasgefäße und Schmuckperlen aus Glas zu leisten. Aufwändigere Objekte aus Glas waren dagegen dem Adel vorbehalten. Besonders kostbar waren Glasfenster. Diese waren nur für den Hochadel und den hohen Klerus erschwinglich. So waren Fenster aus Glas ein deutliches Zeichen für Reichtum und Macht ihrer Besitzer, während sich andere mit dünnen Stoffbahnen oder Pergament zufrieden geben mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Alltag]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Romain du Puy</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Gottesurteil&amp;diff=1510</id>
		<title>Gottesurteil</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Gottesurteil&amp;diff=1510"/>
		<updated>2016-03-20T19:28:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Romain du Puy: Die Seite wurde neu angelegt: „Bei dem Gottesurteil (lat. &amp;#039;&amp;#039;iudicium Dei&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;ordalium&amp;#039;&amp;#039;) handelt es sich um ein Mittel der sakralen Rechtsfindung. In der Forschung wird es auch als eine For…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Bei dem Gottesurteil (lat. &amp;#039;&amp;#039;iudicium Dei&amp;#039;&amp;#039;, &amp;#039;&amp;#039;ordalium&amp;#039;&amp;#039;) handelt es sich um ein Mittel der sakralen Rechtsfindung. In der Forschung wird es auch als eine Form des ritualisierten Wunders bezeichnet. Dem zu Grunde liegt die Vorstellung von Gott als allwissendem Hüter des Rechts, der durch sein persönliches Eingreifen die Probe zu Gunsten des Gerechten entscheidet. Als Mittel der Beweisfindung blieb es jedoch stets die &amp;#039;&amp;#039;ultima ratio&amp;#039;&amp;#039;, wenn Eidesleistung und Schwurhelfer nicht ausreichten, um Schuld oder Unschuld des Angeklagten zweifelsfrei festzustellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kurze Geschichte des Gottesurteils ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das römische Recht kannte kein Gottesurteil. Dagegen war es im germanischen Rechtsverständnis eine fest etablierte Größe. Mit der Herausbildung germanischer Nachfolgereiche auf dem Territorium des ehemaligen Imperium Romanum, kam auch die Kirche in Kontakt mit dem Gottesurteil. Da auch die Kirche auf das Eingreifen Gottes in Rechtstreitigkeiten vertraute, nahm sie dieses mit Verweis auf alttestamentarische Ordale in ihren Rechtskanon auf. Die Kirche war nun bemüht, die vielfältigen Formen des Ordals zu ordnen und den Akt als solchen zu ritualisieren. Ebenso fand seine Praxis Einzug in mittelalterliche Volksrechte, wie in die &amp;#039;&amp;#039;Lex Salica&amp;#039;&amp;#039;, den Sachsen- oder den Schwabenspiegel, wodurch sich die juristische Instanz des Gottesurteils verfestigte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arten des Gottesurteils ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es waren verschiedene Arten des Ordals geläufig, die sich grundsätzlich in bilaterale und unilaterale Gottesurteile einteilen lassen. Bei den bilateralen Formen setzten sich beide Gerichtsparteien einer Probe aus, während sich bei den unilateralen allein die beschuldigte Partei einer solchen stellen musste. Feuerprobe, Heißwasserprobe und Kaltwasserprobe lassen sich zudem zu den sogenannten Elementarordalen zusammen fassen, da in diesen Fällen die Elemente Feuer und Wasser Schuld oder Unschuld des Angeklagten offen legten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bilaterale Gottesurteile ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Psalterprobe. Bei dieser Probe wurde ein Psalter als Pendel verwendet, während beide Parteien ihre Aussage machten. Je nach Ausschlagerichtung des Pendels galt die eine Aussage als wahr, die andere als falsch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Das Kreuzordal. Bei dieser Art der Probe mussten Kläger und Angeklagter beide Arme vor dem Kreuz ausstrecken. Wer zuerst seine Arme zuerst sinken ließ, war im Unrecht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Der gerichtliche Zweikampf. Beim gerichtlichen Zweikampf mussten die beiden Kontrahenten gegeneinander antreten, um ihre Unschuld zu beweisen. In bestimmten Fällen durften sie sich auch durch Lohnkämpfer ersetzen lassen. Ausgefochten wurde der Kampf bis zum ersten Blutstropfen oder aber bis zum Tod einer Partei. Der Zweikampf galt vor allen in Adelskreisen als probates Mittel der Wahrheitsfindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Unilaterale Gottesurteile ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Das Hostienordal. Bei diesem musste der Angeklagte eine geweihte Hostie essen. Wenn er sich dabei verschlickte, galt er als schuldig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Feuerprobe. Bei dieser musste der Delinquent ein glühendes Eisen mehrere Schritte weit tragen. Bei einer anderen Variante musste der Angeklagte barfüßig über glühende Pflugscharen laufen. Entzündete sich die Wunde nach einigen Tagen anstatt zu heilen und eiterte stark, galt dies als Schuldbeweis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Heißwasserprobe oder der Kesselfang. Bei dieser Art der Probe musste der Angeklagte in einen Kessel voll mit glühendem Wasser greifen, um einen Gegenstand hervor zu holen. Entzündeten sich nach einigen Tagen die Brandwunden statt zu heilen, so galt er als schuldig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*Die Kaltwasserprobe. Bei der Kaltwasserprobe wurde der Angeklagte in zuvor gesegnetes Wasser geworfen. Schwamm er, so galt dies als Zeichen, dass ihn das gesegnete Wasser abstieß und er wurde für schuldig befunden. Sank er dagegen, so war er unschuldig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ablauf eines Gottesurteils ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Gottesurteil war ein streng ritualisierter Akt und folgte in seinem Ablauf festen Regeln. Die einzelnen Schritte eines solchen lassen sich wie folgt zusammen fassen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Lesen der Messe&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Feierliche Prozession zum Ort des Ordals&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
3. Praktische Vorbereitungen zum Gottesurteil&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
4. Segnung des Gerichtes&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
5. Bekenntnis der menschlichen Schuld&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
6. Eid des Probanden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
7. Vollzug des Ordals&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zu den restlichen Ordalen verzichtete der gerichtliche Zweikampf fast vollständig auf eine ausgefeilte Zeremonie, um den Kampf als sakralen Akt zu kennzeichnen. Nur vereinzelnd sind Rituale wie eine Messe oder die Segnung der Waffen und Kämpfer belegt. Wichtig war allein die vorher erfolgte Anrufung Gottes, er möge dem Gerechten zum Sieg verhelfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dennoch folgte auch der Zweikampf festgeschriebenen Regeln. Zunächst erfolgte die Herausforderung durch eine der beiden Streitparteien, die das Wort der anderen in Frage stellte. In der Vorbereitungsphase des Kampfes blieb Raum für Verhandlungen, um beiden Parteien eine letzte Möglichkeit zu geben, zu einer friedlichen Einigung in Form eines Vergleichs zu kommen. Der Zweikampf selbst erfolgte schließlich auf einer vorher abgesteckten Kampfbahn, die den Sonderstatus der handelnden Akteure betonte und sie von ihrer Umgebung abhob.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist nur eine Form des Gottesurteils bekannt, das gänzlich ohne Zeremoniell auskam und spontan erfolgte. Sollte ein Delinquent gehängt werden und riss dabei der Galgenstrick, so war er durch den Willen Gottes begnadigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritik am Gottesurteil ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenngleich das Gottesurteil über weite Strecken des Mittelalters im allgemeinen akzeptiert und anerkannt wurde, blieb es nicht unumstritten. Erzbischof Agobard von Lyon (ca. 769-840) war der erste, der es anprangerte. Der Kirchenreformer führte einen leidenschaftlichen Kampf gegen Aberglaube und Gottesurteil. Letzteres verurteilte er aufs Schärfste, da es dem Menschen nicht zustehe, den Herrn zu versuchen, indem er ein Wunder einfordere. Dieser Argumentation schlossen sich weitere Geistesgrößen wie Hrabanus Maurus (ca. 780-856) und Petrus Cantor (um 1190) an, die anführten, der göttliche Wille sei dem Menschen unergründlich. Auch im Kirchenrecht wurde die Praxis des Ordals kritisch reflektiert. Im um 1140 entstandenen &amp;#039;&amp;#039;Decretum Gratianum&amp;#039;&amp;#039; des Bologneser Rechtsgelehrten Gratian finden sich sowohl Argumente für wie auch gegen das Gottesurteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verbot des Gottesurteils ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zunehmende Kritik führte schließlich zu seinem Verbot von kirchlicher Seite. Das von Papst Innozenz III. einberufene 4. Laterankonzil (1215) untersagte jede Form des Gottesurteils, wobei es auf das biblische Gebot: &amp;#039;&amp;#039;Non tentabis Dominum tuum&amp;#039;&amp;#039; verwies, auf welches sich schon Agobard von Lyon berufen hatte. 16 Jahre später erfolgte ein ähnliches Verbot von weltlicher Seite. In dem Bemühen, das sizilianische Recht zu kodifizieren und seine gerichtliche Oberhoheit gegenüber dem Gewohnheitsrecht und kirchlichen Gerichten durchzusetzen, ließ Kaiser Friedrich II. die Konstitutionen von Melfi erstellen. Diese beinhalteten ein generelles Verbot des Ordals zur Rechtsfindung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aller Verbote von kirchlicher und weltlicher Seite zum Trotz, sollte es nicht gelingen, die Praxis des Gottesurteils gänzlich zurückzudrängen. Selbst hohe kirchliche Würdenträger widersetzten sich dem Gebot des Papstes und bestanden weiterhin auf dem Ordal als Mittel zur Rechtsfindung. In Form der frühneuzeitlichen Hexenproben erlebte es seine Renaissance, während der richterliche Zweikampf in umgewandelter Form des Duells bis weit in die Moderne Bestand hatte.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Romain du Puy</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Schach&amp;diff=1498</id>
		<title>Schach</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Schach&amp;diff=1498"/>
		<updated>2016-03-19T19:01:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Romain du Puy: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Schach ist ein strategisches Brettspiel für zwei Spieler. Der Name des Schachspiels leitet sich vom persischen Schah (König) ab, weshalb es auch als Spiel der Könige bekannt ist. Ziel des Spiels ist es, den gegnerischen König schachmatt zu setzen Die Partie ist gewonnen, wenn es einem der Spieler gelingt, den König des Gegners matt zu setzen oder aber, wenn das Gegenüber aufgibt. Dagegen endet die Partie unentschieden, wenn der König nicht im Schach steht, jedoch keine der Spielfiguren bewegt werden kann, ohne ihn matt zu setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ursprünge des Schachspiels in Ostasien ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Herkunft des Schachspiels sind verschiedene Theorien in Umlauf. Sowohl China, Persien als auch Indien werden als Ursprungsland gehandhabt. Von den meisten Forschern wird der indische Ursprung des Schachspiels favorisiert. Dafür spricht der ursprüngliche Name des Spiels chaturanga, was eine indische Heeresbezeichnung ist. So basieren auch die frühen Spielsteine auf den klassischen Truppenteilen einer indischen Armee. In Indien finden sich zudem die frühesten schriftlichen Erwähnungen des Schachspiels. Drüber hinaus verweisen Persische Quellen auf Indien als Herkunftsland des Schachs. Als Gegenargument wird bisweilen angebracht, dass die Etymologie des indischen Namens chaturanga nicht restlos geklärt sei. Auch das Fehlen früher archäologischer Funde, welche die Herkunft des Spiels eindeutig belegen, dient den Kritikern der Indien-Theorie als Beleg, den Ursprung des Spiels woanders zu verorten. Im Allgemeinen herrscht jedoch Konsens, Indien als die Wiege des Schachspiels zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits angeklungen repräsentieren die indischen Schachfiguren die klassische Aufstellung eines Heeres, welches sich aus vier grundlegenden Truppenteilen zusammensetzt: Kavallerie, Sreitwagen, Kriegselefanten und Fußtruppen. Dem entsprechend setzt sich das indische Schach aus den folgenden Figuren zusammen: 1 Radscha, welcher dem König entspricht; 1 Mantri (Minister), welcher der Dame entspricht; 2 Gajah (Kriegselefant), welche den Läufern entsprechen; 2 Ashva (Pferde), welche den Springern entsprechen, 2 Ratha (Streitwagen), welche den Türmen entsprechen und 8 Padati (Fußsoldaten), welche den Bauern entsprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist man sich bei der Herkunft des Schachspiels heute weitestgehend einig, so herrscht noch immer eine kontrovers geführte Diskussion um die zeitliche Einordnung desselben. Buddha (563-483 v. Chr.) sprach sich gegen Spiele aus und erwähnte dabei ausdrücklich Brettspiele, die auf einem 8x8 Felder großem Spielbrett gespielt werden. Dabei könnte es sich auch um eine Art Protoschach gehandelt haben. Wesentlich konkreter wird es in der Lebensbeschreibung des Königs Shri Harsha von Kananj (606-647). Dort wird berichtet, dieser sei ein passionierter Spieler eines Kriegsspiels, dass auf einem 8x8 Felder großem Spielbrett gespielt wird, was von den meisten Wissenschaftlern als Schachspiel gewertet wird. Explizite Erwähnung findet das Spiel dann in den beiden Epen Harajivaya (ca. 850) und Kavyalankara (ca. 900). Erste archäologische Hinweise sind aus der Mauryan Periode (300-200 v. Chr.) bekannt. Aus dieser Zeit stammt eine Figurine eines Streitwagens, bei der es sich um eine Schachfigur handeln könnte. Zudem sind Wandreliefs mit der Darstellung eines schachartigen Spielbretts aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert bekannt. Generell werden die Anfänge des Schachspiels um 570 n. Chr. angesetzt, wobei es auch frühere Datierungen gibt. So werden erste Vorläuferspiele schon um 400 v. Chr. vermutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Schachspiel im persisch-arabischen Raum ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Seidenstraße gelangte das Schachspiel nach Persien, wo es sich rasch großer Beliebtheit erfreute. So ist es auch wenig verwunderlich, dass die ersten einwandfrei als solche zu identifizierenden Schachfiguren aus dem persischen Raum stammen. Sie wurden 1977 bei archäologischen Ausgrabungen unter einer Moschee in Samarkand gefunden. Dort fanden sich 7 Schachfiguren aus Elfenbein von einer Höhe zwischen 2,6 und 4 cm, die um das Jahr 712 datiert werden. Die persischen Schachfiguren lehnen sich eng an die indischen Vorbilder an. Es gibt einen Schah (König), der auf einer Sänfte getragen wird, einen berittenen Wesir, Pferde, Streitwagen und Fußsoldaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Expansion des Islam kamen auch die Araber in Kontakt mit dem Schachspiel und übernahmen es rasch. Zwar hatte sich der Prophet Mohammed gegen Spiele aller Art ausgesprochen, doch Spiele, die der Kriegsertüchtigung und der Schärfung des Verstandes dienen, seien legitim. Und dies, so argumentierten die muslimischen Rechtsgelehrten, treffe in besonderer Weise auf das Schachpiel zu. Zudem wurde aufgeführt, habe es im Umfeld des Propheten passionierte Schachspieler gegeben, was der Prophet gebilligt habe. Belege für die große Beliebtheit des Schachspiels in der muslimischen Welt finden sich zuhauf in der arabisch-sprachigen Literatur des Mittelalters. So gab es Schachbücher, die sich mit Regeln, Taktiken und Strategien des Schachs auseinander setzten und Lobgedichte auf das Spiel selbst oder aber berühmte Schachmeister. Daneben wurde Schachastrologie und Schachmathematik betrieben und die medizinische Anwendbarkeit des Spiels diskutiert. In der Philosophie wurde das Schachspiel als Beleg dafür angeführt, dass der freie Wille des Menschen dem Schicksal überlegen sei. Schließlich galt Schach als Symbol für Besonnenheit und Klugheit und wurde in der Poesie als Metapher für das Liebeswerben und das erotische Spiel zwischen Mann und Frau verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem arabisch-muslimischen Raum stammen auch die ersten abstrakten Schachfiguren. Waren bei den ersten persischen Figuren noch klar die Gestalt eines Reiters, eines Streitwagens oder eines Elefanten zu erkennen, wurden sie nun stark stilisiert dargestellt. Es wurde überlegt, ob die Entwicklung auf das Bilderverbot im Islam zurück zu führen sei. Mittlerweile wird ein direkter Zusammenhang ausgeschlossen, doch geht man davon aus, dass die Auseinandersetzung mit dem Bildererbot den Sinn für Abstraktion geschärft hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Weg des Schachspiels nach Europa ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schachspiel gelangte auf verschiedenen Wegen nach Europa. Zunächst stellte Byzanz eine wichtige Schnittstelle dar. Mit dem Ausgreifen des Islam nach Kleinasien trat Byzanz in zunehmenden Kontakt zur Islamischen Welt. Auf diesem Weg gelangte das Schachspiel nach Byzanz, wo es Zatrikion genannt wurde. Gespielt wurde primär mit den abstrakten Figuren des arabisch-muslimischen Typs. In Konstantinopel kamen Händler und Söldner aus Skandinavien in Kontakt mit dem Schachspiel und nahmen es mit in ihre nordeuropäische Heimat. Über byzantinische Verwaltungsbeamte gelangte es auch in die byzantinischen Enklaven Italiens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Maurische Spanien war die zweite wichtige Kontaktzone im Austausch zwischen dem christlichen Europa und der muslimischen Welt. Von dort breitete sich das Schachspiel nach Mittel- und Westeuropa aus. Mit der Ersten Kreuzzug und der Etablierung christlicher Herrschaften in der Levante intensivierte sich der Kontakt zwischen Orient und Okzident. Schach avancierte zum Spiel der Diplomaten und Gesandten. Dies legen zu mindestens die Zahlreichen Buchmalereien nahe, die einen christlichen und einen muslimischen Würdenträger beim Schachspiel zeigen. Eine der berühmtesten Abbildungen dieser Art stammt aus dem &amp;quot;Buch der Spiele&amp;quot;, das König Alfons X. von Kastilien 1283 in Auftrag gab. Für die Wissenschaft ist dieses Werk auch deshalb von besonderem Interesse, da es eine der ersten Spielbeschreibungen enthält, die aus dem lateinischen Westen bekannt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Schachspiel im mittelalterlichen Europa ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im mittelalterlichen Europa fanden sowohl die abstrakten als auch die figürlichen Schachfiguren Verwendung. Ein prominentes Beispiel für abstrakte Schachfiguren sind die Figuren aus dem Aachener Ambo. Dieses wurde von Heinrich II. (1002-1024) dem Dom zu Aachen gestiftet. In das Ambo wurden zwei Schachfigurensätze aus Chalzedon bzw. gebändertem Achat eingearbeitet, vermutlich wegen ihres wertvollen Materials. Die Figuren sind arabisch-byzantinischen Typs. Zeitweilig wurde die Vermutung geäußert, die Schachfiguren stammten aus der Mitgift der byzantinischen Prinzessin Theophano. Es ist zwar durchaus plausibel, dass sich im Gepäck einer byzantinischen Prinzessin auch Schachfiguren befanden, doch muss es sich bei diesen nicht zwangsläufig um die Figuren handeln, welche im Aachener Ambo verarbeitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein schönes Beispiel für ein figürliches Figurenset sind die Schachfiguren aus dem Schatz der Abtei von Saint Denis. Die 16 noch erhaltenen Schachfiguren aus Elfenbein sind zwischen 7,5 und 15 cm hoch. Ursprünglich wurden sie Karl dem Großen zugeschrieben, doch diese Zuschreibung ist heute nicht mehr haltbar. Die Figuren datieren um 1085 und stammen aus einer süditalienischen Werkstatt. Sie vereinigen in sich westliche und östliche Einflüsse. In ihrer Grundkonzeption erinnern sie an die frühen persischen Figuren. Die Läufer sind Kriegselefanten und die Türme Kriegswagen, die an römische Quadrigen gemahnen. Springer und Bauern tragen dagegen die Gewandung westlicher Ritter und Fußkämpfer, während König und Dame das Gewandt eines byzantinischen Monarchen tragen. Hier sei auch eine männliche &amp;quot;Dame&amp;quot; erwähnt, welche in die Hoftracht eines byzantinischen Ministers gewandet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eines der ersten genuin europäischen Schachspiele können die Figuren von der Insel Lewis gelten. Der Fundkomplex von der Hebriden-Insel ist der größte Hortfund von Schachfiguren. Insgesamt wurden dort 8 Könige (7,7-10,2 cm), 8 Damen (7-9,6 cm), 16 Läufer (7,3 -10,2 cm), 15 Springer (7,2-10,3 cm), 12 Türme (7-9,1 cm) und 19 Bauern aus Walrosselfenbein gefunden. Die Figuren datieren zwischen 1150 und 1200. Vermutlich wurden sie in einer Werkstatt in Trondheim gefertigt und kamen mit skandinavischen Siedlern oder Händlern nach Lewis. Die Könige wie auch die Königinnen (Damen) thronen majestätisch auf Sesseln, die mit Ornamentik im Urnes- und Tierstil verziert sind, ebenso die Bischöfe (Läufer). Springer und Türme sind wie die Krieger der damaligen Zeit mit Kettenhemd, Normammenhelm und Langschild ausgerüstet, während die Bauern an Runensteine erinnern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über lange Zeit war das Schachspiel eine Domäne der adeligen Oberschicht. Daher finden sich die Meisten archäologischen Funde auch in Pfalzen, Burgen oder Gutshöfen, doch ebenso in Abteien und Klöstern, wie das schon zuvor genannte Beispiel von Saint Denis zeigt. Erst sehr viel später hielt das Schachspiel auch beim reichen Bürgertum Einzug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den mittelalterlichen Menschen war Schach mehr als ein Strategiespiel. Gaben die Figuren ursprünglich den Aufbau eines Heeres wieder, avancierte es im mittelalterlichen Europa zum Spiegelbild des Hofes bzw. der gesellschaftlichen Ordnung. An der Spitze stand der König mit seiner Königin (Dame). Ihm zur Seite standen als Berater die Bischöfe, die gleichermaßen den Klerus repräsentierten. Im englischen Sprachraum finden sich anstelle der Bischöfe bisweilen auch Grafen als Läufer. Im französischen steht der Läufer dagegen für den Narren. Ritter und Turm stehen für den schwertführenden Adel. Die Bauern schließlich stehen für den Nährstand oder die Dienerschaft bei Hofe. Der italienische Dominikanermönch Jacobus de Cessolis Verfasste zwischen 1275 und 1290 eine Predigtsammlung, in der er Aufbau und Struktur einer Gesellschaft Anhand des Schachspiels erläuterte. Der König sollte ein weiser und gerechter Herrscher sein, die Königin das idealbld der sittsamen und tugendhaften Frau. Die Ratgeber (Läufer) stehen dem König mit gutem Rat zur Seite. Der Springer steht für die Ritterschaft, die Land und Leute beschützt, während der Turm als Truchsess den König vertritt. Die Bauern sind für Jacobus nicht nur einfach Bauern. Jeder repräsentiert für ihn eine bestimmte Berufsgruppe. Der erste Bauer ist tatsächlich ein Bauer, der zweite ein Schmied und steht stellvertretend für das Handwerk. Der dritte Bauer ist Schreiber, der vierte Kaufmann und Bankier, der fünfte Arzt und Apotheker und der sechste ein Wirt. Der siebte Bauer ist Stadtwächter oder Waffenknecht. Der achte und letzte Bauer steht für alle Ausgestoßenen wie Herumtreiber, Dirnen oder Henker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Regelreform des 15. Jahrhunderts ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Zeit wandelten sich nicht nur das Aussehen der Figuren. Auch die Spielzüge der Figuren wurden modifiziert. Die wohl umfangreichste Regelreform erfolgte im 15. Jahrhundert, wodurch einige der Spielfiguren erheblich aufgewertet wurden. Durfte die Dame vorher nur ein Feld in der Diagonalen ziehen, bewegte sie sich nun über sämtliche Diagonalen, Linien und Reihen. Läufer und Turm durften sich vorher nur über zwei Felder in der Diagonale bzw. Linie oder Reihe bewegen. Nun zogen sie über sämtliche Diagonalen bzw. Linien und Reihen. In dieser Zeit wurde auch der Eröffnungszug des Bauern über zwei Felder und die Rochade eingeführt. Die neuen Züge eröffneten eine Vielzahl neuer Möglichkeiten und machten das Schachspiel im ganzen dynamischer. Unsere heutigen Schachregeln gehen letztlich auf diese Reform zurück.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Freizeit]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Romain du Puy</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Treibjagd&amp;diff=1497</id>
		<title>Treibjagd</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Treibjagd&amp;diff=1497"/>
		<updated>2016-03-19T16:56:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Romain du Puy: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Treibjagd war eine bewährte Methode des Beutemachens. Dabei wurde das Wild von einer Schar Treiber aufgescheucht, welche die Beute den bereits warteten Jägern zutrieb. Auch hierbei kamen Hunde zum Einsatz, wenn es galt, das Wild aus hohem Gras oder dichtem Unterholz aufzuscheuchen oder die Beute aus ihrem Bau zu treiben. Bei groß angelegten Netz- und Heckenjagden wurde die Beute entlang von Hecken und vorher aufgestellten Netzten in einen umfriedeten Bereich getrieben und dort in großer Stückzahl erlegt. Anders als bei der klassischen [[Hetzjagd]], wo es den meisten Herren eher auf die Art der Beute ankam, ging es bei diesen Jagden um die Masse der erbeuteten Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Treibjagden wurden vornehmlich von großen Jagdgesellschaften abgehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Jagd]] [[Kategorie:Freizeit]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Romain du Puy</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Hetzjagd&amp;diff=1496</id>
		<title>Hetzjagd</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Hetzjagd&amp;diff=1496"/>
		<updated>2016-03-19T16:51:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Romain du Puy: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Bei der Hetzjagd wurde das Wild, zumeist mit Hunden, müde gehetzt, ehe man es umstellte und gemeinsam erlegte. Hunderassen wie heute waren noch nicht bekannt, doch lassen sich die mittelalterlichen Jagdhunde in zwei Typen einteilen: Vertragus und Segutius. Bei den Vertragus-Hunden handelte es sich um schlanke Läufer, ähnlich den Windhunden, die das Wild dank ihrer überragenden Schnelligkeit zur Strecke brachten. Die Segutius-Hunde waren dagegen langsamer. Im Gegensatz zu den Vertragus-Hunden arbeiteten die Segutius-Hunde nicht auf Sicht, sondern folgten der Fährte des Wildes. Sie ermüdeten das Wild durch ihre Ausdauer, bis sie es schließlich stellten. Je nach Jagdwild wurde auf unterschiedlich große Hunde zurück gegriffen. Für wehrhaftes Wild wie Bären und Wildschweine verwendete man kräftige Hunde, die in der Lage waren die Beute nicht nur zu stellen, sondern auch in Schach zu halten, bis die Jäger am Ort des Geschehens eintrafen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hetzjagd wurde gemeinschaftlich abgehalten, oft in großen Jagdgesellschaften.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Jagd]] [[Kategorie:Freizeit]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Romain du Puy</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Kategorie:Jagd&amp;diff=1495</id>
		<title>Kategorie:Jagd</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Kategorie:Jagd&amp;diff=1495"/>
		<updated>2016-03-19T16:47:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Romain du Puy: /* Rechtliche Grundlagen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Im Mittelalter verstand man unter dem heute weitläufig gefassten Begriff der Jagd das Verfolgen des Wildes, um es, wenn man es erst gestellt hat, mit vereinten Kräften zu töten. Dieser Vorgang stellte jedoch nur einen Teilaspekt des Gesamtkomplexes dar, der sich unter dem Sammelbegriff des Weitwerks zusammen fassen lässt. Im weiteren sei hier näher auf die unterschiedlichen Jagdmethoden so wie auf die Jagdwaffen und das gejagte Wild eingegangen, wie sie für das Mittelalter typisch waren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Mittelalter kannte verschiedene Arten der Jagd: die [[Beizjagd]], die [[Hetzjagd]], die [[Pirschjagd]], die [[Treibjagd]], und [[Fallen]], welche in ihren eigenen Artikeln beschreiben werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Jagdwaffen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dem mittelalterlichen Jäger stand ein breites Sammelsurium der unterschiedlichsten Waffen zur Verfügung. Für den Adel war die Jagd nicht nur ein Freizeitvergnügen. Die Jagd auf wehrhaftes Wild wurde als Training für das Kriegshandwerk verstanden und dem entsprechend gehen viele bei der Jagd verwendete Waffen auf Kriegswaffen zurück, wobei oftmals keine eindeutige Unterscheidung möglich ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Waffen für kurze und mittlere Distanz wurden diverse Messer, Lanzen, Spieße, Speere und Schwerter verwendet. Bisweilen wurden Schwerter eigens für die Jagd gefertigt, sogenannte Bär- Schweins- oder Sauschwerter. Lanzen und Speere gab es in vielfältigen Varianten. So sind Hirschlanzen, Knebelspieße, Sauspieße, Saufedern, Bärenspieße, Bäreneisen und Gamsspieße bekannt, die sich bisweilen sehr ähnlich sind und sich nur im Namen unterscheiden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf längere Distanz fanden Wurfspeere und Wurfspieße ebenso Verwendung wie der Bogen. Im späteren Mittelalter avancierte auch die Armbrust zu einer beliebten Jagdwaffe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Jagdwild==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders beliebt waren alle Arten von Schalenwild wie Rothirsche, Damhirsche, Rehe, Elche, Steinböcke und Wildschweine. Außerdem Bären, Wölfe, Füchse, Dachse, Luchse, Fischotter und weitere kleinere Beutegreifer. Hasen, Kaninchen und Eichhörnchen gehörten ebenso zum Beutespektrum wie eine große Anzahl an Vögeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Levante erweiterte sich die Jagdpalette der Kreuzfahrer. Gazellen und Antilopen kamen ebenso hinzu wie Leoparden und Schakale.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Rechtliche Grundlagen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Mittelalters war die Jagd noch keinem strengen Regelkanon unterworfen. Jedermann hatte das Recht zu jagen, um seine Kost zu ergänzen oder seine Herden vor Raubtieren zu schützen. Im weiteren Verlauf des Mittelalters wurde die Jagd zunehmend zu einem Privileg des Adels und der hohen kirchlichen Würdeträger. Ihnen allein war die Hohe Jagd, also die Jagd auf Hochwild, vorbehalten. Mit Ausnahme von Rehen zählte alles Schalenwild zu dieser Kategorie, ebenso wie Bären, Wölfe und Luchse. Im Heiligen Land wurden auch Antilopen und Gazellen, sowie Löwen und Geparden als Hochwild gesehen. Auch einige Vögel zählten zum Hochwild, darunter Greife, Kraniche, Fasane und Schwäne. Daneben gab es noch das Niederwild. Die Jagd auf dieses stand auch Bürgern, freien Bauern und niederen Geistlichen offen. Als Niederwild galten Rehe, kleinere Tiere wie Hasen und Federwild.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grundsätzlich wurde das Recht zur Jagd als königliche [[Regalie]] verstanden, welche als Lehen verliehen wurde. Das Jagdrecht war ein Lehen wie jedes andere auch – es konnte jemanden über ein Gebiet vergeben werden, über welches er sonst gar keinen Anspruch hatte. Theoretisch konnte die Königin auch ein Landlehen ohne Jagdrecht verliehen, was aber in der Praxis eigentlich nie vorkam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gebiete, die nur für die königliche Jagdbenutzung bestimmt waren, nannte man Wildbann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Freizeit]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Romain du Puy</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Glas&amp;diff=1494</id>
		<title>Glas</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Glas&amp;diff=1494"/>
		<updated>2016-03-19T16:39:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Romain du Puy: /* Der Okzident */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt Glas und die Herstellung von Glas im Kontext des Mittelalters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte der Glasherstellung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fertigkeit Glas herzustellen und dieses zu bearbeiten ist eine alte Kunst. Die ältesten Belege stammen aus Ugarit, wo bereits im Jahre 1600 v. Chr. Glas geschmolzen und zu Perlen verarbeitet wurde. Das älteste bekannte Glasgefäß stammt dagegen aus Ägypten und datiert auf die Regierungszeit Thutmosis III. (ca. 1450 v. Chr.). Die Ägypter stellten Hohlgläser her, in dem sie erhitzte Glasstränge um einen Kern aus poröser Keramik wickelten und diesen anschließend aus dem erkalteten Glas heraus kratzten. Das Zentrum der ägyptischen Glasmacherei lag in Theben. Dort wurde ein Gemisch aus Quarzsand und Pflanzenasche in einem ersten Schmelzvorgang bei 800 Grad zum Schmelzen und die so entstehende Fritte in einem zweiten Schmelzvorgang auf bis zu 1100 Grad erhitzt. Das beim zweiten Brennvorgang entstandene Rohglas wurde zu handlichen Barren geschmolzen, welche im gesamten Mittelmeerraum zur beliebten Handelsware avancierten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Minoer, Mykener, Griechen, Etrusker und später auch die Römer übernahmen die Techniken der Glasherstellung. Durch die Erfindung der Glasbläserpfeife im 1. Jahrhundert vor Christus erfuhr die Kunst der Glasmacherei wichtige Impulse. Fortan war es möglich, mundgeblasenes Glas herzustellen, was das Formenspektrum enorm erweiterte. Die Römer waren in der Lage, ihre Glasgefäße durch die unterschiedlichsten Dekorationsformen zu verzieren. Zum weit gefächerten Repertoire der römischen Glasmacher gehörten Nuppen, Auflagen und Schlangenfadendekor. Neben kunstvollen Gefäßen waren sie auch in der Lage Büsten, Statuetten, Gemmen, Mosaiksteinchen und Flachglas für Fenster herzustellen. Bei der Oberschicht erfreuten sich Glasarbeiten mit Edelmetalleinlage besonderer Beliebtheit. Mit der Beigabe verschiedener Zusätze war es in den Handwerkern möglich das Glas beim Schmelzvorganz einzufärben. Zudem beherrschte man auch die Kunst des Entfärbens, wodurch milchig weißliches Glas entstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ausführlichste Darstellung antiker Glasmacherei findet sich in der Historia Naturalis des älteren Plinius. Das Glas wurde aus Quarzsand und natürlich vorkommendem Natron hergestellt. Bedeutende Lagerstätten lagen in Hispanien, Gallien und Italien, während der Großteil des Natrons im ägyptischen Wadi Natrun abgebaut wurde. Weitere Abbaustätten von Natron bildeten die Salinen am Toten Meer, wenngleich sie niemals die Bedeutung der ägyptischen Lagerstätten erreichten. Die Grundstoffe wurde in großen Wannen aufgeschmolzen und das Gemenge in kleinen Schmelztiegeln veredelt. Zentren der Glasherstellung entstanden rund um das Wadi Natrun und in der Levante. Von dort aus wurde das Rohgals ins gesamte Imperium Romanum exportiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Techniken der mittelalterlichen Glasherstellung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mittelalterliche Glas bestand im wesentlichen Hauptkomponenten: Aus einem Teil Quarzsand als Glasbildner und zwei Teilen Natron / Soda oder Asche als Flussmittel und zur Senkung der Schmelztemperatur. Mit Natron erreichten die Handwerker eine wesentlich höhere Glasqualität, weshalb diesem der Vorzug gegeben wurde. Nur wenn dieser Grundstoff nicht verfügbar war, griff man behelfsmäßig auf Asche zurück. Daneben konnte es noch diverse Zusätze für die Farbgebung enthalten. Eisenoxide ergaben als Zusatz eine blau-grüne bis gelbliche Färbung, Kupferoxide eine blau oder grünliche Färbung, während man mit Nickeloxiden eine violette bis rötliche Färbung erreichte. Die teuersten Färbemittel waren Silber für eine gelbliche Färbung und Gold, dass es dem Glasmacher ermöglichte einen Purpurton zu treffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Glasmacher bedienten sich bei der Glasherstellung eines zweistufigen Schmelzverfahrens. Zunächst wurde das Gemenge gesintert. Bei diesem Prozess wird das Gemenge auf 700 Grad erhitzt, dass Flussmittel und Glasbilder verbinden und die Fritte entsteht. Verunreinigungen wie Sulfate und Chloride flockten als Schaum aus und konnten von Hand abgeschöpft werden. In einem zweiten Schritt wurde das Rohglas bei 1150 Grad geschmolzen und schließlich bei 900 Grad weiterverarbeitet oder zwecks Weitertransport in Barrenform gegossen. Diese Vorgänge erfolgten in einem speziell gefertigten Glasofen, der neben der eigentlichen Schmelzkammer eine Sinterkammer beinhaltete, aus der man den Schaum abschöpfen konnte. Ursprünglich hatten diese wuchtigen Öfen eine runde Form. In späterer Zeit setzte sich die eckige Ofenform durch. Aus Gründen des Brandschutzes waren die Schmelzöfen stets in einem separaten Gebäudeteil oder in einem Hinterhof untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Herstellung von Hohlglas waren dem mittelalterlichen Handwerker zwei unterschiedliche Techniken vertraut. Zum einen war es möglich, das Glas mit Hilfe eines Models in Form zu blasen. Dabei wurde der Schmelze mit der Glasmacherpfeife ein Klumpen zähflüssigen Glases entnommen und dann in eine Form aus Holz oder Eisen geblasen. Zum anderen gab es noch die Technik des freien Blasens, die wesentlich mehr Kunstfertigkeit des Handwerkers erforderte, da das Glas ausschließlich durch Blasen, Rotation und dem Einsatz spezieller Scheren und Zangen in Form gebracht wurde. Das Glas konnte noch beim Blasen durch das Aufsetzten verschiedener Applikationen verziert werden. Um Spannungen zu vermeiden, die das Glas zum Springen bringen konnten, musste es anschließend im Kühlofen getempert werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunst, Flachglas herzustellen, geriet zunächst in Vergessenheit und musste erst wiederentdeckt werden. Im Mittelalter erfolgte die Fertigung von Flachglas im Zylinder-Blas-Verfahren. Hierbei wurde, wie schon bei der Herstellung von Hohlglas, aus der Schmelze zähflüssigen Glases ein Klumpen entnommen. Dieser wurde zu einem Zylinder aufgeblasen, ehe er der Länge nach aufgetrennt und zu einer 35 x 50 cm großen Glasscheibe ausgerollt. Eine andere Möglichkeit war es, den Glasklumpen zu öffnen und durch Rotation zu einer kreisrunden Glasscheibe, der Butze, zu formen. Dieses Verfahren stammt höchstwahrscheinlich aus dem vorderen Orient und wurde von dort übernommen. Es war durchaus üblich, dass in ein und derselben Glashütte sowohl Hohl- als auch Flachglas hergestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Okzident==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Gebieten des ehemaligen Weströmischen Reiches knüpfte man an römische Glasmacher-Traditionen an. Jedoch litt die Qualität des Gebrauchsglases im nordalpinen Raum erheblich. Die Situation verschärfte sich, als der transalpine Handel mit Soda und Natron zum erliegen kam. Man war gezwungen das ausbleibende Flussmittel durch Pottasche zu ersetzen. Die meisten Glashütten verlagerten sich aus den Städten in Waldgebiete, da sie einen enormen Bedarf an Holz hatten. Dieses auch als Waldglas bekannte Glas hatte eine bräunlich-grünliche Färbung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sturzbecher, Rüsselbecher und kuhhornförmige Glasgefäße waren das am weitesten verbreitete Gebrauchsglas. Ab dem 10. Jahrhundert wurde diese Produktpalette um stumpfe Becher mit konischer Wandung, Ampulle und bauchige Flaschen mit langem Hals erweitert. Zudem sind aus dieser Zeit erstmalig Kirchen mit verglasten Fenstern belegt. Mit dem 12. Jahrhundert kamen zusehends byzantinisch angehauchte Gläser korinthischen Typs in Mode. Dies waren meist Becher mit aufgeschmolzenem Tropfen- und Perlendekor. Bis zum 15. Jahrhundert erweiterte sich die Produktpalette stetig. Im 15. Jahrhundert gelang es erstmals farbloses Transparentglas herzustellen, dass als Cristallino bekannt wurde. Damit hatte die mittelalterliche Glasherstellung im Okzident ihren Zenit erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die frühen Zentren der okzidentalen Galsmacherei lagen in Italien, dem Rheinland sowie der Normandie und der Provence. Später etablierten sich weitere Zentren in England, Skandinavien und in Böhmen. Letztere waren vor allem für den Kuttrolf und den Krautstrunk bekannt. Unter islamischem Einfluss gewannen auch die Glashütten auf der iberischen Halbinsel, allen voran die katalanischen, an Bedeutung. Im nordalpinen Raum blieben die französischen so wie die niederländischen Glashütten führend. Die eigentlichen Hochburgen der okzidentalen Glasmacherkunst lagen jedoch nach wie vor in Italien. Hier sind vor allem die Glasmacher von Venedig und Genua zu nennen, die mit ihrer Kunstfertigkeit den Ruhm des italienischen Glases begründeten, das sich in ganz Europa großer Beliebtheit erfreute. Murano-Glas wurde zum Inbegriff der Qualität und wurde bis nach Skandinavien verhandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Byzantinische Raum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weitaus stärker als im lateinischen Westen knüpfte man im byzantinischen Raum an römische Wurzeln an. Den byzantinischen Glasmachern war eine Vielzahl an Arbeitstechniken und Formen bekannt. Glas konnte sowohl frei als auch in der Form geblasen werden. Ebenso beherrschte man die Fertigung von Flachglas. Gefäße wurden mit Applikationen und Emailtechniken verziert. Auch waren Gravur- und Schnitttechniken bekannt. Besondere Kunstfertigkeit entwickelten die byzantinischen Handwerker bei der Herstellung von bunten Kirchenfenstern und Glasmosaiken, die durch ihre Einlagen aus Edelmetall bestachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die byzantinische Glasmacherkunst strahle weit über die Grenzen des byzantinischen Kernlandes hinaus. Sie beeinflusste die Italienischen Glasmacher ebenso wie ihre bulgarischen Kollegen. Byzantinisches Exportglas fand sich im ganzen Mittelmeerraum wie auch an den Küsten des Schwarzen Meeres bis hinauf zur Kiewer Rus. Als besonders populärer Exportschlager erwiesen sich die sogenannten Hedwigsgläser, die gerade in den Kreuzfahrerherrschaften weite Verbreitung fanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Islamische Raum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In allem vom Islam eroberten Ländern, die ehemals zum Römischen Reich gehörten, wurde die spätantike Glasproduktion fortgesetzt. Die in islamischer Zeit entstandenen Glashütten lassen sich nur schwer von den ursprünglich römischen Unterscheiden, da sie dem gleichen Aufbau wie ihre Vorbilder folgten. In der Anfangszeit folgten auch die Gefäßformen noch den klassischen Mustern der Spätantike. Erst allmählich entwickelten sich eigene, unzweifelhaft der islamischen Welt zuzuordnende, Gefäßtypen, etwa für Spritzfläschchen und Phiolen für Pharmazie und Kosmetik. Auch sind große Trink- und Waschgefäße sowie Moscheelampen mit üppiger Ornamentik bekannt. Für den täglichen Gebrauch gab es kleinere Schmuckelemente und Spielsteine aus Glas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Islamische Glasmacher waren in der Lage nahezu farbloses Glas herzustellen, wie sie auch im Stande waren, eine große Palette von unterschiedlichen Farbtönen zu erzeugen, indem sie dem Gemenge Zusatzstoffe beigaben. Zur Verzierung ihrer Erzeugnisse bedienten sie sich vielfältiger Techniken. Beliebt waren applizierte Fäden oder scheiben. Ähnlich beliebt waren Ritz- und Schleifmuster oder sich widerholende Ornamente, die mithilfe eines Rads in das noch heiße Glas gedrückt wurden. Schriftzüge wurden dagegen mit speziellen Zangen in das Glas gedrückt. Im religiösen Kontext handelte es sich dabei oftmals um Koransuren, aber es sind auch Gefäße und Schalen mit Herrschernamen bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Produktion von Glas stellte im muslimischen Raum einen wichtigen Wirtschaftsfaktor da; allen voran der Handel mit Natron, der für die Herstellung von hochwertigem Glas unabdingbar war. Darüber hinaus bildeten Rohglas und Glasprodukte wichtige Exportgüter. Syrische Stangengläser wurden sowohl in den Osten als auch in den Westen verhandelt. Selbst zerbrochenes Altglas bildete ein wichtiges Handelsgut, was noch einmal den Wert dieses Materials unterstreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Wert des Glases==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glas war ein wertvoller Rohstoff, da allein die Beschaffung der Grundstoffe und die Herstellung des Rohglases sehr aufwendig war. Darüber hinaus erforderte die Bearbeitung des Glases hohe Kunstfertigkeit. Es ist daher wenig verwunderlich, das Glas im Mittelalter nicht für alle gesellschaftlichen Schichten erschwinglich war und als Luxusgut galt. Reiche Bürgerliche waren durchaus in der Lage, sich einfachere Glasgefäße und Schmuckperlen aus Glas zu leisten. Aufwändigere Objekte aus Glas waren dagegen dem Adel vorbehalten. Besonders kostbar waren Glasfenster. Diese waren nur für den Hochadel und den hohen Klerus erschwinglich. So waren Fenster aus Glas ein deutliches Zeichen für Reichtum und Macht ihrer Besitzer, während sich andere mit dünnen Stoffbahnen oder Pergament zufrieden geben mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Alltag]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Romain du Puy</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Glas&amp;diff=1493</id>
		<title>Glas</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Glas&amp;diff=1493"/>
		<updated>2016-03-19T16:34:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Romain du Puy: /* Geschichte der Glasherstellung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt Glas und die Herstellung von Glas im Kontext des Mittelalters.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte der Glasherstellung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Fertigkeit Glas herzustellen und dieses zu bearbeiten ist eine alte Kunst. Die ältesten Belege stammen aus Ugarit, wo bereits im Jahre 1600 v. Chr. Glas geschmolzen und zu Perlen verarbeitet wurde. Das älteste bekannte Glasgefäß stammt dagegen aus Ägypten und datiert auf die Regierungszeit Thutmosis III. (ca. 1450 v. Chr.). Die Ägypter stellten Hohlgläser her, in dem sie erhitzte Glasstränge um einen Kern aus poröser Keramik wickelten und diesen anschließend aus dem erkalteten Glas heraus kratzten. Das Zentrum der ägyptischen Glasmacherei lag in Theben. Dort wurde ein Gemisch aus Quarzsand und Pflanzenasche in einem ersten Schmelzvorgang bei 800 Grad zum Schmelzen und die so entstehende Fritte in einem zweiten Schmelzvorgang auf bis zu 1100 Grad erhitzt. Das beim zweiten Brennvorgang entstandene Rohglas wurde zu handlichen Barren geschmolzen, welche im gesamten Mittelmeerraum zur beliebten Handelsware avancierten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Minoer, Mykener, Griechen, Etrusker und später auch die Römer übernahmen die Techniken der Glasherstellung. Durch die Erfindung der Glasbläserpfeife im 1. Jahrhundert vor Christus erfuhr die Kunst der Glasmacherei wichtige Impulse. Fortan war es möglich, mundgeblasenes Glas herzustellen, was das Formenspektrum enorm erweiterte. Die Römer waren in der Lage, ihre Glasgefäße durch die unterschiedlichsten Dekorationsformen zu verzieren. Zum weit gefächerten Repertoire der römischen Glasmacher gehörten Nuppen, Auflagen und Schlangenfadendekor. Neben kunstvollen Gefäßen waren sie auch in der Lage Büsten, Statuetten, Gemmen, Mosaiksteinchen und Flachglas für Fenster herzustellen. Bei der Oberschicht erfreuten sich Glasarbeiten mit Edelmetalleinlage besonderer Beliebtheit. Mit der Beigabe verschiedener Zusätze war es in den Handwerkern möglich das Glas beim Schmelzvorganz einzufärben. Zudem beherrschte man auch die Kunst des Entfärbens, wodurch milchig weißliches Glas entstand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ausführlichste Darstellung antiker Glasmacherei findet sich in der Historia Naturalis des älteren Plinius. Das Glas wurde aus Quarzsand und natürlich vorkommendem Natron hergestellt. Bedeutende Lagerstätten lagen in Hispanien, Gallien und Italien, während der Großteil des Natrons im ägyptischen Wadi Natrun abgebaut wurde. Weitere Abbaustätten von Natron bildeten die Salinen am Toten Meer, wenngleich sie niemals die Bedeutung der ägyptischen Lagerstätten erreichten. Die Grundstoffe wurde in großen Wannen aufgeschmolzen und das Gemenge in kleinen Schmelztiegeln veredelt. Zentren der Glasherstellung entstanden rund um das Wadi Natrun und in der Levante. Von dort aus wurde das Rohgals ins gesamte Imperium Romanum exportiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Techniken der mittelalterlichen Glasherstellung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das mittelalterliche Glas bestand im wesentlichen Hauptkomponenten: Aus einem Teil Quarzsand als Glasbildner und zwei Teilen Natron / Soda oder Asche als Flussmittel und zur Senkung der Schmelztemperatur. Mit Natron erreichten die Handwerker eine wesentlich höhere Glasqualität, weshalb diesem der Vorzug gegeben wurde. Nur wenn dieser Grundstoff nicht verfügbar war, griff man behelfsmäßig auf Asche zurück. Daneben konnte es noch diverse Zusätze für die Farbgebung enthalten. Eisenoxide ergaben als Zusatz eine blau-grüne bis gelbliche Färbung, Kupferoxide eine blau oder grünliche Färbung, während man mit Nickeloxiden eine violette bis rötliche Färbung erreichte. Die teuersten Färbemittel waren Silber für eine gelbliche Färbung und Gold, dass es dem Glasmacher ermöglichte einen Purpurton zu treffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Glasmacher bedienten sich bei der Glasherstellung eines zweistufigen Schmelzverfahrens. Zunächst wurde das Gemenge gesintert. Bei diesem Prozess wird das Gemenge auf 700 Grad erhitzt, dass Flussmittel und Glasbilder verbinden und die Fritte entsteht. Verunreinigungen wie Sulfate und Chloride flockten als Schaum aus und konnten von Hand abgeschöpft werden. In einem zweiten Schritt wurde das Rohglas bei 1150 Grad geschmolzen und schließlich bei 900 Grad weiterverarbeitet oder zwecks Weitertransport in Barrenform gegossen. Diese Vorgänge erfolgten in einem speziell gefertigten Glasofen, der neben der eigentlichen Schmelzkammer eine Sinterkammer beinhaltete, aus der man den Schaum abschöpfen konnte. Ursprünglich hatten diese wuchtigen Öfen eine runde Form. In späterer Zeit setzte sich die eckige Ofenform durch. Aus Gründen des Brandschutzes waren die Schmelzöfen stets in einem separaten Gebäudeteil oder in einem Hinterhof untergebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Herstellung von Hohlglas waren dem mittelalterlichen Handwerker zwei unterschiedliche Techniken vertraut. Zum einen war es möglich, das Glas mit Hilfe eines Models in Form zu blasen. Dabei wurde der Schmelze mit der Glasmacherpfeife ein Klumpen zähflüssigen Glases entnommen und dann in eine Form aus Holz oder Eisen geblasen. Zum anderen gab es noch die Technik des freien Blasens, die wesentlich mehr Kunstfertigkeit des Handwerkers erforderte, da das Glas ausschließlich durch Blasen, Rotation und dem Einsatz spezieller Scheren und Zangen in Form gebracht wurde. Das Glas konnte noch beim Blasen durch das Aufsetzten verschiedener Applikationen verziert werden. Um Spannungen zu vermeiden, die das Glas zum Springen bringen konnten, musste es anschließend im Kühlofen getempert werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kunst, Flachglas herzustellen, geriet zunächst in Vergessenheit und musste erst wiederentdeckt werden. Im Mittelalter erfolgte die Fertigung von Flachglas im Zylinder-Blas-Verfahren. Hierbei wurde, wie schon bei der Herstellung von Hohlglas, aus der Schmelze zähflüssigen Glases ein Klumpen entnommen. Dieser wurde zu einem Zylinder aufgeblasen, ehe er der Länge nach aufgetrennt und zu einer 35 x 50 cm großen Glasscheibe ausgerollt. Eine andere Möglichkeit war es, den Glasklumpen zu öffnen und durch Rotation zu einer kreisrunden Glasscheibe, der Butze, zu formen. Dieses Verfahren stammt höchstwahrscheinlich aus dem vorderen Orient und wurde von dort übernommen. Es war durchaus üblich, dass in ein und derselben Glashütte sowohl Hohl- als auch Flachglas hergestellt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Okzident==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Gebieten des ehemaligen Weströmischen Reiches knüpfte man an römische Glasmacher-Traditionen an. Jedoch litt die Qualität des Gebrauchsglases im nordalpinen Raum erheblich. Die Situation verschärfte sich, als der transalpine Handel mit Soda und Natron zum erliegen kam. Man war gezwungen das ausbleibende Flussmittel durch Pottasche zu ersetzen. Die meisten Glashütten verlagerten sich aus den Städten in Waldgebiete, da sie einen enormen Bedarf an Holz hatten. Dieses auch als Waldglas bekannte Glas hatte eine bräunlich-grünliche Färbung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sturzbecher, Rüsselbecher und kuhhornförmige Glasgefäße waren da am weitesten verbreitete Gebrauchsglas. Ab dem 10. Jahrhundert wurde diese Produktpalette um stumpfe Becher mit konischer Wandung, Ampulle und bauchige Flaschen mit langem Hals erweitert. Zudem sind aus dieser Zeit erstmalig Kirchen mit verglasten Fenstern belegt. Mit dem 12. Jahrhundert kamen zusehends byzantinisch angehauchte Gläser korinthischen Typs in Mode. Dies waren meist Becher mit aufgeschmolzenem Tropfen- und Perlendekor. Bis zum 15. Jahrhundert erweiterte sich die Produktpalette stetig. Im 15. Jahrhundert gelang es erstmals farbloses Transparentglas herzustellen, dass als Cristallino bekannt wurde. Damit hatte die mittelalterliche Glasherstellung im Okzident ihren Zenit erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die frühen Zentren der okzidentalen Galsmacherei lagen in Italien, dem Rheinland sowie der Normandie und der Provence. Später etablierten sich weitere Zentren in England, Skandinavien und in Böhmen. Letztere waren vor allem für den Kuttrolf und den Krautstrunk bekannt. Unter islamischem Einfluss gewannen auch die Glashütten auf der iberischen Halbinsel, allen voran die katalanischen, an Bedeutung. Im nordalpinen Raum blieben die französischen so wie die niederländischen Glashütten führend. Die eigentlichen Hochburgen der okzidentalen Glasmacherkunst lagen jedoch nach wie vor in Italien. Hier sind vor allem die Glasmacher von Venedig und Genua zu nennen, die mit ihrer Kunstfertigkeit den Ruhm des italienischen Glases begründeten, das sich in ganz Europa großer Beliebtheit erfreute. Murano-Glas wurde zum Inbegriff der Qualität und wurde bis nach Skandinavien verhandelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Byzantinische Raum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch weitaus stärker als im lateinischen Westen knüpfte man im byzantinischen Raum an römische Wurzeln an. Den byzantinischen Glasmachern war eine Vielzahl an Arbeitstechniken und Formen bekannt. Glas konnte sowohl frei als auch in der Form geblasen werden. Ebenso beherrschte man die Fertigung von Flachglas. Gefäße wurden mit Applikationen und Emailtechniken verziert. Auch waren Gravur- und Schnitttechniken bekannt. Besondere Kunstfertigkeit entwickelten die byzantinischen Handwerker bei der Herstellung von bunten Kirchenfenstern und Glasmosaiken, die durch ihre Einlagen aus Edelmetall bestachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die byzantinische Glasmacherkunst strahle weit über die Grenzen des byzantinischen Kernlandes hinaus. Sie beeinflusste die Italienischen Glasmacher ebenso wie ihre bulgarischen Kollegen. Byzantinisches Exportglas fand sich im ganzen Mittelmeerraum wie auch an den Küsten des Schwarzen Meeres bis hinauf zur Kiewer Rus. Als besonders populärer Exportschlager erwiesen sich die sogenannten Hedwigsgläser, die gerade in den Kreuzfahrerherrschaften weite Verbreitung fanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Islamische Raum==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In allem vom Islam eroberten Ländern, die ehemals zum Römischen Reich gehörten, wurde die spätantike Glasproduktion fortgesetzt. Die in islamischer Zeit entstandenen Glashütten lassen sich nur schwer von den ursprünglich römischen Unterscheiden, da sie dem gleichen Aufbau wie ihre Vorbilder folgten. In der Anfangszeit folgten auch die Gefäßformen noch den klassischen Mustern der Spätantike. Erst allmählich entwickelten sich eigene, unzweifelhaft der islamischen Welt zuzuordnende, Gefäßtypen, etwa für Spritzfläschchen und Phiolen für Pharmazie und Kosmetik. Auch sind große Trink- und Waschgefäße sowie Moscheelampen mit üppiger Ornamentik bekannt. Für den täglichen Gebrauch gab es kleinere Schmuckelemente und Spielsteine aus Glas.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Islamische Glasmacher waren in der Lage nahezu farbloses Glas herzustellen, wie sie auch im Stande waren, eine große Palette von unterschiedlichen Farbtönen zu erzeugen, indem sie dem Gemenge Zusatzstoffe beigaben. Zur Verzierung ihrer Erzeugnisse bedienten sie sich vielfältiger Techniken. Beliebt waren applizierte Fäden oder scheiben. Ähnlich beliebt waren Ritz- und Schleifmuster oder sich widerholende Ornamente, die mithilfe eines Rads in das noch heiße Glas gedrückt wurden. Schriftzüge wurden dagegen mit speziellen Zangen in das Glas gedrückt. Im religiösen Kontext handelte es sich dabei oftmals um Koransuren, aber es sind auch Gefäße und Schalen mit Herrschernamen bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Produktion von Glas stellte im muslimischen Raum einen wichtigen Wirtschaftsfaktor da; allen voran der Handel mit Natron, der für die Herstellung von hochwertigem Glas unabdingbar war. Darüber hinaus bildeten Rohglas und Glasprodukte wichtige Exportgüter. Syrische Stangengläser wurden sowohl in den Osten als auch in den Westen verhandelt. Selbst zerbrochenes Altglas bildete ein wichtiges Handelsgut, was noch einmal den Wert dieses Materials unterstreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Wert des Glases==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Glas war ein wertvoller Rohstoff, da allein die Beschaffung der Grundstoffe und die Herstellung des Rohglases sehr aufwendig war. Darüber hinaus erforderte die Bearbeitung des Glases hohe Kunstfertigkeit. Es ist daher wenig verwunderlich, das Glas im Mittelalter nicht für alle gesellschaftlichen Schichten erschwinglich war und als Luxusgut galt. Reiche Bürgerliche waren durchaus in der Lage, sich einfachere Glasgefäße und Schmuckperlen aus Glas zu leisten. Aufwändigere Objekte aus Glas waren dagegen dem Adel vorbehalten. Besonders kostbar waren Glasfenster. Diese waren nur für den Hochadel und den hohen Klerus erschwinglich. So waren Fenster aus Glas ein deutliches Zeichen für Reichtum und Macht ihrer Besitzer, während sich andere mit dünnen Stoffbahnen oder Pergament zufrieden geben mussten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Alltag]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Romain du Puy</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Schach&amp;diff=1492</id>
		<title>Schach</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.koenigreich-jerusalem.net/forum/wiki/index.php?title=Schach&amp;diff=1492"/>
		<updated>2016-03-19T15:12:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Romain du Puy: Die Seite wurde neu angelegt: „Schach ist ein strategisches Brettspiel für zwei Spieler. Der Name des Schachspiels leitet sich vom persischen Schah (König) ab, weshalb es auch als Spiel de…“&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Schach ist ein strategisches Brettspiel für zwei Spieler. Der Name des Schachspiels leitet sich vom persischen Schah (König) ab, weshalb es auch als Spiel der Könige bekannt ist. Ziel des Spiels ist es, den gegnerischen König schachmatt zu setzen Die Partie ist gewonnen, wenn es einem der Spieler gelingt, den König des Gegners matt zu setzen oder aber, wenn das Gegenüber aufgibt. Dagegen endet die Partie unentschieden, wenn der König nicht im Schach steht, jedoch keine der Spielfiguren bewegt werden kann, ohne ihn matt zu setzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ursprünge des Schachspiels in Ostasien ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Herkunft des Schachspiels sind verschiedene Theorien in Umlauf. Sowohl China, Persien als auch Indien werden als Ursprungsland gehandhabt. Von den meisten Forschern wird der indische Ursprung des Schachspiels favorisiert. Dafür spricht der ursprüngliche Name des Spiels chaturanga, was eine indische Heeresbezeichnung ist. So basieren auch die frühen Spielsteine auf den klassischen Truppenteilen einer indischen Armee. In Indien finden sich zudem die frühesten schriftlichen Erwähnungen des Schachspiels. Drüber hinaus verweisen Persische Quellen auf Indien als Herkunftsland des Schachs. Als Gegenargument wird bisweilen angebracht, dass die Etymologie des indischen Namens chaturanga nicht restlos geklärt sei. Auch das Fehlen früher archäologischer Funde, welche die Herkunft des Spiels eindeutig belegen, dient den Kritikern der Indien-Theorie als Beleg, den Ursprung des Spiels woanders zu verorten. Im Allgemeinen herrscht jedoch Konsens, Indien als die Wiege des Schachspiels zu sehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits angeklungen repräsentieren die indischen Schachfiguren die klassische Aufstellung eines Heeres, welches sich aus vier grundlegenden Truppenteilen zusammensetzt: Kavallerie, Sreitwagen, Kriegselefanten und Fußtruppen. Dem entsprechend setzt sich das indische Schach aus den folgenden Figuren zusammen: 1 Radscha, welcher dem König entspricht; 1 Mantri (Minister), welcher der Dame entspricht; 2 Gajah (Kriegselefant), welche den Läufern entsprechen; 2 Ashva (Pferde), welche den Springern entsprechen, 2 Ratha (Streitwagen), welche den Türmen entsprechen und 8 Padati (Fußsoldaten), welche den Bauern entsprechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist man sich bei der Herkunft des Schachspiels heute weitestgehend einig, so herrscht noch immer eine kontrovers geführte Diskussion um die zeitliche Einordnung desselben. Buddha (563-483 v. Chr.) sprach sich gegen Spiele aus und erwähnte dabei ausdrücklich Brettspiele, die auf einem 8x8 Felder großem Spielbrett gespielt werden. Dabei könnte es sich auch um eine Art Protoschach gehandelt haben. Wesentlich konkreter wird es in der Lebensbeschreibung des Königs Shri Harsha von Kananj (606-647). Dort wird berichtet, dieser sei ein passionierter Spieler eines Kriegsspiels, dass auf einem 8x8 Felder großem Spielbrett gespielt wird, was von den meisten Wissenschaftlern als Schachspiel gewertet wird. Explizite Erwähnung findet das Spiel dann in den beiden Epen Harajivaya (ca. 850) und Kavyalankara (ca. 900). Erste archäologische Hinweise sind aus der Mauryan Periode (300-200 v. Chr.) bekannt. Aus dieser Zeit stammt eine Figurine eines Streitwagens, bei der es sich um eine Schachfigur handeln könnte. Zudem sind Wandreliefs mit der Darstellung eines schachartigen Spielbretts aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert bekannt. Generell werden die Anfänge des Schachspiels um 570 n. Chr. angesetzt, wobei es auch frühere Datierungen gibt. So werden erste Vorläuferspiele schon um 400 v. Chr. vermutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Schachspiel im persisch-arabischen Raum ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die Seidenstraße gelangte das Schachspiel nach Persien, wo es sich rasch großer Beliebtheit erfreute. So ist es auch wenig verwunderlich, dass die ersten einwandfrei als solche zu identifizierenden Schachfiguren aus dem persischen Raum stammen. Sie wurden 1977 bei archäologischen Ausgrabungen unter einer Moschee in Samarkand gefunden. Dort fanden sich 7 Schachfiguren aus Elfenbein von einer Höhe zwischen 2,6 und 4 cm, die um das Jahr 712 datiert werden. Die persischen Schachfiguren lehnen sich eng an die indischen Vorbilder an. Es gibt einen Schah (König), der auf einer Sänfte getragen wird, einen berittenen Wesir, Pferde, Streitwagen und Fußsoldaten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Expansion des Islam kamen auch die Araber in Kontakt mit dem Schachspiel und übernahmen es rasch. Zwar hatte sich der Prophet Mohammed gegen Spiele aller Art ausgesprochen, doch Spiele, die der Kriegsertüchtigung und der Schärfung des Verstandes dienen, seien legitim. Und dies, so argumentierten die muslimischen Rechtsgelehrten, treffe in besonderer Weise auf das Schachpiel zu. Zudem wurde aufgeführt, habe es im Umfeld des Propheten passionierte Schachspieler gegeben, was der Prophet gebilligt habe. Belege für die große Beliebtheit des Schachspiels in der muslimischen Welt finden sich zuhauf in der arabisch-sprachigen Literatur des Mittelalters. So gab es Schachbücher, die sich mit Regeln, Taktiken und Strategien des Schachs auseinander setzten und Lobgedichte auf das Spiel selbst oder aber berühmte Schachmeister. Daneben wurde Schachastrologie und Schachmathematik betrieben und die medizinische Anwendbarkeit des Spiels diskutiert. In der Philosophie wurde das Schachspiel als Beleg dafür angeführt, dass der freie Wille des Menschen dem Schicksal überlegen sei. Schließlich galt Schach als Symbol für Besonnenheit und Klugheit und wurde in der Poesie als Metapher für das Liebeswerben und das erotische Spiel zwischen Mann und Frau verwendet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem arabisch-muslimischen Raum stammen auch die ersten abstrakten Schachfiguren. Waren bei den ersten persischen Figuren noch klar die Gestalt eines Reiters, eines Streitwagens oder eines Elefanten zu erkennen, wurden sie nun stark stilisiert dargestellt. Es wurde überlegt, ob die Entwicklung auf das Bilderverbot im Islam zurück zu führen sei. Mittlerweile wird ein direkter Zusammenhang ausgeschlossen, doch geht man davon aus, dass die Auseinandersetzung mit dem Bildererbot den Sinn für Abstraktion geschärft hatte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Weg des Schachspiels nach Europa ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schachspiel gelangte auf verschiedenen Wegen nach Europa. Zunächst stellte Byzanz eine wichtige Schnittstelle dar. Mit dem Ausgreifen des Islam nach Kleinasien trat Byzanz in zunehmenden Kontakt zur Islamischen Welt. Auf diesem Weg gelangte das Schachspiel nach Byzanz, wo es Zatrikion genannt wurde. Gespielt wurde primär mit den abstrakten Figuren des arabisch-muslimischen Typs. In Konstantinopel kamen Händler und Söldner aus Skandinavien in Kontakt mit dem Schachspiel und nahmen es mit in ihre nordeuropäische Heimat. Über byzantinische Verwaltungsbeamte gelangte es auch in die byzantinischen Enklaven Italiens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Maurische Spanien war die zweite wichtige Kontaktzone im Austausch zwischen dem christlichen Europa und der muslimischen Welt. Von dort breitete sich das Schachspiel nach Mittel- und Westeuropa aus. Mit der Ersten Kreuzzug und der Etablierung christlicher Herrschaften in der Levante intensivierte sich der Kontakt zwischen Orient und Okzident. Schach avancierte zum Spiel der Diplomaten und Gesandten. Dies legen zu mindestens die Zahlreichen Buchmalereien nahe, die einen christlichen und einen muslimischen Würdenträger beim Schachspiel zeigen. Eine der berühmtesten Abbildungen dieser Art stammt aus dem &amp;quot;Buch der Spiele&amp;quot;, das König Alfons X. von Kastilien 1283 in Auftrag gab. Für die Wissenschaft ist dieses Werk auch deshalb von besonderem Interesse, da es eine der ersten Spielbeschreibungen enthält, die aus dem lateinischen Westen bekannt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Schachspiel im mittelalterlichen Europa ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im mittelalterlichen Europa fanden sowohl die abstrakten als auch die figürlichen Schachfiguren Verwendung. Ein prominentes Beispiel für abstrakte Schachfiguren sind die Figuren aus dem Aachener Ambo. Dieses wurde von Heinrich II. (1002-1024) dem Dom zu Aachen gestiftet. In das Ambo wurden zwei Schachfigurensätze aus Chalzedon bzw. gebändertem Achat eingearbeitet, vermutlich wegen ihres wertvollen Materials. Die Figuren sind arabisch-byzantinischen Typs. Zeitweilig wurde die Vermutung geäußert, die Schachfiguren stammten aus der Mitgift der byzantinischen Prinzessin Theophano. Es ist zwar durchaus plausibel, dass sich im Gepäck einer byzantinischen Prinzessin auch Schachfiguren befanden, doch muss es sich bei diesen nicht zwangsläufig um die Figuren handeln, welche im Aachener Ambo verarbeitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein schönes Beispiel für ein figürliches Figurenset sind die Schachfiguren aus dem Schatz der Abtei von Saint Denis. Die 16 noch erhaltenen Schachfiguren aus Elfenbein sind zwischen 7,5 und 15 cm hoch. Ursprünglich wurden sie Karl dem Großen zugeschrieben, doch diese Zuschreibung ist heute nicht mehr haltbar. Die Figuren datieren um 1085 und stammen aus einer süditalienischen Werkstatt. Sie vereinigen in sich westliche und östliche Einflüsse. In ihrer Grundkonzeption erinnern sie an die frühen persischen Figuren. Die Läufer sind Kriegselefanten und die Türme Kriegswagen, die an römische Quadrigen gemahnen. Springer und Bauern tragen dagegen die Gewandung westlicher Ritter und Fußkämpfer, während König und Dame das Gewandt eines byzantinischen Monarchen tragen. Hier sei auch eine männliche &amp;quot;Dame&amp;quot; erwähnt, welche in die Hoftracht eines byzantinischen Ministers gewandet ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als eines der ersten genuin europäischen Schachspiele können die Figuren von der Insel Lewis gelten. Der Fundkomplex von der Hebriden-Insel ist der größte Hortfund von Schachfiguren. Insgesamt wurden dort 8 Könige (7,7-10,2 cm), 8 Damen (7-9,6 cm), 16 Läufer (7,3 -10,2 cm), 15 Springer (7,2-10,3 cm), 12 Türme (7-9,1 cm) und 19 Bauern aus Walrosselfenbein gefunden. Die Figuren datieren zwischen 1150 und 1200. Vermutlich wurden sie in einer Werkstatt in Trondheim gefertigt und kamen mit skandinavischen Siedlern oder Händlern nach Lewis. Die Könige wie auch die Königinnen (Damen) thronen majestätisch auf Sesseln, die mit Ornamentik im Urnes- und Tierstil verziert sind, ebenso die Bischöfe (Läufer). Springer und Türme sind wie die Krieger der damaligen Zeit mit Kettenhemd, Normammenhelm und Langschild ausgerüstet, während die Bauern an Runensteine erinnern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über lange Zeit war das Schachspiel eine Domäne der adeligen Oberschicht. Daher finden sich die Meisten archäologischen Funde auch in Pfalzen, Burgen oder Gutshöfen, doch ebenso in Abteien und Klöstern, wie das schon zuvor genannte Beispiel von Saint Denis zeigt. Erst sehr viel später hielt das Schachspiel auch beim reichen Bürgertum Einzug.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für den mittelalterlichen Menschen war Schach mehr als ein Strategiespiel. Gaben die Figuren ursprünglich den Aufbau eines Heeres wieder, avancierte es im mittelalterlichen Europa zum Spiegelbild des Hofes bzw. der gesellschaftlichen Ordnung. An der Spitze stand der König mit seiner Königin (Dame). Ihm zur Seite standen als Berater die Bischöfe, die gleichermaßen den Klerus repräsentierten. Im englischen Sprachraum finden sich anstelle der Bischöfe bisweilen auch Grafen als Läufer. Im französischen steht der Läufer dagegen für den Narren. Ritter und Turm stehen für den schwertführenden Adel. Die Bauern schließlich stehen für den Nährstand oder die Dienerschaft bei Hofe. Der italienische Dominikanermönch Jacobus de Cessolis Verfasste zwischen 1275 und 1290 eine Predigtsammlung, in der er Aufbau und Struktur einer Gesellschaft Anhand des Schachspiels erläuterte. Der König sollte ein weiser und gerechter Herrscher sein, die Königin das idealbld der sittsamen und tugendhaften Frau. Die Ratgeber (Läufer) stehen dem König mit gutem Rat zur Seite. Der Springer steht für die Ritterschaft, die Land und Leute beschützt, während der Turm als Truchsess den König vertritt. Die Bauern sind für Jacobus nicht nur einfach Bauern. Jeder repräsentiert für ihn eine bestimmte Berufsgruppe. Der erste Bauer ist tatsächlich ein Bauer, der zweite ein Schmied und steht stellvertretend für das Handwerk. Der dritte Bauer ist Schreiber, der vierte Kaufmann und Bankier, der fünfte Arzt und Apotheker und der sechste ein Wirt. Der siebte Bauer ist Stadtwächter oder Waffenknecht. Der achte und letzte Bauer steht für alle Ausgestoßenen wie Herumtreiber, Dirnen oder Henker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Regelreform des 15. Jahrhunderts ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe der Zeit wandelten sich nicht nur das Aussehen der Figuren. Auch die Spielzüge der Figuren wurden modifiziert. Die wohl umfangreichste Regelreform erfolgte im 15. Jahrhundert, wodurch einige der Spielfiguren erheblich aufgewertet wurden. Durfte die Dame vorher nur ein Feld in der Diagonalen ziehen, bewegte sie sich nun über sämtliche Diagonalen, Linien und Reihen. Läufer und Turm durften sich vorher nur über zwei Felder in der Diagonale bzw. Linie oder Reihe bewegen. Nun zogen sie über sämtliche Diagonalen bzw. Linien und Reihen. In dieser Zeit wurde auch der Eröffnungszug des Bauern über zwei Felder und die Rochade eingeführt. Die neuen Züge eröffneten eine Vielzahl neuer Möglichkeiten und machten das Schachspiel im ganzen dynamischer. Unsere heutigen Schachregeln gehen letztlich auf diese Reform zurück.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Romain du Puy</name></author>
	</entry>
</feed>