Aprilis, anno Domini MCXXXIII (1133)
  Der April beginnt mit einem starken Regenschauer,
  welcher aber nach den ersten Tagen abebbt und einem
  warmen und trockenen Wetter Platz macht.
  Die Temperaturen liegen im Durchschnitt bei 16 Grad. (Details)

Überall auf den Straßen ist zu hören,
     dass die Priester beunruhigt sind. Nach einem schweren
     Unwettter wurden große Schäden an verschiedenen
     Punkten der Stadt gemeldet. Am schlimmsten traf es die
     Grabeskirche, deren Dach eingestürzt ist. Was mag
     Gottes Zorn auf die Menschen in der heiligen Stadt
     gelenkt haben?

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Donnerstag, 29. Januar 2015, 00:58

Leseproben

Liebe Gäste,

hier stellen wir einige ausgewählte Postings von unseren Mitgliedern vor, um euch ein ungefähres Bild von unserem Rollenspiel vermitteln zu können.
Wir haben uns dafür entschieden, Leseproben zu veröffentlichen, weil unser Spielbereich mittlerweile aus rechtlichen Gründen für nichtregistrierte Nutzer gesperrt ist. Es stellt natürlich keine exakte Spiegelung der gesamten Qualität dar, da die Beiträge aus dem Zusammenhang gerissen wurden, aber wenigstens gewähren die Leseproben eine vage Vorstellung. :)

Viel Spaß!
Das Team des Königreichs Jerusalem


Im Königreich Jerusalem gibt es viele verschiedene Geschichten und Schicksale, von denen es etwas zu erzählen gibt. Das Land ist groß und vielseitig, ebenso wie es auch seine Nachbarn sind, die sowohl aus Verbündeten als auch aus Feinden bestehen. Viele Adlige mit unterschiedlichen Ambitionen trachten danach, sich ihre Vorteile auszubauen, während einfache Leute versuchen ein friedvolles und möglichst erfolgreiches Leben zu führen. Die Konflikte zwischen den unterschiedlichsten Religionen lassen sich kaum verbergen und an jeder Ecke drohen Gefahren in vielerlei Gestalt. Doch gibt es auch schöne Dinge zu vermelden, von Liebe und Freundschaft zu berichten, von Tapferkeit und Heldenmut. Ein jeder Mensch findet seinen Platz in diesem Reich, ganz egal ob er nun jung, alt, schön, hässlich, gesund, krank, tugendhaft oder falsch ist.
Von jedem werden hier Geschichten erzählt, viele Gerüchte weiter getragen, so auch...


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Donnerstag, 29. Januar 2015, 02:17

Fulko von Jerusalem

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Zuerst bemerkte es Fulko nicht. Seine Augen waren auf seine Frau gerichtet, als er den Klingelbeutel weggab. Es war nun wirklich soweit. Es herrschte Friede zwischen ihnen beiden. Ihr Leben hatte sich normalisiert. Vielleicht würde von nun an alles zwischen ihnen so ablaufen, wie es dies bei einem Ehepaar auch sollte. Ja, er nahm sich vor, ihr ein guter Ehemann zu sein. Melisende hatte sich einen guten Ehemann verdient, nach all jenen Entbehrungen, die sie schon durch ihn erleiden hatte müssen. Es würde von nun an kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander geben. Der Gedanke gefiel Fulko ungemein. Die Zukunft sah gut aus. Sie sah schön aus. Er freute sich auf das, was der Tag, was das Jahr, was sein Leben noch bringen würde.

Hätte er nur gewusst, dass, als er sich in diesem Gedanken sonnte, er nicht einmal mehr eine Minute auf dieser Erde hatte. Hätte er nur gewusst, dass all seine guten Vorsätze, all seine Träume und Wünsche, in 5 Sekunden, beim ersten Dolchstoß schon, in Staub zerfallen würden. Was hätte er getan, wenn er dies gewusst hätte? Er hätte etwas getan, hätte sich gegen sein Schicksal gewehrt. Aber was half es, darüber nachzudenken? Was galt, war das, was hier in emittlerweile nur noch 3 Sekunden passieren würde.

Dann sah er, was die Zukunft für ihn bereit hielt, jäh vor sich, als er merkte, dass ein Schatten über sie fiel. 2 Sekunden noch bis zum Ende. Er wandte noch seinen Kopf hin. Er wollte schon aufstehen, um sich in eine Position zu bringen, in der er sich wehren konnte. Noch einmal, zum letzten Mal in seinem Leben, funktionierten seine Reflexe, die er sich in seiner Zeit als Knappe antrainiert hatte. Eine Sekunde noch bis zum Ende. Das letzte Mal in seinem Leben stand er auf, wollte schon die Arme heben… aber zu spät. Es verblieben ihm keine wertvollen Sekunden mehr, um reagieren zu können. Der Dolchstoß fühlte sich an… nun… er wusste nicht. So etwas hatte er noch nie gefühlt. Es war komisch. Eigentlich fühlte er nichts. Entgeistert stand er da, sah nur, wie das Messer abermals, und abermals, und dann wieder, in ihn eindrang. Er wollte sich wehren, aber seine Armen versagten ihm die Dienste. Was… was war das? Wer war das? Und wieso… wieso bloß?

Neben ihm, ein Schrei. Melisende. Nein? Was verneinte sie denn? Fulko wollte sich schon hinwenden zu ihr. Er wollte ihr sagen, dass es ihm gut ging. Er lebte noch! Er spürte nichts. Es benötigte schon mehr als 5 Stiche direkt ins Herz, um einen wahren Angeviner umzubringen! Aber… seine Stimme versagte ihm. Das einzige, was er hervorbrachte, war ein Ächzen, das klang wie von einer Krähe. Dann quoll ihm Blut aus dem Mund. Das war ein Gefühl, das er zuordnen konnte. Dieses Gefühl kannte er, was ihn merkwürdigerweise beruhigte. Dann verlor er jedoch alle Kraft. Er sackte nieder, in die Arme Melisendes. Er hörte neben sich lateinische Worte, mit einem vertrauten deutschen Akzent. Etwas Kaltes auf der Stirn. Er blickte hoch. Schemenhaft erkannte er den panischen Patriarchen. Er erteilte ihm die letzten Riten? Oh. Es musste ihn übel erwischt haben. Konnte er denn sterben? Das konnte nicht sein. Er weigerte sich, zu sterben. Seine Zeit war noch nicht gekommen. Mit einer furchtbaren Anstrengung brachte er Worte hervor, zum Patriarchen. “Ja… alle… von Herzen…“, stammelte er. Er würde schon nicht sterben, aber so eine Frage verneinte man nicht so eben. Dann fiel sein Blick auf Melisende. Sie… weinte? Sie wiederholte seinen Namen, wieder und wieder. Sie hielt seine Hand, als ging es darum, ihn festzukrallen, ihn dort zu halten, wo er war, im Leben. Wieso? Alles war gut. Es war doch nichts. Das sagte, stammelte, ächzte, stöhnte er auch. “Es ist nichts, Meli… es ist nichts… es ist nichts…“ Das war das erste Mal, dass er ihren Kosenamen benutzt hatte, merkte er. Hmm. Wie wundersam das Leben war. Blut floss ihm aus seinem Mund, mit jedem weiteren Wort. Nachdem er seinen Satz zum dritten Mal wiederholt hatte, dass es nichts war, konnte er einfach nicht mehr weiter. Er konnte nicht mehr sprechen. Das waren, wie er feststellen musste, wohl oder übel seine letzten Worte. Er hörte Brüllen. Die Stimme kannte er. Guérin. Guérin wurde nicht brüllen, wenn es nichts war. Er… er rächte ihn. Gut, das war gut. Guérin rächte ihn, das war seine letzte Genugtuung. Der Patriarch trat zurück, Melisende weinte, Guérin brüllte. Es schien wohl alles darauf hin zu deuten, dass sein Wille, zu überleben, ihm nichts genutzt hatte.

Oft sagten Leute, die sich dem Tod gegenüber gestellt sahen, dass ihr Leben vor ihren inneren Augen noch einmal ablief. Nicht so bei Fulko, der sich schon immer gedacht hatte, dass das Unfug war. Das Einzige, was Fulko feststellte, war, dass es jetzt wohl endgültig vorbei war. Es gab kein Zurück mehr. Der Mann, dieser Chorsänger, hatte ihn umgebracht, und er war jetzt tot, unumkehrbar tot. Fulko würde nie erfahren, wie er hieß, und weshalb er ihn umgebracht hatte. Was war es gewesen, was er gebrüllt hatte? Etwas arabisches. Ein Muslim, Fulko hatte schon immer gewusst, dass es übel mit denen enden würde.

Und nun? Er würde nie Balduin heranwachsen sehen. Er würde nie erfahren, ob Melisende wirklich Zwillinge in sich trug, wie er die ganze Zeit gehofft hatte. Er würde niemals wissen, wie es weiter ging mit dem Königreich Jerusalem. Aber alles war nicht ganz so schlimm, oder? Die guten Seiten mussten auch betrachtet werden. Er würde seine Ermengarde wieder sehen, und den einzigen Menschen in seiner angevinischen Familie, den er wirklich geliebt hatte, seinen Bruder Gottfried. Er würde seinen Rittervater Maurice de Craon wieder sehen, und seinen ehemaligen Schwiegervater Elias von Maine. Das klang schon einmal ganz schön. Alles gute, nette Menschen. Er würde für Melisende und für Guérin einen Platz im Himmel reserviert halten, wenn es dereinst ihre Zeit sein würde, damit auch sie sich ihm anschließen könnten. Das war das einzige, was er jetzt noch für sie tun konnte.

Und so blieb ihm nichts anderes, als loszulassen. Fulko, König von Jerusalem, schloss seine Augen zum letzten Mal.


Seine königliche Hoheit Fulko von Anjou, König von Jerusalem
Ehemann der Melisende von Jerusalem
Adliger von Jerusalem

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Donnerstag, 29. Januar 2015, 02:22

Altan Demiroglu

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Heute würde er sterben. Altan machte sich nicht die geringsten Illusionen. Seit der Rafiq ihm sein Ziel genannt hatte, seit er erfahren hatte, wer nun durch seine Klinge sterben sollte wusste er, dass dieser Tag auch der Tag seines eigenen Todes sein würde. Für viele Hashishin würde der Tod so kommen, wie er ihn nun bald erleiden würde. Ohne Furcht vor dem Jenseits, im Angesicht der Ungläubigen, mit dem Blut des Opfers an seinem Dolch und dem grenzenlosen Vertrauen auf Allahs Gnade im seinem Herzen. Er wusste nicht, warum genau diese ungläubige Person sterben sollte, es spielte auch keine Rolle. Er war ein Werkzeug, nichts weiter. An anderen Tagen war vielleicht etwas anderes, ein Gelehrter, ein Schüler, ein gläubiger Muslim, aber heute war er nichts anderes als ein Schwert Allahs gegen seine Feinde und dies waren heute die Kreuzfahrer. Er hatte sich intensiv auf den heutigen Tag vorbereitet, praktisch, mental und spirituell, so sehr wie noch nie zuvor in seinem Leben. Er hatte einige Zeit überlegt, wo er zuschlagen sollte. Das Heim der Person war eine Überlegung wert gewesen, hatte sich aber als zu schwer bewacht herausgestellt. Die Franken waren sehr auf ihre Sicherheit bedacht, aus gutem Grund. Der Adel folgte keinem festem Plan, er arbeitete nicht, war nicht generell irgendwann genau irgendwo. Mit einer Ausnahme. Dem Kirchgang.

Man konnte die Uhr danach stellen, die Franken gingen sonntags in die Kirche. Es war so einfach und es würde so eine große Botschaft damit verbreitet werden. Ihr seid nicht sicher, nicht einmal in den Häusern eures anmaßenden Propheten. Der falsche Sohn Gottes konnte niemanden schützen, Allah hielt seine schützende Hand einzig über die Diener des Islam. Doch das Reinkommen war eine Schwierigkeit bzw. das Rankommen. Man konnte nicht einfach während einer Messe in die Grabeskirche spazieren und unbemerkt durch die Bankreihen schlendern. Nein, man musste unauffällig nah ans Geschehen heran. Altan hatte einige Messen besucht um herauszufinden, wie er an sein Ziel herankommen konnte und tatsächlich eine Schwachstelle ausgemacht. Zum Altarbereich hatten während der Messe nur wenige Zugang. Der Priester der Predigt las, Vikare, Diakone und - der Chor. Die Chorsänger waren keine Kleriker, jedenfalls nicht notwendigerweise, niemand achtete wirklich auf sie, da sie gezielt als Gruppe auftraten. Also hatte er sie studiert, hatte Messen besucht und sogar Lieder gelernt, mehr schlecht als recht zwar, aber es würde genügen um sein Ziel zu erreichen.

So wurde sein erstes Opfer am heutigen 16. Oktober, der es für die Franken war, ein weitgehend unschuldiger Sänger. Altan erstickte ihn am Schlaf, am Morgen, als es noch dunkel war und er unbemerkt in dessen einfaches Haus einbrechen konnte. Er musste sterben, den Altan brauchte sein Chorgewand. Bis man ihn entdeckte wäre alles längst vorbei. Unter dem weiten Gewand trug Altan eine Armschiene mit einer Scheide für seinen Dolch. Er versammelte sich mit den anderen Sängern vor der Kirche, entschuldigte den Fehlenden und stellte sich als angeblich zum Katholizismus bekehrter Syrer vor. Er erntete zwar einige komische Blicke und etwas Gemurmel, letztendlich glaubten ihm die anderen Sänger seine Geschichte und machten keine weiteren Schwierigkeiten. Es war eben einfacher nachzugeben, als großen Terz zu veranstalten. Natürlich nahm keiner der Sänger an, dass ihr Kollege von einem nun verkleideten Assassinen ermordet wurde, warum sollten sie auch. Sie gingen hinein, zum Altar. Die Kirche füllte sich, auch sein Ziel war nun angekommen.

Als endlich der Patriarch die Kirche betrat, begann der Chor zu singen und Altan sang mit. Lange hielt er es durch, viele Zwischengesänge und sogar durch die Predigt, die er kaum verstand, da er nur wenig französisch sprach. Für die Chorsänger hatte es gereicht, um einer Predigt zu folgen reichte es nicht. Während der Patriarch vorne stand, stand der Chor rechts und links seitlich hinter ihm und dem Altar. Er perfekte Sicht auf sein Ziel. Nun war die Gelegenheit! Der Patriarch beendete die Predigt, die Diakone traten vor und die Kollekte wurde eingesammelt. Die Kirchgänger achteten auf den Klingelbeutel, nicht auf das was vorne geschah, zumindest nicht primär.

Der Zeitpunkt, da Gregor von Brandis den Altar berührte war für Altan der Moment zum zuschlagen. Er spannte jeden Muskel in seinem Körper an, verschränkte die Hände, die weiten Ärmel ineinander und zog, noch versteckt, den Dolch aus der geheimen Lederscheide und setzte sich in Bewegung. Erst ein Schritt, einen Sänger sanft beiseite schiebend, dann ein zweiter, kräftiger diesmal, ein dritter, nun war er im Spurt. Mit der freien Hand stieß er einen weiteren Sänger aus dem Weg. Wie in Zeitlupe brach er aus den Reihen der Chorsänger hervor, den Dolch in der rechten preschte er auf die Sitzreihen zu, ließ den Patriarchen hinter sich, streifte einen der Diakone die gerade das christliche Glaubensbekenntnis las. Ein paar Schritte nurnoch, ein paar Meter. Fast wie ein Falke stieß Altan auf seine Beute herab, ließ seinen Dolch niedersausen - und traf den König mitten in die Brust. "IN SHA'A LLAH", brüllte Altan, wie ein wildes Tier. Ein, zwei, drei, vier mal stach er auf den König ein, der nun sterbend vor ihm saß. Blut quoll rasch aus seinem Brustkorb, die Königin war von nicht wenig davon bespritzt worden. Altan sah ihr in die Augen - und wich einen Schritt zurück. Er ließ den Dolch fallen und schloss die Augen. Gleich würden stählerne Klauen ihn in Stücke reißen, Frauen würden schreien. Man würde seine Leiche zerstückeln oder verbrennen oder sonst etwas mit ihr anstellen, als Strafe für seine Tat. Doch Altan kümmerte es nicht. Er hatte seine Aufgabe erfüllt. Zu diesem Zweck war er erschaffen worden. Gleich würde Allah ihn in seinem Garten willkommen heißen, gleich würden die Paradiesjungfern ihn mit Wein und Nektar verwöhnen, gleich, gleich....


Altan Demiroglu
Schiit von Jerusalem
Fidai

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Donnerstag, 29. Januar 2015, 02:26

Amaury de Sebastia

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Ich war meiner Schwester natürlich den ganzen Weg von der Grabeskirche bis in ihre Gemächer in der Königspfalz nicht von der Seite gewichen und hatte sie immer wieder gestützt, so sie denn danach verlangt hatte. Ich war froh, als wir endlich ihr Bett erreicht hatten und sie zumindest etwas ruhen konnte - für den Moment, denn die wohl größten Anstrengungen an diesem Tag voller Turbulenzen lagen gewiss noch vor ihr. Ich war noch nie persönlich bei einer Geburt dabei gewesen, weil Männer dabei gemeinhin nichts zu suchen hatten. Dennoch wusste ich, was hier und heute noch auf Melisende zukam und welcher Kampf noch vor ihr lag. Am schlimmsten war das Gefühl, ihr nicht helfen zu können. Natürlich, ich stand ihr zur Seite, aber bei der Geburt würde ich von ihr weichen müssen. Auf dem Schlachtfeld konnte ich jeden Feind mit einem Schwerthieb niederstrecken, doch heute war mein Feind das Schicksal. Es behagte mir nicht, dass ich nichts unternehmen konnte, sondern nur hoffen und beten, dass meine Schwester diese Nacht überleben würde. Was würde ich nur ohne sie machen? Sie war mein Antrieb. Für sie wollte ich mich aufopfern und gar mein Leben gaben. Ich war es ihr, unserem Vater, der gesamten Familie schuldig. Mein Herz schlug schneller bei dem Gedanken, sie heute möglicherweise zu verlieren. Hätte ich in diesem Moment die Chance gehabt, mein Leben für das Ihrige zu opfern, dann hätte ich sie ohne zu zögern ergriffen. Doch diese Chance hatte ich nicht, ich war hilflos und ohne Einfluss auf ihr Schicksal.

Die Worte, die Melisende sodann an mich richtete, machten es nur noch schlimmer. Auch sie bereitete bereits alles für ihren Tod vor. Sie musste das tun, denn es war ihre Pflicht. Das Königreich konnte den Verlust zweier Herrscher ohne testamentarische Verfügung an einem Tag nicht verkraften. Dennoch wollte ich solche Worte aus ihrem Mund nicht hören, denn es fühlte sich so an, als würde es ihren Tod nur noch wahrscheinlicher machen. Im ersten Moment, nachdem Melisende mir ihre Verfügungen zugeflüstert hatte, wollte ich ihr widersprechen und ihr sagen, dass es keinen Grund gab über ihre Nachfolge nachzudenken. Im zweiten Moment erkannte ich, dass es nur für sie als Herrscherin sprach, dass sie sich selbst in dieser grausamen Lage um ihr Königreich sorgte. Ich nickte zunächst einvernehmlich, nachdem sie geendet hatte und wollte gerade antworten, als der Seneschall hereingeplatzt kam und Anweisungen erbat. Alice wies ihn schroff zurück und stellte sich schützend vor unsere gemeinsame Schwester, was in Anbetracht der Umstände nur richtig war. Als Melisende ihn jedoch näher treten ließ, verstand ich, dass Alice und ich unsere persönlichen Sorgen in den Hintergrund stellen mussten. Für uns war das Wohl Melisendes weitaus wichtiger als jede Verfügung, doch die Königin hatte eine Pflicht, die jedwede Art von Umständen in den Hintergrund drängte. So schwer es mir auch fiel, dies zu akzeptieren, musste Melisende sich trotz ihrer Schmerzen und der bevorstehenden Geburt um diese Angelegenheit kümmern. Erst dann würde sie sich voll und ganz auf sich konzentrieren können.

Als Melisende die Worte wiederholte, die sie bereits zuvor zu mir gesprochen hatte, erkannte ich erst das Ausmaß dieser Entscheidung in Bezug auf meine Person. Balduin würde ihr nachfolgen, natürlich, doch er war erst zwei. Und ich sollte regieren, bis er im Mannesalter war? Ich? Natürlich hatte ich mir als Bastardsohn des Königs das ein oder andere Mal ausgemalt, was gewesen wäre, wenn ich ehelich gezeugt worden wäre. Ich hatte mich gefragt, ob ich ein ebenso guter Herrscher wäre, wie meine Schwester es war. Doch niemals war ich nur auf den Gedanken gekommen, in dieser Richtung Ansprüche zu stellen. Ich hatte meinen - für einen Bastard einzigartigen - Platz an der Seite meiner Schwester, jedoch wollte ich nie an ihre Stelle. Ich war nicht zum Herrschen geboren, auch nicht zum Herrschen auf Zeit. Es schauderte mich bei dem Gedanken, dass ich völlig unvorhergesehen nun doch zum Herrscher werden würde. Gleichzeitig verstand ich ihren Wunsch und würde mich ihrem Wunsch fügen, so wie ich es immer getan hatte. Auch wenn ich nicht an ihren Tod glaubte, würde ich im Fall der Fälle mein Leben auch für Balduin geben. Ich hoffte nur, dass dieser Fall der Fälle niemals Wirklichkeit werden würde.

Nachdem Melisende ihr Edikt gegenüber dem Seneschall verkündet hatte, wandte ich mich noch einmal kurz zu ihr. Ich hatte noch keine Gelegenheit gehabt, ihr etwas zu entgegnen und wollte diese doch recht gewichtige Entscheidung nicht unkommentiert lassen. Sie sollte wissen, dass ich in allen Belangen hinter ihr stand. "Ich werde mich um Balduin kümmern...und um Guérin" - was auch immer das zu bedeuten hatte. Offenbar war ihr der Bluthund Fulkos ebenfalls ans Herz gewachsen, wenn sie ihm schon die Ausbildung ihres Sohnes anvertraute. "Und ich werde für ihn regieren", fügte ich noch an, wobei mir dieser Punkt am wenigsten behagte. "Aber du wirst heute nicht sterben. Es ist deine Aufgabe zu herrschen, bis Balduin dir nachfolgt, und nicht die meine." Ich packte sie noch einmal fest an der Hand und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn, bevor ich mich langsam erhob. Für einen Moment blickte ich ihr tief in die Augen, aber nicht zu lange, denn ich wollte keinen Gedanken darauf verschwenden, dass es möglicherweise unsere letzte Begegnung sein konnte. Ohne weitere Worte zu verlieren, wandte ich mich von ihr und verließ die Gemächer, meiner zweiten Schwester Alice noch vertraulich zunickend. Ich konnte nichts mehr sagen, was ihr hätte helfen können. Sie brauchte nun Ruhe und musste sich auf sich und ihr Wohl konzentrieren. Wohin mein Weg mich führte, wenn ich die Gemächer verlassen hatte, wusste ich noch nicht, denn meine Gedanken waren einzig und allein bei meiner Schwester.


Seine Gnaden Amaury de Sebastia, Baron von Sébaste
Ehemann der Meraude de Milly
Adliger von Jerusalem
Ritter, Konstabler des Königreichs Jerusalem

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Donnerstag, 29. Januar 2015, 02:31

Melisende von Jerusalem

Quelle

Die Erwartungen, die an einen König oder an eine Königin gestellt wurden, waren ungemein hoch. Und auch Melisende war, neben ihrem Titel, vor allen Dingen ein Mensch. Ehe sie durch den Seiteneingang in den Thronsaal getreten war, war sie noch einmal für einen kurzen Moment stehen geblieben und hatte tief durchgeatmet. Sie hatte nun seit fast zwei Tagen nicht mehr geschlafen und sie machte sich auch keine Illusionen, dass man ihr das nicht anmerken würde. Ihre Augenringe waren leicht überpudert worden, wie auch die enorme, ungesunde Blässe ihres Gesichtes. Im Schatten des Thronsaals würde vieles ohnehin nicht auffallen, anders zumindest, als bei Tageslicht in der Sonne.
Sie war ungemein erschöpft. Sie hatte eben ihren zweiten Sohn geboren, es mochte noch keine zwei Stunden her sein. Sie hatte zuerst unmittelbar nach der Geburt aufstehen wollen, doch da hatten Alice und auch die Hebamme enorm protestiert. Zu Recht. Melisende hatte also noch abgewartet, bis der Geburtsvorgang ganz abgeschlossen war und sie selbst sich wieder zumindest ein bisschen erholen konnte. Diese Zeit jedoch hatte sie genutzt. Sie hatte nach Edmund von Westernach geschickt, ihrem treusten Vasallen. Dieser hatte die Aufgabe aufgetragen bekommen, alle wichtigen Adligen im Thronsaal zusammenzutrommeln. Wahrscheinlich warteten sie schon eine ganze Weile, aber das war einer der Vorteile, wenn man eine Königin war: Man konnte die Leute problemlos warten lassen und musste sich keine Gedanken darüber machen, ob es diese vielleicht verärgerte. Besonders heute nicht. So war alles was Rang und Namen hatte über den Wunsch der Königin informiert worden und wer wirklich etwas auf sich gab, der war auch hierher gekommen. Niemand wollte vermutlich riskieren, der Königin nach der Geburt ihres Kindes durch Abwesenheit unangenehm aufzufallen, wenn diese schon explizit rufen ließ.
An der Seite Melisendes waren nur Amaury und zwei Ammen - die eine hielt Balduin von Jerusalem auf ihren Armen, die andere Amaury von Jerusalem - die beiden Nachkommen aus der Ehe von Melisende und Fulko. Es war ein enorm günstiges Zeichen für die Königin, dass auch ihr zweites Kind ein Sohn geworden war, denn es würde sie dafür hüten, allzu bald ein weiteres Mal heiraten zu müssen. Es gab keine Notwendigkeit mehr für die Königin zu heiraten und sollte irgendjemand sie dazu zwingen wollen, da sie eben 'nur' eine Frau war und es einen König bräuchte, würde sie denjenigen zum Schweigen bringen. Notfalls würde sie Balduin eben schon jetzt krönen lassen und als Königin und Regentin des amtierenden Königs die Geschäfte übernehmen. Na und? Sie würde keinem Mann mehr die Herrschaft über ihr Jerusalem überlassen, keinem Mann auf dieser weiten Welt. Sie würde um Fulko trauern und sollte irgendjemand sie darauf ansprechen, dass es an der Zeit wäre, erneut zu heiraten, dann würde sie nötigenfalls auch die treue Ehefrau vorgaukeln. Zwingen konnte sie niemand. Sie war die Königin, sie machte die Gesetze. Sie führte die Männer dieses Königreiches an - sie. Und nur sie. Sie hatte ein Attentat überlebt und sie hatte zwei Söhne geboren. Wer würde es wagen, auch nur an ihr zu zweifeln?

Mit erhobenen Hauptes schritt sie nach dieser kurzen Pause dann in den Thronsaal ein und vernahm sogleich, wie sich alle Anwesenden niederknieten, während ihr Palastwachen die Tür aufhielten. Ihr Gefolge, ihre Männer. Sie hielt nun die wahrlich unumstrittene Macht in den Händen und wenn sie ehrlich war, würde es sie nicht wundern, wenn mancher auch sie für die Auftraggeberin an Fulkos Tod hielt. Aber sie war es nicht gewesen. Sie war tatsächlich sehr hart und streng, aber so skrupellos, den eigenen Mann zu töten war sie nicht. Schon gar nicht, wenn sie gerade damit begonnen hatte, sich ihm näher zu fühlen. Sie hatten sich wirklich erfolgreich begonnen anzunähern, sie alle beide und sie würde doch nicht dann ihren Mann töten, wenn es keinen Sinn mehr ergab. Oder töten lassen. Nein, sie war wirklich zutiefst schockiert über den Tod ihres Gemahls und des Königs und sie würde auch dessen Männer, unter ihnen Guérin de Craon, nun protegieren und sicherlich nicht in den Dreck treten, wie sie es sich so lange und immer wieder gewünscht hatte. Sie würde in die Zeit ihrer Regierung auch Fulkos Willen einfließen lassen, immer zum Wohl des Königreiches. Nicht zum Wohl einzelner Personen. Guillaume konnte ihr gestohlen bleiben. Sie ließ den Blick nur kurz schweifen und sah weder ihn, noch ein Mitglied seiner Familie. Seine Tochter war hier gewesen, auch während ihrer Geburt - Agnès de Bures. Aber diese war vor allem auch Melisendes Hofdame und die Frau von Baudouin d'Hébron und sicherlich nicht auf Wunsch ihres Vaters hier. Es verletzte sie, dass es ihn scheinbar nicht interessierte. Vielleicht war sie auch ungerecht, vielleicht konnte er es so schnell auch einfach nicht geschafft haben. Womöglich hatte ihn die Nachricht gerade erst erreicht. Es war ja nun auch wirklich kein Katzensprung bis nach Tiberias.
Aber eine unbestimmte Ahnung sagte ihr, dass er ohnehin nicht kommen würde. Sie war ihm egal. Und ehrlich gesagt, er konnte ihr auch den Buckel runterrutschen. Sie hatte ihn wirklich geliebt und vielleicht tat sie es auch noch, aber dass er sie in diesen Stunden so vollkommen allein gelassen hatte, das würde sie ihm nicht so bald vergeben. Sie würde es ihm überhaupt niemals vergeben. Melisende hatte ein ausgesprochen gutes Gedächtnis und sie war zudem auch ausgesprochen nachtragend. Guillaume de Bures, Catherine de Grenier - sollten sie doch in Galiläa verrotten.

Mit weiten Schritten trat sie zu ihrem Thron hin und setzte sich auf diesen. Sie setzte sich auf den Thron des Königs, auf den Thron ihres Vaters, auf dem zumindest in den letzten Wochen sehr häufig Fulko Platz hatte. Sie hatte sich in der letzten Phase ihrer Schwangerschaft zusehends zurückgezogen und ihrem Gemahl die Geschäfte überlassen. Sie legte ruhig ihre Arme auf die Lehne ab und war froh, sitzen zu können. Wie froh, würden wohl höchstens jene Frauen nachvollziehen können, die ebenfalls schon geboren hatten. Immerhin behinderte der große Bauch sie nun nicht mehr. Sie fühlte sich noch längst nicht wieder wie die Alte, aber vielleicht war sie das auch gar nicht mehr. Die Schwangerschaft und auch der kürzliche Tod von Fulko setzten ihr zu und würden sie wohl auch langfristig verändern. Nun ruhte alle Verantwortung auf ihren Schultern.
Am gestrigen frühen Morgen hatte man den König ermordet. Hernach hatte Melisende in den Wehen gelegen, viele, viele Stunden lang. Den ganzen Tag hindurch und auch die folgende Nacht. Bis hin zum heutigen, recht späten Nachmittag. Die Dämmerung hatte bereits eingesetzt, als Amaury endlich das Licht der Welt erblickt hatte und sie beschloss, sogleich alle wichtigen Würdenträger zusammenzutrommeln. Inzwischen war es draußen Dunkel und der Thronsaal wurde durch viele Fackeln und Öllampen erleuchtet. Es war recht hell, besonders am Thron, damit jeder die Monarchin und ihre Erben auch gut sehen konnte. Sie selbst konnte ebenfalls gut in die Gesichter ihrer Männer blicken - und in die der Hofdamen. Aber auf ihren Gesichtern zogen sich, gerade weiter hinten, auch Schatten und tanzten dort wild herum. Es war eben schon Nacht. Noch eine recht junge und frühe Nacht, aber Nacht. Es machte ihr nichts, dass sie die Leute möglicherweise vom Schlafe abhielt. Sie alle hatten ja nicht wirklich etwas durchgestanden, verglich man es mit ihr. Und deswegen würde auch niemand wohl wagen, ihre Entscheidung lautstark anzuzweifeln. Es wäre wohl reichlich peinlich, gegenüber der Königin in dieser Situation zu jammern.
Sie atmete noch einmal tief durch, ehe sie ihre Stimme erhob.

"Ich danke Euch für Euer Erscheinen." Unverändert kraftvoll wirkte ihre Stimme. Dennoch mühte sie sich sehr ab und Amaury an ihrer Seite würde dies wohl auch bemerken. Er stand neben ihrem Thron, zu ihrer Rechten. Zu ihrer Linken stand Edmund von Westernach. Beide Männer trugen ihre Waffen, was für Amaury im Palast wohl ganz natürlich, für Edmund hingegen wieder ein echter Vertrauensbeweis war. Aber er war schon seit vielen Monaten an der Seite der Königin und es war kein Geheimnis, dass sie ihm vertraute. An der Seite von Amaury standen die beiden Ammen mit ihren Söhnen, erst Balduin und dann Amaury. Melisendes Schwestern standen vorne, bei all den anderen Adligen - weit vorne dafür. Sie würde Yvette aus Tiberias holen lassen, das beschloss sie in diesem Augenblick. Gleich am nächsten Tag würde Melisende Edmund auf die Reise schicken, um ihre kleine Schwester heimzuholen. Sie vertraute Guillaume nicht mehr und sie wollte das Mädchen nicht unbewacht in dessen Reichweite lassen. Nicht, dass er sich sie noch aneignete, weil er so gerne eine Verwandte von Melisende für Godefroy haben wollte.
"Ich habe Euch alle einberufen, um Euch zu verkünden, dass ich einen weiteren Sohn geboren habe. Sein Name ist Amaury und ich erwarte von einem jeden von euch den gleichen Respekt und die gleiche Liebe ihm gegenüber, wie Ihr sie auch dem Thronerben Balduin entgegenbringt." ließ die Königin laut und klar vernehmen. Sie blieb sitzen, während sie nun erlaubte: "Erhebt Euch." Sie hatte die Herren und Damen recht lange knien lassen. Der Anlass erschien ihr jedoch mehr als passend. Kurz suchte ihr Blick nach Guérin de Craon. Viel Zeit hatte sie nicht, sie war reichlich erschöpft.

"Guérin de Craon, kommt zu mir." rief sie dann laut und winkte ihn mit der Hand heran. Sie spürte, wie ihre Hand in ein leichtes Zittern verfiel und drückte diese zur Vermeidung des Zitterns kräftig auf die Lehne. Sie war vollkommen erschöpft und erledigt, aber sie musste ihr Wohlergehen und ihre Präsenz nun zeigen. Da war kein König, der die Geburt seines Sohnes verkünden konnte, da war nur eine Königin. Und die würde nun entsprechende Maßnahmen vornehmen, um die Legitimität ihres Sohnes zu klären, die ja eigentlich gelogen war. Egal. Guérin, der sich ihr näherte, wurde nun aufmerksam taxiert. Fulkos Wille war ihr während ihrer Geburt immer wieder durch den Kopf gegangen. Sie wusste nun, wie schnell der Tod eintreten konnte. Manche Dinge regelte man lieber bevor es zu spät dafür wurde, unter anderem auch dieses Versprechen.


Ihre königliche Hoheit Melisende von Jerusalem, Königin von Jerusalem
Ehefrau des Fulko von Jerusalem
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Donnerstag, 29. Januar 2015, 12:31

Guillaume de Bures

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Mit doch einem gewissen Aufhorchen und gewecktem Interesse lauschte der Fürst den Worten der jüngeren Prinzessin. Guillaume war klar, dass dieser Vorstoß zu weit ging und das Melisende keineswegs erfreut darüber sein würde, dass ihre Schwester sich nun selbst als Ehegattin für Godefroy vorschlug. Es wäre eindeutig an Melisende gewesen, so etwa vorzuschlagen. Oder eben an Guillaume. Aber Hodierna selbst... das war ziemlich gewagt. Andererseits störte es ihn natürlich nicht, denn durch diese kleine Dummheit der Prinzessin stand nun ein Vorschlag im Raum, der äußerst interessant für ihn war. Godefroy und Hodierna, ja das wäre eine Partie, die dem Haus Bures den Respekt zollen würde, den es verdiente. Auch das Haus Jaffa war mit der königlichen Familie verheiratet, warum also dann nicht seine Familie? Immerhin war er der Fürst von Tiberias.

Allerdings war sich Guillaume gleichfalls auch sicher, dass Melisende diesen Vorschlag schon im Keim ablehnen würde, so wie sie im Moment gestimmt war. Und er behielt Recht... Die Königin fuhr zunächst ihre Schwester an zu schweigen und erklärte daraufhin, dass dies unter keinen Umständen in Frage kam. Anschließend sah sie ihn noch an und meinte, dass es dem Hause Bures wohl gut passen würde. Und dieser Satz war es, der Guillaume wieder zum kochen brachte. Er solle daran keinen weiteren Gedanken verschwenden... was dachte sich dieses Flittchen eigentlich? Was dachte sich dieses Weib, wer sie war? Mit steinerner Miene, zusammengepressten Kiefern und düsterem Blick hörte er ihre weiteren Worte. Es ging um die Verhandlung zu Phillippe und obwohl er gewollt hatte, dass das Urteil noch hier und heute gefällt wurde, stand die Königin schon wieder an der Tür und wandte sich praktisch zum Gehen. Was dachte sie sich? Was dachte sie sich, was sie sich gegenüber ihm alles erlauben konnte...?

"Nun gut, wenn Ihr das Haus Bures nicht als gut genug erachtet um mit einem Mitglied der königlichen Familie vermählt zu werden, dann nehme ich Eure Meinung zur Kenntnis... meine Königin." seine Stimme war düster und man bemerkte, wie aufgebracht er war. Aber er hielt sich zurück. Es würde ihm nichts bringen sich hier und jetzt aufzulehnen. Nicht hier. Und auch nicht auf diese Art und Weise. Der Wortlaut "meine Königin" kam verspätet und klang keineswegs so, wie er normalerweise gebraucht wurde. Melisende war niemand, der über ihm stand und das würde sie lernen. Er, Guillaume de Burres, Fürst von Tiberias und Herr über ganz Galiläa, er würde sich weder einem Weib, noch dessen eingebildetem Mann beugen.

"Offenbar schätzt Ihr Einwanderer aus Frankreich mehr, als alte Verbündete und Freunde. Und offenbar sind Grafen im Königreich mehr wert, als Fürsten." Der erste Satz konnte gerne auf all solche wie Robert von Jaffa, Edmund von Westernach, Guérin de Craon, aber auch Fulko selbst, gemünzt werden. Alles Menschen, die in Ämtern und Würden waren, die Prinzessinnen zur Frau bekamen, oder die man gleich ins eigene Bett holte. Immernoch war seine Stimme hart und kalt, wütend, aber beherrscht. Was erlaubte sie sich, ihn so zu behandeln? Warum bekam Robert von Jaffa eine Prinzessin zur Frau und Godefroy war dafür nicht gut genug? Robert war ein Graf, aber er war im Reich vielleicht an dritter oder vierter Stelle... Und er, Guillaume, er der er der mächtigste Mann im Reich war, er wurde so abgefertigt, vor aller Augen und Ohren...

"Was meinen Sohn angeht, so werde ich nicht zulassen, dass er wegen einer Schlampe seine Ehre und die Unterstützung seiner Familie verliert. Klagt ihn an, wenn Ihr wollt, aber das Haus Bures wird hinter ihm stehen. Und spart Euch eure Gnade..." mit grollender Stimme beendete der Fürst seine Worte. Melisende sollte sich ihre Gnade gegenüber Phillippe in den hübschen Hintern stecken. Er würde selbst auf seinen Sohn aufpassen. Er würde ihm den Arsch aufreißen, ihn Teeren und Federn und ihn zusammenschlagen, wenn es ihm in den Kram passte und im Moment war dieser Gedanke sehr, sehr reizvoll. Der Junge hatte, egal ob Vergewaltigung oder nicht, eine Dummheit begangen, die weit mehr zerstört hatte, als nur eine Verlobung. Aber er würde nicht zulassen, dass sein Fleisch und Blut vor einem Gericht der Königin erniedrigt und verurteilt wurde nur um danach auf die Milde und Gnade Melisendes angewiesen zu sein. Einer Königin, die offensichtlich ja überhaupt nichts mehr auf die Freundschaft des Hauses Bures gab.

Guillaume wandte sich nicht ab, auch wenn er das Gespräch am liebsten hier und jetzt sofort beendet hätte. Er war darauf gefasst, dass die Königin seine Worte nicht so auf sich sitzen lassen würde, aber das war ihm gleich. Sollte sie tun und sagen, was sie wollte. Er würde noch heute Nacht die Wachen am Tor und auf der Mauer verdoppeln und all seine Männer bewaffnen. Er würde dafür sorgen, dass er alles, was er in Jerusalem an Stärke hatte, hier in seinem Anwesen versammelte. Er glaubte zwar nicht daran, dass die Königin es wagen würde gegen ihn vor zu gehen, aber Guillaume war kein Mann, der auch nur das geringste Risiko einging, wenn es um seine Interessen ging. Es gäbe für ihn nichts schlimmeres, als in der Nacht von einem Kontingent königlicher Soldaten in den Davidsturm gebracht zu werden um des Hochverrats angeklagt zu werden. Die Kontrolle zu verlieren, in die Defensive gedrängt zu sein... das war nichts für ihn. Und genau deshalb stand sein Beschluss auch um so fester, Jerusalem schon bald zu verlassen. In Tiberias war er stark und unabhängig. Dort hatte er sein Fürstentum in seiner direkten Kontrolle und wusste all seine Vasallen hinter sich. Hier in Jerusalem waren er und seine Familie nur eine Gruppe Adliger, die eine bewaffnete Haustruppe zu ihrem Schutz hatten, die aber dennoch allesamt im Handstreich von der Königin gefangen genommen werden könnten, wenn diese der Hafer stach. Guillaume war dies klar. Selbst wenn er seine gesamte Haustruppe unter Waffen hier hatte, sähe es im Ernstfall düster aus.


Seine fürstliche Gnaden Guillaume de Bures, Fürst von Tiberias, Herr von Jericho
Ehemann der Catherine de Grenier
Adliger von Jerusalem
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Donnerstag, 29. Januar 2015, 12:40

Godefroy de Bures

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Als er ihr zuprostete schenkte ihm die Dame ihre Aufmerksamkeit und hob ihrerseits das Glas, um die überschwängliche Geste zu erwiedern. Rasch zupfte sie Thierrys ältestem Sohn, der ebenfalls Thierry hieß, am Arm und raunte diesem etwas ins Ohr, worauf er sich erhob. Dadurch wurde sein Platz frei. Sie zögerte nicht lange, diesen Umstand zu ihrem Vorteil auszunutzen. Geschwind rückte sie einen Platz auf und füllte die eben erst entstandene Lücke. Ihren Vater begrüßte sie mit einem Küsschen auf die Wange, ehe sie seinen Vater begrüßte und sich schließlich ihm zuwandte. War er denn so blind gewesen, dass sie ihm nicht schon vorher aufgefallen war? Oh ja, sie gefiel ihm durchaus mit ihrer feuerroten Haarpracht und dem spitzbübischen Lächeln, das ihre Mundwinkel umspielte. Ihr Name war Lydie, wie er nun aus ihrem Mund erfuhr. Ein schöner Name. Und er sei wohl Godefroy. Er hatte bestimmt nichts dagegen, sich ein wenig eingehender mit ihr zu beschäftigen. An ihm sollte es gewiss nicht schaden. Und auch ihr Vater konnte kaum etwas sagen, wenn sich seine Tochter mit dem Sohn seines Lehnsherrn unterhielt, noch dazu, wo er höchstselbst daneben saß. Ob er schon in vielen Schlachten mitgekämpft hatte, wollte sie von ihm wissen. Bestimmt würde er eines Tages ein genau so großer Krieger werden wie sein Vater.

Aber was war das? Noch ehe Godefroy Atem fand zu antworten, hatte sich bereits sein Vater eingeschaltet und an seiner Stelle das Wort ergriffen. Sein Sohn, so verkündete er in der ihm eigenen und unnachahmlichen Art, habe sich schon einen Namen als Krieger gemacht. Vor Tyrus hätte sie ihn sehen müssen. Da habe ihm ein Stein von der größe eines Hundekopfes von den Beinen geholt und trotzdem war er sofort wieder auf den Beinen, um die Mannen auf die Mauern des Verräters zu führen. Doch bis er ihm das Wasser reichen konnte, würde es wohl noch eine Weile dauern. Missgönnte der eigene Vater seinem Sohn das Gespräch mit einer reizenden jungen Dame? Na vermutlich hatte es Guillaume nicht so gemeint. Immerhin hatte er ihn in den höchsten Tönen gelobt, wenngleich Godefroy niemandem brauchte, der ihm soufflierte. Er konnte ganz gut für sich selbst sprechen.

"Da hört ihr es Lydie. Bei Tyrus habe ich wacker gestritten. Aber glaubt nicht all jenen, die Euch etwas über die Größe des Steins erzählen wollen. Mal ist er so groß wie die Faust eine kräftigen Mannes, dann so groß wie der Kopf eines Hundes. Morgen schon, wird er so groß wie ein Löwenkopf sein und in einem Monat wird man Euch erzählen, mir sein ein ganzer Wehrturm auf den Kopf gefallen. In Al-Arisch habe ich ebenfalls mitgekämpft und dann noch einige weitere Scharmützel gegen irgend welche Banditen. Aber die werdet ihr kaum als Schlacht durchgehen lassen."


In der Zwischenzeit war auch Lydies Bruder zurück gekehrt und starrte säuerlich auf den Rücken seiner Schwester, bis ihm sein Vater entnervt zu verstehen gab., er möge sich doch einfach neben ihr niederlassen, was er dann auch tat. Derweil kredenzte ein Diener seinem Vater einen besonders edlen Tropfen. Jetzt, wo der billige Fusel getrunken war, kamen wohl die wahren Kostbarkeiten auf den Tisch. Oder wollte er ihn mit disem Trunk vergiften. Solche Sprüche konnte wirklich nur sein Vater klopfen. Wer ihn nicht besser kannte konnte meinen, der Fürst meine es wirklich ernst mit seinem Vorwurf, doch Godefroy kannte seinen Vater gut genug um zu wissen, dass sich sein Vater einen Scherz auf Kosten seines Vasakllen erlaubte. Niemals würde er hier in trauter Runde speisen und trinken, wenn er ernsthaft damit rechnete, jemand wolle ihn vergiften. Nur schien der Herr von Belvoir keinen sonderlichen Sinn für Humor zu haben. Gefasst erklärte er dem Fürsten, das es gewiss nicht in seiner Absicht lag, ihn, seinen Lehnsherrn durch Gift um die Ecke zu bringen, womit für ihn die Sache erledigt schien. Dafür erhob sich seine Tochter. Selbstbewusst schritt sie auf den Fürsten zu und trank einen Schluck aus seinem Becher. Oha, die Dame traute sich was. Das wurde ja immer besser. Nun könne Guillaume seinen Wein unbeschwert trinken, erklärte sie und nahm wieder Platz. Ihr Vater fand das überhaupt nicht komisch. Umständlich entschuldigte er sich für das Gebahren seiner Tochter und legte ihr nahe, sich umgehend zurück zu ziehen und die Herren allein zu lassen. Allerdings sah Lydie das vollkommen anders. Sie würde noch etwas bleiben, beschied sie ihren Vater, denn ihr ginge es noch ausgezeichnet.

"Sie hat recht Euer Gnaden. Ihr wollt diese Halle doch nicht verdunkeln, in dem ihr Eure Tochter von der Hohen Tafel verbannt und uns ihrer liebreizenden Gesellschaft beraubt. Überhaupt waren wir gerade dabei ein Gespräch zu beginnen. Sicherlich möchte sie noch mehr von meinen Heldentaten hören, wo sie mein Vater auf den Geschmack verbracht hat.",

kam er Lydie zuhilfe. Es wäre auch zu schade, wenn sie nun gehen würde. Godefroy hatte sich schon auf das Gespräch mit ihr gefreut und nach ihrem Auftritt versprach es noch um einiges Interessanter zu werden. Lydie hatte nicht nur Feuer im Haar. Sie schien auch Feuer im Blut zu haben. Jedenfalls war sie kein kleines und schüchterndes Mäuschen, dass sich allzu schnell unterkriegen ließ. Catherine hätte für all das wohl wenig Verständnis gezeigt, aber Godefroy gefiel es. Ein Sieg, eine muntere Feier und eine charmante Dame als Gesellschaft - was wollte man mehr?


Seine Gnaden Godefroy de Bures, Erbe von Tiberias
Sohn des Guillaume de Bures
Adliger von Jerusalem
Ritter, Gefolgsmann des Guillaume de Bures

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Donnerstag, 29. Januar 2015, 12:47

Hodierna von Jerusalem

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Er war einfach da.
Gleich, was sie versuchte, sie konnte ihm nur kurz entkommen und so hatte sie es aufgegeben. Draußen vor dem Fenster dämmerte es, während sich außerhalb ihrer Sicht die Sonne erhob und es langsam heller wurde. Der Himmel war noch übersät mit kleinen Punkten, die des nachts zu Sternen wurden, und irgendwo verblasste der Mond. Alles drehte sich um die Erde, diese große Scheibe, nur die Sterne waren fest am Himmel. Jedenfalls waren sie das für Hodierna, während mancher Seefahrer ihr vielleicht widersprochen hätte.
Sie blickte in das Rotgrau des Himmels und fragte sich nicht zum ersten Mal, ob Gott wohl so riesig war, dass er den Himmel überragte oder ob er doch mehr ein Nebel war, der unwirklich schwebte. Gedankenverloren schweifte ihr Blick über die Häuser der Stadt, ihrer Heimat. Viel sah sie nicht von ihnen, denn die Königspfalz war von hohen Mauern und Türmen umgeben, die meistens sowohl die Sicht nach draußen und nach drinnen verbargen. Ein paar Bäume und Sträucher ragten von dem weitläufigen Garten zu ihrem Fenster herauf.

Es half nichts.
Selbst der Anblick ihrer sonst so geliebten Pflanzen vermochte sie an diesem frühen Morgen nicht abzulenken. Über ihren Schultern lag ein dünnes Tuch aus Seide, das die Blöße bedeckte, die die dünne Tunika nicht versteckte. Es war noch kühl und sie zog fröstelnd die Schultern hoch.
Hodierna hatte die meiste Zeit der Nacht an diesem Fenster gestanden, unfähig zu schlafen oder auch nur etwas anderes zu tun als die aufgehende Sonne zu betrachten. Gewiss, sie hatte ein paar Bissen gegessen, ein wenig Wein getrunken und sich die Tunika übergestreift, doch sie mochte mit niemandem sprechen, nicht einmal mit ihrer Zofe. Die schlief seelenruhig in ihrer Kammer und wusste nichts von der Schlaflosigkeit ihrer Herrin.

Lange war es noch nicht her, dass es begonnen hatte. Erst zwei Tage, Hodierna hatte keinen von ihnen vergessen, waren seit der Armenspeisung vergangen und damit seit jenem Tag, an dem die Gewalt so fürchterlich gewütet hatte, dass es etliche Tote zu bergen gegeben hatte. Doch obwohl die Prinzessin noch immer jene schrecklichen Bilder in ihren Träumen sah, konnte sie ein anderes noch viel weniger vergessen. Das des Adligen, der sie gerettet hatte.

Godefroy.
Immer wieder hatte sie sich leise, still und heimlich den Namen vorgesagt, bis sie die einzelnen Silben im Schlaf erkannt hätte. Wenn sie denn hätte viel schlafen können oder sich überhaupt müde gefühlt hätte. Stattdessen schlug ihr Herz jedesmal, wenn sie sich den Namen vorsagte, wie ein kleiner Vogel und schien sie damit mit in die Luft zu erheben. Ob ein Herz wohl so sehr flattern konnte, dass man schwebte? Für Hodierna fühlte es sich jedenfalls so an.
Kein Augenblick mit dem jungen Mann ging ihr aus dem Kopf, gleich wie schrecklich blutig die meisten waren. Er hatte sie mit seinem Leben verteidigt und allein das hätte vielleicht genügt, um in der jungen Frau solche Gefühle zu wecken. Doch in Wahrheit war es viel mehr als das.

Sie wisperte seinen Namen und lächelte.
Eigentlich kannten sie sich lange, wenn man ihre Zeit in Edessa dazunahm, doch für all die Jahre wusste Hodierna erstaunlich wenig über Godefroy. Im Grunde nur das, was alle über ihn wussten: er war der Erbe des Fürstentums Tiberias, Sohn des Guillaume de Bures, und damit eines Tages ein äußerst einflussreicher Mann. Und er hatte die wärmsten Augen, in die sie je geschaut hatte...
Braun, in der Farbe von Haselnüssen, mit ein paar Sprenklern darin. Dazu sein blondes Haar, die Konturen seines Gesichtes, die zugleich von Härte und Sanftmut erzählten. Er war ein Kämpfer, das sah man seinem Körper selbst durch die Kleidung und Rüstung an und Hodierna musste sich den Gedanken daran, leicht rosa im Gesicht, verbieten.

Sie schluckte leicht.
Nur zu gerne hätte sie sich erlaubt, den Ritter einmal zu besuchen oder auf eine unauffällige Weise in seine Nähe zu gelangen, doch sie durfte nicht. Godefroy war Theodora versprochen, ihrer eigenen Cousine, und gegen die eigene Familie stellte man sich nicht. Blut war dicker als Wasser, immer schon, gleich wie sehr es ihr wehtat. Oder?

Als sie ihm, nur für einen Moment, in die Augen geblickt hatte, hätte die Welt stehen bleiben können, Hodierna hätte es nicht bemerkt. Klarheit, Wärme, eine ungreifbare Stärke... sie hatte das Gefühl in ein Bild zu sehen, dass ihr so vertraut war wie ihr eigenes. Es schnürte ihr beinahe die Kehle zu als sie daran dachte und unwillkürlich legte sie eine Hand auf ihr wild pochendes Herz. Was war mit ihr geschehen?
In dieser kurzen Zeit konnte sie doch unmöglich jemandem derart verfallen, das war nicht ihre Art. Und doch, sie wollte, selbst jetzt in dieser frühen Stunde, nichts mehr als in seiner Nähe sein, sich von ihm halten zu lassen und die Sicherheit zu spüren, die sie brauchte. Sie hätte sich damit zufrieden gegeben, ihn einfach nur ansehen zu dürfen, als ein stiller Schatten, wie sich die Sonne um die Erde bewegte und trotz der Dunkelheit jeden Morgen aufs neue wieder aufstieg. Beinahe sehnsüchtig, streckte sie die Hand aus, als wollte sie die Sonne selbst, die nun unmittelbar über den Häusern stand, berühren und sich an ihr wärmen.

Hodierna schloss die Augen.
Schon manches Mal in ihrem Leben hatte sie für diesen oder jenen Mann geschwärmt, einem Ritter zaghaft auf einem Turnier zugelächelt oder die Schmetterlinge in ihrem Bauch tanzen gespürt, wenn jemand ihr Komplimente gemacht hatte. Das hier war anders.
Es war Schmerz, Sehnsucht, Wärme und Fliegen, ein warmer Schauer, kalter Regen und bittere Tränen, Freude und ein tiefer Fall. Es tat weh und sie hätte es doch um nichts in der Welt hergeben mögen.
Blinzelnd öffnete sie ihre Lider und die Sonne trieb ihr Tränen in die Augen.
Was hatte er zu ihr gesagt? Dass er tanzen wollte?
Sie hätte mit ihm getanzt, unendlich weit, über die ganze Welt und hätte selbst vor dem finstersten Abgrund keine Angst gehabt.

Als die Sonne ihre Augen nicht mehr blendet, wusste sie, dass sie sich entscheiden musste. Godefroy war unantastbar, dank der Verlobung mit Theodora und Hodierna wusste nicht, ob sie den Willen besaß, gegen ihre eigene Cousine zu intrigieren. Wollte sie es?
Hodierna wusste keine Antwort.


Ihre prinzliche Gnaden Hodierna von Jerusalem, Prinzessin von Jerusalem
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Donnerstag, 29. Januar 2015, 13:00

Alice von Jerusalem

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Eine Hand erschien vor mir. So, dachte ich mich. Jetzt schlägt er mich, und alles ist vorbei... aber nein. Die Hand berührte nicht mein Gesicht, sondern kam vor ihm zum Stehen. Ein Stopzeichen. Er wollte mir das Sprechen verbieten. Fein! Ich hatte zu dem Thema eh schon gesagt, was ich zu sagen hatte. Seine Worte freilich wirkten wie Hohn. Eleonora hatte alles alleine organisiert, weil sie dazu fähig war? Wie fähig, konnte man ja sehen. Ich blickte ihn unbeeindruckt an. "Quod erat demonstrandum..." Wie zu beweisen war - mein Latein mochte wacklig sein, aber dazu reichte es noch aus. Diese Spitze konnte ich mir nicht verkneifen. Wenn das hier zeigte, wie es sich mit den Organisationskünsten von Eleonora verhielt, war ich heillos froh, dass sie nicht mehr im Haus sein würde, wenn ich dort einheiraten würde.... der Trampel. "Aber ja, es ist, wie es ist. Ich habe dir gesagt, was ich denke, und werde kein Wort mehr über diese Sache verlieren", machte ich, beschließend, mein Wort auch zu halten in der Hinsicht. Denn, wie gesagt, sie war nicht meine Tochter, und vielleicht war es wirklich so, dass er wahrscheinlicher war, dass diese Ehe hielt, als dass sie vorm Kirchengericht scheiterte. Und ich beschloss auch, nicht abermals weiter nachzufragen, wieso er mich nicht zuvor verständigt hatte. Mir war dieser ganze Streit elendiglich verlitten mittlerweile.

Aber am Ende gab Robert doch noch nach. Ich schien gewonnen zu haben, fühlte mich aber wahrlich nicht als Gewinnerin. Fast verspürte ich den Drang, ihm zu sagen, er sollte sein lassen. Aber das wäre nicht recht gewesen. Nicht recht für ihn, für mich, für Eleonora, für die Grafschaft. Ich schwieg also nur. Zumal ich versprochen hatte, dass mein letztes Wort in der Hinsicht gesagt worden war.

Endlich wurde seine Stimme auch versöhnlicher. Ich musste gestehen, es war nicht zufällig und ohne Absicht, dass ich das Gespräch auf diese Sache gelenkt hatte. Denn es war wirklich Zeit, Robert einzuweihen darüber, was in Antiochia geschehen war. Zumindest in meine Version der Ereignisse. Er nannte mich sogar süß, weil ich besorgt war über sein Wohlergehen? Ich blickte ihn ernst an. Es war Selbsterhaltung, reine Selbsterhaltung. Wir würden verbunden sein. Was seins war, würde meins sein, und umgekehrt. Er würde eine neue Tochter bekommen, und ich, wohl oder übel, auch. Ich würde eine Grafschaft bekommen, er eine Verbindung zum Königshaus. Seine Feinde würden meine werden. Und ich wollte nicht, dass meine zukünftigen Feinde irgendeinen Vorteil erhielten.

Robert versicherte mir, dass er seinem Gespür für Treue bei seinen Männern und seinen Freunden sicher war. Menschenkenntnis, hmm. Wenn sein Hauptmann recht hatte, war Robert gesegnet. Ich nickte langsam, kaum vernehmbar. "Diese Gabe ist etwas Wertvolles. Ich habe sie einfach nicht... und daher bin ich vorsichtig. Ich werde dich häufiger um Rat bitten müssen", gestand ich ihm zu, damit ihm implizit recht gebend, dass er kein dummer Mann war und viel Wert hatte. Nun, und nun kam der Moment, wo ich ihm über Antiochia erzählen würde.

"Gut. Wie du weißt, heiratete ich Bohemund 1126, als ich 17 war. Wir verlebten zusammen 4 Jahre, und ich brachte Konstanze auf die Welt. 1130 fiel er im Kampf gegen Emir Gümüschtigin, als er meinen Cousin, den Fürst von Kilikien, gegen dessen Überfall auf seine Länder zur Unterstützung kam. Das machte Konstanze, erst dreijährig, zur Fürstin. Es war mein gutes Recht, daraufhin Regentin zu werden, aber ich holte dennoch Versicherungen ein, dass meine Regentschaft respektiert werden würde. Ich holte sie ein von zwei Leuten - zum ersten Bertrand de Valence, Patriarch von Antiochia. Wir hatten uns nie sonderlich gut verstanden - er ist machtgierig und arrogant - aber er versprach dennoch, meine Regentschaft zu respektieren. Zum zweiten holte ich das Versprechen ein von Guillaume de Saone, Baron von Saone, und mächtigster weltlicher Baron in Antiochia. Bei ihm war ich mir sicher. Er war ein guter Freund meines Mannes gewesen, und stets ein Mensch, bei dem ich mir sicher war, dass ich ihn vertrauen konnte. Er war Pate von Konstanze gewesen - und Patriarch Bertrand hatte sie getauft. Also hatte ich mir gedacht, das würde ihr Wort alleine gut genug machen. Tat es aber nicht. Eines Tages traten sie in die Haute Cour von Antiochia hinein, gefolgt von Männern des Grafen von Edessa, und erklärten mich für abgesetzt. Hinter meinem Rücken hatte Guillaume de Saone sich verschworen mit Joscelyn d'Edessa, dessen Sohnes Schwiegervater er war, und Bertrand de Valence. Diese drei verjagten mich und meine Getreuen nach Latakia. Weißt du, Latakia war meine Morgengabe gewesen. Latakia, und Jabala. Aber auch daraus vertreiben sie mich. Und das Schlimmste ist, irgendwie mussten sie meinen Vater dazu manipuliert haben, mir meine Morgengabe auch noch zu entziehen. Als ich nach Jerusalem kam, um Hilfe zu erfragen, nahm er mir meine Städte weg... mir bleib nur noch Konstanze." Traurig schaute ich ihn an. "Ich hege keinen Groll gegen meinen Vater... seine fragile Gesundheit war ausgenutzt worden von dunklen Mächten. Das Schlimme ist, für die Leute, die sich als jene dunkle Mächte entpuppten, hätte ich meine Hand ins Feuer gehalten. Und nun sitze ich hier, in Jerusalem, machtlos, und muss ertragen, dass in Antiochia ein alter, treuloser Gockel, Joscelyn, regiert, und Verleumdungen gegen mich wilde Urstände feiern." Ich hielt nun endlich ein. Sicher würde Robert Fragen ob meiner Offenbarung haben.


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Donnerstag, 29. Januar 2015, 13:04

Juana de Haifa

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"Eure prinzliche Gnaden", sagte Juana und machte einen leichten Knicks. Ihr Kopf deutete dabei eine kleine Verbeugung an. "Wie Ihr wünscht."

Juana drehte sich herum und öffnete die Tür. Doch dann stockte sie. Ihr fiel gerade etwas ein. Sie musste es unbedingt los werden. Würde die Prinzessin ihr ok geben?
Langsam und überlegend drehte sie sich wieder herum und blickte die Prinzessin offen an. "Prinzessin", fragte sie zaghaft. "Ist es mir erlaubt, bei eurer nächsten Falkenjagt mit dabei zu sein? Ich habe Euch noch nicht jagen gesehen, und viel verstehe ich davon auch nicht. Ich würde Euch sehr dankbar sein, wenn ich Euch begleiten dürfte."
Mit einem Lächeln, welches gegenüber der Prinzessin immer aufrichtig und ehrlich gemeint ist, blickte sie ihre Herrin bittend an. Was für eine Jagt das werden würde, fragte sie sich. Das letzte Mal musste sie auf die Tochter ihrer Herrin aufpassen. Sie tat wie ihr geheißen - doch irgendwie hatte es ihren Stolz ein wenig angekratzt. Es tat weh, zu sehen, dass die Herrin sich vergnügen konnte, während sie auf die Tochter achten musste.

Und doch: Das kleine Ding war so zärtlich, so süß und klein. Und obwohl sie so hübsch und rein, so unschuldig und niedlich war, brachte es Juana nicht übers Herz, das Herz der Kleinen zu brechen; obwohl sie immer wieder gerne den Schmerz von anderen genoss. Ja, sie liebte dieses Kind gerade zu. Abgöttisch schon fast. Ein kleiner, reiner, weißer Engel.
Die Bitte von ihr stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben. "Ich möchte aber, bevor Ihr Antwort gebt, Eurem Wunsch entsprechen."

Sie knickste ein weiteres Mal und ging warmherzig lächelnd aus dem Raum. Ab und zu blühte ihr Herz auf. Besonders in Gegenwart von ihrer Herrin. Wie sehr Juana sie ins Herz geschlossen hatte, oh ja!

Sie war auf dem Weg um die Waffenknechte zu suchen. Wachen, Soldaten zum Schutze der prinzlichen Gnaden und ihr, der Zofe. Stolz wie man es nur sein konnte präsentierte Juana sich, ging gerade, streckte Brust raus und Bauch rein. Sie fand dieses Spielchen lustig und blickte alle höhnisch lächelnd von oben herab an, die sie oder gar Alice mit offenen Mündern anstarrten.
Könnt ihr getrost stecken lassen, ihr Gesocks und unterwürfiges Pack!, dachte sie grimmig.
Auf dem Hof schließlich traf sie andlich auf jemanden. Auf den Stallburschen. "Wo sind die Waffenknechte", herrschte sie ihn an. Zitternd stand der junge Bursche vor ihr. "Antworte", befahl sie. Sie genoss es. "Die Herrin möchte geleitet werden, also?!"
Der Junge gab keine Antwort. Er lief nur rot an und senkte den Kopf, so als schäme er sich vor der Zofe ihrer prinzlichen Gnaden etwas zu sagen. Es knallte. Mit roter Wange stand er da, hielt den Kopf immer noch gesenkt. "Soll dir eine Lehre sein", zischte Juana, ehe sie sah, dass gerade zwei Waffenknechte um eine Ecke kamen. "Ihr da",sagte sie mit einem Befehlston. "Ich will, dass ihr mir folgt. Und ihr zwei auch!" Sie sprach weitere Wachen an, die sie jetzt erst bemerkte. "Die Herrin wird von euch zur vanazianischen Loggia geleitet."
Damit schritt sie voran, wieder zum Raum der darin sich befindenden Prinzessin, klopfte und ging hinein. Die Wachen stellten sich draußen auf, bereit, zu geleiten.
"Herrin", sprach Juana sanft. "Die Waffenknechte sind da. Wir können gehen." Sie lächelte wieder warmherzig.


Ihre Gnaden Juana de Haifa
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Zofe der Alice von Jerusalem

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Donnerstag, 29. Januar 2015, 13:09

Gabriel di Bieda

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Gabriel beobachtete den schönen Blondschopf als er seine anklagende Frage gestellt hatte. Sogleich senkte sie schuldbewusst ihren Blick und der Kleriker wusste, dass er einen Nerv getroffen hatte. Wie er es geahnt hatte, ging bei der Auflösung der Verlobung nicht alles mit rechten Dingen zu. Seine Miene wurde noch etwas ernster und seine dunklen Augenbrauen zogen sich zusammen. Der bärtige Mann lehnte sich etwas zurück und lauschte andächtig den Worten seines treuen Schäfchens. Zwar hatte er vermutet das sie ihren Anteil geleistet hatte, um mit Guerin verlobt zu werden - das Ausmaß dessen, was sie getan hatte, erstaunte den Geistlichen allerdings. Es war nicht ungewöhnlich das eine Frau wie Catherine viele Verehrer hatte. Sie war schön, aus gutem Hause und eine fromme Christin - und von einer solchen hätte er erwartet, dass sie sich ihren Verehrern stärker zu entziehen vermochte. Sie gestand und beichtete ihm, dass sie seine Bemühungen, sie zu erobern, noch unbewusst unterstützt und ihm Hoffnungen gemacht hatte.

Mit ihrer beschämten Stimme beichtete sie weiterhin was sich in seinem Haus zugetragen hatte. Enttäuschung mischte sich in den strengen Blick des Klerikers als er erfuhr, dass sie sich in seinem Beisein umgezogen und damit noch weiter verführt hatte. Unwillkürlich streifte der Blick aus den dunklen Augen den schlanken Leib der Blaublüterin. Als sie auch noch den Kuss erwähnte, schüttelte Gabriel in enttäuschter Manier sein Haupt. Tatsächlich hätte er von seinem treuen Schäfchen mehr Züchtigkeit erwartet. In seinen Augen hatte die blondhaarige Aristokratin zweifellos vor Gott gesündigt. Christus warnte davor, dass es bereits Sünde sei, eine Frau lüstern anzusehen - wenn ein Weib dies auch noch herausforderte, machte es die Sünde noch schlimmer.

Sorgfältig wägte der Geistliche seine nächsten Worte ab. Er musste Catherine für ihr Verhalten tadeln und sie zur Buße auffordern. Allerdings wollte er dieses Mal Milde walten und sie nicht zu sehr bestrafen. Noch immer war er davon überzeugt, dass ein Ritter, der vom Geist der Kreuzzügler beseelt war, für eine fromme Christin wie Catherine die eindeutig bessere Wahl war. Den politischen Hintergrund und der Konflikt mit der Königin war Gabriel nur am Rande bewusst geworden - für gewöhnlich mischte er sich in die Intrigen des Zweiten Standes nicht ein, höchstens um als Schlichter zu fungieren. Schliesslich seufzte der bärtige Mann, bedeckte Catherine mit einem tadelnden Blick und hob die rechte Hand an. "Christus kannte all Eure Sünden, noch bevor Ihr sie vor mir ausgesprochen habt - umso wichtiger ist es, dass Ihr in absoluter Ehrlichkeit bei mir beichtet. Ihr habt zweifellos gesündigt und einen Mann verführt, gar geküsst, als Ihr einem anderen versprochen wart. Gott verlangt von Männern und Frauen, dass sie das Sakrament der Ehe wahren und schätzen.", begann er vorwurfsvoll, bevor seine Miene eine Spur milder wurde. "Doch noch war keine Vermählung vor Gott vollzogen worden, weshalb Ihr Euch nicht des Ehebruches schuldig gemacht habt. Gott hat Euer Flehen und Eure Gebete erhöht. Aus einem bestimmten Grund hat Euch einen Mann geschenkt, den Ihr liebt und der Euch liebt - ein einzigartiges Geschenk das nicht vielen Christen gemacht wird. Ich hoffe Ihr seid Euch bewusst, dass dieser besondere Umstand und die Auflösung Eurer alten Vermählung auf den Willen und die Güte des Herrn zurückgehen." - mit seinen Worten entschärfte er die anfängliche Anklage, die er Catherine gemacht hatte. Sie sollte sich durchaus einer Schuld bewusst sein, nicht aber ohne zu vergessen, dass Gott ihr vergeben und gar mit der Liebe ihres Lebens belohnt hatte. "Wenn Eure Reue ehrlich ist und Ihr Mitschuld verspürt, tut Buße und dankt dem Herrn für seine Gnade. Betet am heutigen Abend den Rosenkranz - solange, bis Ihr Euch von Euren Schuldgefühlen befreit fühlt.", wies sie der Priester an. Dann kam Gabriel eine Idee. Catherines Familie besaß Einfluss und Macht am Hofe. Vielleicht konnte er ihre Schuldgefühle dazu nutzen, der Kirche und Gott einen Dienst zu erweisen, indem sie seine persönliche Macht stärkte. "Der Herr hat für jeden von uns eine besondere Aufgabe. Ihr wurdet in einem angesehenen Stand geboren, genießt viele Privilegien und dürft einen Mann heiraten, den Ihr von ganzem Herzen liebt. Das sind irdische Geschenke die Euch unser Herr machte, damit Ihr sie zum Wohle der Kirche und der Christenheit einsetzt. Er erwartet von Euch, dass Ihr, aus Buße und Pflichtbewusstsein, Euch mit christlichen Taten erkenntlich zeigt. Ich hoffe, Ihr seid Euch dessen bewusst?"


Seine Hochwürden Gabriel di Bieda
Priester der römisch-katholischen Kirche

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Donnerstag, 29. Januar 2015, 13:12

Gregor von Brandis

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Fassungslos starrte Gregor an die gegenüberliegende Wand. Seine Augen transfixierten eine Stofftapete, welche gegenüber von ihm von der Wand hing, als ob er sie zum ersten Mal sähe. Sie stellte das fingierte Treffen von mehrere Jahrhunderte auseinander lebenden Heiligen dar. Heilig. Manche würden Gabriels Eifer sicher als heilig bezeichnen. Doch er, Gregor, hatte nicht die Lust, Gabriels Aktionen als solche einzustufen. Er wusste nunmehr ganz genau, wen er da vor sich hatte. Einen Fanatiker, der seine eigenen Interpretationen des Glaubens über die Gehorsamspflicht gegenüber seinem Bischof stellte. Er hatte seine Maske sich selber vom Gesicht gerissen, hatte sich entblößt und dem Patriarchen sein wahres Gesicht offenbart. Er versuchte, Gregor um Verzeihung zu bitten, und zu jenem anderen Anlass hätte dies genügt, um Gregors Herz zu erweichen. Denn er war kein Tyrann - nein, dachte sich Gregor, er war ein gütiger Mensch, gerecht und willens, den Standpunkt anderer einzusehen. Doch Gabriel hatte sich seine Sympathien verspielt. Man hatte ihm wohl noch nie gezeigt, was denn wahre erzieherische Maßnahmen waren. Seine Vorgesetzten hatten sich wohl immer von der absolut vorhandenen Brillianz des Priester blenden lassen, und ihn überhäuft mit Vorteilen und Favoritismen. Doch diese Zeit, dachte sich Gregor, war zu Ende gekommen. Sein Blick wurde entschlossener. Seine hilflose, gar welpengleiche Miene schwand wieder aus seinem Gesicht, so schnell wie sie gekommen war, und machte einem entschlossenen Ausdruck Platz. Er wollte sich nicht verwundbar zeigen, nicht vor einem Mann, der seine Absichten - Gregor zu untergraben, die Kirchenpolitik zu diktieren, gar selber seinen Platz einzunehmen - heraustrompetet hatte, und sie sich genauso gut an die Stirn tätowieren lassen hätte können.

Und doch horchte er sich Gabriel an, mit konzentrierter Miene. Egal, was er von einem Mann hielt, ihn zu unterbrechen wäre sehr unzivilisiert. Und außerdem, je mehr er redete, desto mehr Munition könnte er seinem Gesprächspartner geben. Wir, sagte der Mann, wir haben nicht gut daran getan, sie als Verbündete zu erwählen. Wir? Seit wann kam das? Versuchte er etwa, Gregor davon zu überzeugen, dass es wirklich auch seine Politik gewesen wäre, die Juden zu alienieren? Was Gabriel nicht wusste, war, dass sein Bibelzitat Gregor eher noch in seinem Vorhaben stärkte.

Er atmete tief aus, und nickte dann - zu sich selber hin eher denn als zu Gabriel. "Du hast wohl recht. Die Sunniten wären keine verlässlichen Verbündete. Die Juden wohl auch nicht." Er schnaubte. "Doch darüber zu diskutieren ist jetzt hinfällig. Dank dir." Er hatte wenig Lust, über die Argumente von Gabriel zu debattieren. Sie erschienen ihm als fadenscheinig. Vielleicht hätten ihn die Sunniten und die Juden verraten, vielleicht auch nicht. Doch darüber zu urteilen oblag nicht diesem kleinen Pfaffen. Es lag auch nicht an ihm, zu urteilen, wer die Feinde der Kirche waren. Und vor allem lag es nicht an ihm, sich und Gregor als "wir" zu bezeichnen.

"Du willst eine Strafe? Du bekommst keine", machte Gregor. Und ganz, ganz langsam schlich sich ein Lächeln auf seine Lippen. Er wusste schon ganz genau, wie er dieser Bedrohung gegenüber seiner Position, seiner Position, seiner Politik, den Garaus machen konnte. "Das einzige, was ich dir angedeihen lassen werde, ist eine Maßnahme, welche bloß darauf abzielt, dich zur Besinnung zu bringen." Er erhob sich langsam, wendete sich zu Gabriel hin und funkelte ihn an, während sein kaltes Lächeln sich über sein Gesicht zog.

"Du bist gefeuert."

Er machte eine kurze Pause, um die Worte nachhallen zu lassen. "Hiermit entziehe ich dir deine Stelle im Kapitel." Eine weitere kurze Pause. "Ich werde einen würdigen Ersatz für dich im Kapitel suchen. Dem Kapitel wird es frei stehen, sich selber aus seinen Reihen einen Subprior zu erwählen." Wen sie sich aussuchen würden, war Gregor scheißegal. Hauptsache, es war nicht mehr dieses subversive Element, welches nun nicht mehr von innen heraus seine Stellung zerstören könnte. "Wenn das alles war, steht es dir frei zu gehen", demandierte der Patriarch. Er wollte diesen intriganten, geltungssüchtigen, scheinheiligen Saboteur nicht mehr sehen.


Seine Seligkeit Gregor von Brandis, Patriarch von Jerusalem
Bischof der römisch-katholischen Kirche
Patriarch von Jerusalem

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Donnerstag, 29. Januar 2015, 13:15

Ewa Lublinska

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Einige Wochen später als ursprünglich geplant näherte sich Ewa Lublinska an einem Nachmittag Mitte Oktober der durch einem Torwächter gesicherten Pfalz des Patriarchen. Erst wenige Tage waren seit der Ermordung des Königs in der Grabeskirche vergangen, und auch wenn Ewa davon persönlich nicht allzu mitgenommen war, so spürte auch sie sehr deutlich die Anspannung und Trauer, die nach wie vor über der ganzen Stadt zu hängen schienen. In wie weit das für ihren Besuch an diesem heutigen Tag gut oder schlecht sein würde, musste sich erst noch zeigen, aber Ewa hatte beschlossen, es darauf ankommen zu lassen, denn noch länger warten wollte sie beim besten Willen nicht.

Viel früher hatte sie eigentlich schon herkommen wollen, doch hatten ihr dann doch verschiedene Umstände für eine geraume Weile einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zum einen hatte es eine kleine Ewigkeit gedauert, sich das nötige Geld für ihr neues Kleid zusammenzusparen, zumal niemand in ihrem direkten Umfeld etwas davon hatte wissen dürfen und sie es auch erst angezogen hatte, nachdem sie lange das Haus ihrer Familie verlassen und einen langen und ausführlichen Besuch in einem der öffentlichen Bäder hinter sich gebracht hatte. Gelohnt hatte sich das nach Ewas eigenem Empfinden allemal. Ihr Haar war frisch gewaschen, sodass ihre langen Locken besonders glänzten, ihre Haut war weich und rosig, und das neue Kleid fiel in ordentlichen Falten an ihr herab und betonte dezent die Vorzüge ihres Körpers, ohne ordinär zu wirken. Natürlich war es nichts besonderes und weit schlichter als das, was die wohlhabenderen Frauen dieser Stadt sich leisten konnten, aber der Stoff war aus guter Qualität und das beste von allem: er stank nicht. Nichts aber auch rein gar nichts von der schier unvermeidlichen Wolke, die jeder Bewohner des Gerberviertels normalerweise in der einen oder anderen Intensität überall mit sich herumtrug, war an diesem Tag an Ewa Lublinska festzustellen, denn sie trug sehr bewusst nichts mit sich, was irgendetwas mit ihrem Zuhause zu tun hatte. Zu gut konnte sie sich noch an den Blick erinnern, mit der der Patriarch sie damals in der Grabeskirche gemustert hatte, und sie würde den Teufel tun, diese natürlich auch für den heutigen Besuch erwünschte Wirkung durch unerwünschte Nebeneffekte wie üble Gerüche oder ähnliches irgendwie zu schmälern.
Das hieß, falls Gregor von Brandis sie überhaupt empfing...Immerhin lag ihr erstes Zusammentreffen schon eine ganze Weile zurück, da Ewa zu ihrem eigenen neben der Sparerei trotz allem Selbstbewusstsein doch das eine oder andere Mal noch vor ihrer eigenen Courage zurückgeschreckt war, und wer wusste schon, ob er sich überhaupt noch an sie erinnern konnte? Junge Mädchen gab es schließlich wie Sand in der Wüste, und auch wenn Ewa sich für durchaus attraktiv hielt, war sie doch nicht so naiv, sich für das einzige leckere Stück aus der riesigen Torte Jerusalem zu halten.
Andererseits, und dieser Gedanke war es dann auch, der letztlich den Ausschlag gab, gab es viel zu gewinnen und im Grunde nichts zu verlieren, denn selbst wenn man sie einfach wieder vor die Tür setzte oder sie erst gar nicht einließ, war sie zumindest frisch gebadet und besaß ein neues Kleid, das seinen Wert ja nicht verlieren würde und das sie notfalls dann halt für andere Dinge nutzbringend einsetzen konnte.

Und so atmete Ewa noch ein letztes Mal tief durch, kaute noch ein wenig auf ihren Lippen herum, um denen eine schöne rote Farbe zu bescheren und trat dann mit einem freundlichen aber bewusst nicht zu koketten Lächeln auf den Torwächter der Pfalz zu.

"Gott zum Gruße. Würdet Ihr Seiner Seligkeit, dem Patriarchen, bitte ausrichten, dass Ewa gekommen ist, um ihn zu besuchen? Natürlich nur, wenn er Zeit hat und abkömmlich ist."


Ewa Lublinska
Tochter des Mikolaj Lublinski
Bürgerin von Jerusalem

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Donnerstag, 29. Januar 2015, 13:19

Jerzy Lublinski

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Wenn man jahrelang, nein eigentlich das ganze bisherige Leben, in einer Gerberei gelebt hatte und selbst auch schon seit frühesten Tagen beim Gerberhandwerk mitgeholfen hatte, dann störte einen der Geruch irgendwann wirklich nicht mehr. Und auch der ganze Dreck an sich, mit dem man so in Kontakt kam... das war eben irgendwie normal. Ich machte mir nicht sonderlich viel daraus, als ich gerade einen der Pisspötte, die in regelmäßigen Abständen in Seitenstraßen, oder an Häuserecken standen, in den größeren Bottich umfüllte, der auf dem Karren fest gemacht war. Dass ich, meine Kleidung, meine Haare, einfach alles... irgendwie nach Pisse roch, das machte mir nichts. War eben normal so. Ebenso wie es normal war, dass man mit uns nicht viel zu tun haben wollte. Wir waren ganz am unteren Ende der Gesellschaft und selbst die besser gestellten Bürgerlichen rümpften über uns die Nase, von den Adligen mal ganz abgesehen...

Nein, Ekel empfand ich wirklich nicht. Aber ich hasste es trotzdem. Den ganzen verfluchten Tag Pisse und Scheiße einsammeln und Zuhause dann vom Onkel das hochfeine Handwerk lernen. Ich konnte es, wie hätte ich es auch nicht können sollen, schließlich war ich kurz vor meiner Meisterprüfung. Aber ich hasste es. Wie viel lieber wäre ich Waffenknecht, oder gar Ritter. Ein Kämpfer. Jemand, der es sich auch mal leisten konnte, Alkohol zu trinken und der vielleicht auch ein Mädchen fand, das nicht gleich angeekelt flüchtete. Mädchen und Alkohol, das waren für mich zwei Dinge, die ich nur aus meinen Träumen kannte. Wir waren eben arm und konnten uns grade mal das leisten, was täglich auf de Tisch kam...

"Du könntest dich ruhig auch mal nützlich machen. Zieh du den Karren bis zum nächsten Pott!" wies ich genervt meinen kleinen Bruder an. Schlimm genug, dass ich mit einem Karren, welcher schon hundertmal geflickt worden war und auf welchem zwei Pötte (einer für Pisse, einer für das andere) befestigt waren, durch die Straßen ziehen musste und dabei stank wie... naja wie ein Gerber eben... nein, ich hatte auch noch meinen Bruder Radoslaw, diese unsägliche kleine Nervensäge dabei. Wenn es also noch peinlicher ging als nur einen Gerberkarren durch die Straßen zu ziehen und die Hinterlassenschaften der Leute einzusammeln, dann war es das alles in Begleitung eines kleinen Rotzlöffels von Bruder zu tun.

"Ach komm, du bist eh viel zu schwach dafür..." fuhr ich ihn gleich nach meinen Worten genervt an. Der Karren war schwer zu ziehen. Er hatte zwei Räder und vorne zwei Stützen, damit man ihn abstellen konnte und er trotzdem gerade stehen blieb, damit eben aus den Bottichen nichts raus lief. Da die Straßen alles andere als eben waren und es oft auch Stufen zu überwinden gab, war das wirklich Knochenarbeit. Radoslaw würde den Wagen nicht ziehen können und bestimmt war er nur bei mir, damit er Mutter nicht auf die Nerven ging. Wenn ich ihn den Karren ziehen ließ, dann ließ er ihn am Ende los, der Karren kippte um und ein Donnerwetter brach herein. Mutter würde mir wegen dem verlorenen Zeug und dem wahrscheinlich beschädigten Karren die Hölle heiß machen und der Teufel wusste, was sonst noch geschehen könnte... Ich bekreuzigte mich rasch und fahrig, da ich an den Teufel gedacht hatte und tastete nach dem kleinen hölzernen Kreuz an dem Lederband um meinen Hals. Ich war ein wenig abergläubig und sehr vorsichtig, was ich dachte oder tat. Erst neulich war der König IN einer Kirche ermordet worden. Man musste also wirklich vorsichtig sein, ich wollte wenigstens mal ein Mädchen geküsst haben, ehe ich das zeitliche segnete.

"Komm weiter jetzt!" schnauzte ich Radoslaw genervt an, hob den Karren an und zog ihn an den beiden Griffen hinter mir her. Die Bottiche waren noch lange nicht voll, leider...


Jerzy Lublinski
Sohn des Mikolaj Lublinski
Bürger von Jerusalem
Gerber (Lehrling)

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Donnerstag, 29. Januar 2015, 13:29

Karola Steiner

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Wunderbar, die erwartete Lieferung des Töpfers war eingetroffen. Mit einer Schere zerschnitt Karola die zahlreichen Schnüre und löste sie von den mit einfachem Leinen umwickelten Paketen. "Hoffen wir mal, dass diesmal fast alles heil geblieben ist, sonst muss der gute Mann mir wieder den Rest ersetzen." brummte Karola und wickelte das erste Paket aus. Fünf ineinander gestapelte tönerne Becher, der oberste Becher hatte einen Riss und der unterste Becher hatte mehrere Kerben. "Mit euch wurde unsanft umgegangen... ich wusste es." brummelte sie und begutachtete die übrigen drei Becher. Diese waren ohne Schäden. Das nächste Paket enthielt ebenfalls fünf Becher, die ohne Schäden waren. "Drei plus fünf macht acht." Sie zog das nächste Paket heran und entnahm diesem zehn Teller, von diesem Tellerset war der oberste Teller in drei Teile zerbrochen. "Wunderbar... was soll ich mit neun Tellern? Gerade gerade Zahlen verkaufen sich besser als ungerade Zahlen." regte sie sich auf und stellte das Set zu den acht Bechern.

"Mal gucken, wie die Metkrüge ausschauen.. die gehen ganz gut weg."
Gespannt wickelte sie die vier Krüge aus. Der Töpfer hatte gesagt, dass er wegen einem anderen Auftrag, die bestellte Anzahl von zehn Krügen nicht ausliefern würde können, die übrigen sechs Krüge schnellstmöglichst nachliefern würde. "Sehr gut, die sind allesamt heil, diese hänge ich gleich draußen an den Haken aus." beschloß sie nach dem Auspacken und widmete sich anschließend damit die Leinentücher und Schnüre in einen kleinen Sack zu stecken. Von der Straße her wurde es dunkler, ein Schatten zeigte sich auf der Theke, dazu erklang eine männliche Stimme. "Guten Tag, der Herr." Karola erhob sich vom Hocker und bekam mit, wie er die beinahe runter gefallene Vase wieder hinstellte. "Nicht so hektisch, nicht so hektisch, mein Herr, ist die Zeit hinter euch her?" Was roch plötzlich so komisch? Karola war sichtlich versucht an ihrer Kleidung zu schnuppern, erkannte im letzten Moment, dass der penetrante Geruch vom Kunden selbst ausging. Sie rümpfte verhalten die Nase und positionierte sich seitlich von ihm. "Ja, was suchen sie?
Ich biete Beutel, Kleinkram, Nähzeug und Nähzubehör, Geschirr und Gewürze zum Verkauf an." Wie immer trug sie ihre graues Kleid und den grauen Schleier, diesmal mit einem kompliziert geflochtenen braunen Gürtel.


Karola Steiner
Bürgerin von Jerusalem
Krämerin

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Donnerstag, 29. Januar 2015, 13:43

Laurens Steiner

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Wie ein kleines Mädchen saß Elisabeth auf dem Ende des Bettes, die Füße in einem Versuch Wärme zu finden unter dem Saum des Nachthemdes und die Arme um die Knie geschlungen ...
Eine Welle warmer Vaterliebe wallte in mir auf als mich dieses Bild an frühere, schönere Tage erinnerte als mein Kind tatsächlich noch 'Kind' gewesen war. Das schöne Gefühl wusch einen großen Teil meiner trüben Laune und auch meiner Verlegenheit weg sie geweckt zu haben.
"Ja, wenn Du kannst leg Dich wieder noch etwas hin - ich fürchte nur, dass auch Du meine kleine Schlafmütze keine rechte Ruhe mehr finden wirst bevor es hier im Hause wieder lebendig wird ..."
Bald schon würden einige der Vettern und Basen aufstehen und auch die Tante Blanka und die alte Emma würden mit den Vorbereitungen für den Haushalt des heutigen Tages beginnen - dann war keine Ruhe mehr.
Es waren einfach zu viele Menschen hier zusammen, zumindest für meinen Geschmack, doch daran würde sich wohl so rasch nichts ändern lassen außer Johannes fand einen neuen Bräutigam für seine Mathilda - doch dann waren da ja noch Konrad und seine Hanna die sicher auch bald ein Kind erwarten mochten ...
Müßige Gedanken, ich schob sie beiseite - keinesfalls würde ich mich auch noch aus dem Haus drängen lassen, so wie Johannes es schon aus der Werkstatt versuchte und sich dabei Rückhalt bei Vater zu erschmeicheln trachtete!

Meine Tochter las wohl in meinen Gedanken oder meinem Gesicht wie in einem Buch - vermutlich oder sogar sicher - hatte sie aber auch ein 'offenes Ohr' und scharfe Augen für die Vorgänge im Haus, jedenfalls traf sie mit ihren Fragen genau das Ziel.

"Ja, Elisabeth - es gab wieder einmal Streit mit den Onkeln und auch der immer so mürrische Großvater trägt dazu bei. Immer hält er es mit Johannes!" Ich machte eine kurze Pause, bließ die Wangen auf und ließ die Luft pustend entweichen - wieder ging ein Teil meiner schlechten Laune. In der Gegenwart meiner Tochter war dies viel einfacher und außerdem half sie mir, den über die schlaflose Nacht hinweg angestauten Ärger durch das Sprechen herauszulassen.

"Also es verhält sich so - Dein Onkel Johannes will immer mehr über die Werkstatt bestimmen und immer mehr zu sagen haben, auch wie ich meine Arbeit tue und was wichtig ist an Aufträgen - dabei hat er lange nicht die Erfahrung und sollte sich als Jüngster nach uns richten, also eigentlich nach mir da der Großvater ja nun schon arg unter dem Alter leidet! Doch leider stärkt der dem Johannes eher noch den Rücken - wegen Elsa wohl, an der er einen wahren Narren gefressen hat ... Und Dein Onkel Matthias? - Der ist viel lieber Schöffe als Handwerker und tut sich überaus wichtig mit seinem Amt! Zum Hals steht es mir manchmal, so wie er sich aufführt - ganz so als sei er der wichtigste gleich nach dem Vizegrafen!" Ich machte eine entsprechende Bewegung mit der Handkante an meinem Adamsapfel und musste seltsamerweise unwillkürlich grinsen bei dem Gedanken, dass die Geste auch so viel bedeutem mochte wie 'Kopf ab' - aber so weit war es ja beileibe und zum Glück noch nicht zwischen uns!

Ich legte meine Hand lieber auf den Mantel, der zwischen uns ausgebreitet lag. "Und weil es mir hier zu 'eng' wird mit Johannes in einer Werkstatt - solange wir in der gleichen Art und Weise arbeiten - und weil ich die Hochmut von Matthias nicht mehr ertragen mag habe ich mich entschossen heute selbst den Vizegrafen aufzusuchen. Hm, vielleicht auch noch um Audienz bei seiner Seligkeit dem Patriarchen zu bitten ... Die Wirrnisse der vergangenen Monate sind nun vorerst das: Vergangenheit - zumindest sieht es so aus. Aber es gibt noch das eine oder andere Amt, welches neu besetzt werden kann in der Stadt und da will ich mich einbringen und dem Matthias beweisen, dass nicht nur er ein 'hoher Herr' zu sein vermag und dem Johannes will ich's zeigen, dass ein Steinmetz mehr vermag als schöne, akkurate Steine zu hauen für Mauern und Bögen!"

Nun hatte ich mich wieder in Wallung geredet für meine Pläne und meine Augen mochten leuchten vor Tatendurst und voreiliger Freude - schließlich hatte ich noch nichts erreicht - aber es war eine schöne, befreiende Aufwallung und mit einem Lächeln breitete ich die Arme aus und zuckte die Schultern. "Aber, wenn ich es mir jetzt recht überlege, dann ist es wohl nicht nur für Dich noch reichlich früh am Morgen! - Vielleicht sollten wir doch erst Frühstücken bevor ich die Herren von Westernach und von Brandis auch noch aus dem Schlaf reisse."

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Donnerstag, 29. Januar 2015, 14:25

Ailis McLeod

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"Nix da, ich möchte auf jeden Fall, dass sich einer von den Johannitern das hier anschaut." reagierte Ailis prompt und recht rigoros auf Friedrichs Vorschlag, Zosia und Lorcan wieder zurückzuholen. "Ich habe vollstes Vertrauen zu Meister Steiner hier." sie nickte dem hilfbereiten Steinmetz dankbar zu "...aber mit so etwas ist nicht zu spaßen. Vielleicht können die Johanniter uns auch sagen, wo wir mit dem da...." sie wies mit dem Kopf auf den Toten und schauderte unwillkürlich leicht"...hin sollen. Er ist nun wirklich nicht der erste Tote, den ich je gesehen habe, aber er sieht so grässlich aus, dass ich mich frage, ob man ihn überhaupt in geweihter Erde begraben kann. Wer weiß schon, wer oder was den geritten hat, ich will da kein Risiko für einen von euch eingehen." Unwillkürlich hatte sie den schützenden Griff um ihre Tochter noch ein wenig verstärkt und strich Mira dabei gedankenverloren übers Haar. "Mira, sei so lieb und hol mir bitte einen von den sauberen Bechern auf der Theke, ja? Der Friedrich hat sich eine ordentliche Portion von unserem brennenden Wasser verdient, wenn er es schon in seiner Wunde aushält, dann soll er wenigstens auch was davon zu trinken kriegen, nicht wahr, Meister Steiner?" Sie wartete bis Mira mit dem Becher zurückkehrte und hielt diesen dann dem Steinmetz zum auffüllen hin, bevor sie ihn dem Waffenknecht in die Hand drückte.

Friedrich hielt sich wirklich tapfer und das obwohl man ihm deutlich ansehen konnte, wieviele Schmerzen er gerade wohl hatte, und Ailis fühlte gleichermaßen Respekt und Dankbarkeit für ihn und das, was er eben getan hatte. Der Angreifer war eindeutig vollkommen unzurechnungsfähig gewesen, und wer wusste schon, wen er alles verletzt oder gar getötet hätte, wenn er nicht als erstes an so einen wackeren Kämpfer wie den deutschen Waffenknecht geraten wäre.

"Sagt, wo ist eigentlich der Junge, der mit dir hergekommen ist? Der war doch gerade noch da, und jetzt sehe ich ihn nirgendwo mehr." Suchend wanderten Ailis' Augen durch die Taverne, doch den dunkelhaarigen Jungen konnte sie nach wie vor nicht entdecken. Derart abgelenkt schrak sie fast zusammen, als Bhreac sie dann plötzlich ansprach, und nickte dann, ohne das Gesagte zu kommentieren. Mira hatte ohnehin schon genug Angst, und leider waren ihre Ohren immer dann besonders gut, wenn es um Dinge ging, die nicht wirklich für sie bestimmt waren. "Ist gut." flüsterte sie leise zurück. "Mach dir keine Sorgen, ich werde achtgeben."


Ailis McLeod
Ehefrau des Bhreac McLeod
Bürgerin von Jerusalem
Gastwirtin der Taverne "Zum steinernen Farn"

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Donnerstag, 29. Januar 2015, 14:30

Bhreac McLeod

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Es war auch kein Befehl von Bhreac gewesen, niemals würde er dem Patriarchen von Jerusalem einen Befehl geben, sondern eher ein gut gemeinter Rat, denn das zeug hatte es wirklich in sich. So schüttelte er kaum wahrnehmbar den Kopf, als Gregor den Becher doch wieder ein einem Zug leerte. Wenn der Tiroler so weitermachte, war er innerhalb kürzester Zeit hackenbreit.
Trotzdem füllte er noch einmal den Becher und schob ihn zurück zu Gregor. Bei den nächsten Trünke, sollte der Geistliche nach mehr verlangen, würde der Schmied nicht mehr ganz so voll machen, das stand fest. Es wäre dem Patriarchen sicherlich peinlich, wenn Bhreac ihn nach hause bringen müsste, weil er selber nicht mehr grade gehen konnte...

Da Bhreac noch immer nichts von Gregors Gedanken und Neigungen ahnte, wusste er den Blick des Tirolers nicht richtig zu deuten. Für ihn brauchte dieser Mann ein wenig Zuspruch und so drückte er dessen Arm kurz und schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln.

Da sprach wohl eindeutig die Angst aus Gregors Worten. Bhreac kannte zwar keine Assassinen, aber genügend Einheimische und von denen wusste er, dass sie einfach nur in Ruhe leben wollten. "Aber natürlich hätte es einen Unterschied gemacht!", meinte der Schotte leicht entrüstet, "Ihr seid ein guter Mensch, Gregor, warum sollten die Assassinen Euch töten wollen?", er sah den Geistlichen eindringlich an, "Warum hättet Ihr in Tirol bleiben sollen? Gott hat Euch hergesandt, damit Ihr hier Gutes bewirken könnt."

Bhreac zapfte sich ein Bier, während er weiterhin Gregor zuhörte und ihm seine Aufmerksamkeit schenkte. Als dieser seine hoffnungslose Rede beendet hatte, wandte sich der Schmied vom Zapfhahn ab und dem Patriarchen zu. Gregor sah im Moment einfach nur alles schwarz und düster. Verständlich, nachdem was er erlebt hatte, "Es ist verständlich, dass Ihr Angst habt, Gregor. Einen Mord, der direkt vor den eigenen Augen passiert, mitansehen zu müssen, zu verkraften, das kann kaum jemand, das läßt niemanden kalt. Glaubt mir bitte, ich weiß, wovon ich spreche. Ich habe mitansehen müssen, wie meine Mutter und mein ältester Bruder umgebracht wurden als ich acht Jahre alt war." Bhreac hoffte, dass seine Worte dem Geistlichen helfen würden.


Meister Bhreac McLeod
Ehemann der Ailis McLeod
Bürger von Jerusalem
Waffenschmied (Meister)

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Donnerstag, 29. Januar 2015, 14:37

Mira McLeod

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Von ihrem griechischen Freund Stefanos, der zehnjährige Sohn des Stiefelmachers, hatte sie ein Rezept verraten bekommen, welches sie Mama Ailis kurzerhand weitergesagt hatte. Gemeinsam waren sie heute früh auf dem Markt gewesen, um die Zutaten einzukaufen und standen seit kurzem wieder in der Küche des 'Steinernen Farns'. In einer Schüssel verrührte Mira Eier und Milch mit einer Prise Salz. Dann musste sie die Weißbrotscheiben kurz in die Eiermilch tauchen, herausnehmen und auf dem größten Teller, den die heimische Küche besaß, ablegen. Das 'nasse' Brot musste noch feucht in einer heißen Pfanne mit Butter von beiden Seiten goldbraun gebraten werden. Das Braten in der Pfanne übernahm Mama Ailis. Die Brotscheiben beschmierte man anschließend mit Honig. Der Honigtopf und die Schüssel mit Kompott standen noch auf dem Bretterregal. "Mama, kommen Papa und Lorcan gleich rüber zum Probieren? Stefanos wollte auch vorbeikommen. Komisch, dass der noch gar nicht da ist." plapperte Mira und legte die letzte Scheibe Weißbrot, die noch gebraten werden musste, auf dem Teller ab. Sie schob den voll belegten Teller an die Tischkante, stieg vom Mira-Hocker und trug den Teller zu Mama Ailis rüber, die 'Brotbratend' am Herd stand.

Die Tür zum Hof stand offen, daher hörte sie das Pfeifen von Stefanos sofort. "Da ist er!" Mira hüpfte über die 'böse Stufe' ihm entgegen und wollte ihn zur Begrüßung umarmen, doch was war denn das? Viele Tränen liefen über das Gesicht ihres Freundes, als er sich auf die Bank setzte, die die Kastanie einzäunte. "Stefanos?" fragte Mira überrascht und setzte sich neben ihn einen Arm, um seine bebenden Schultern legend. "Was ist denn?" "Neben uns wohnt eine ärmliche Familie, die regelmässig zur Armenspeisung bei der Grabeskirche geht. Die haben sieben Kinder und der Vater ist krank. Meine Mutter passt auf die kleinsten Kinder auf, wenn mein Vater die Mutter mit den ältesten Kindern zur Armenspeisung begleitet." erzählte Stefanos schluchzend. "Der Priester di Bieda hat eine Rede gegen Muslime gehalten, er hat die Muslime verspottet. Die sind auf die Christen sauer geworden.. und dann sind alle aufeinander losgegangen. Wir haben bis zum Abend gewartet und uns gewundert, warum mein Vater und die Mutter nicht nach Hause kommen. Sie kamen am nächsten Morgen nicht und am Morgen darauf nicht. Gerade war ein Geistlicher da und hat mitgeteilt, dass alle tot sind. Sie sind niedergetrampelt worden... mein Vater ist tot!" Sprachlos blickte Mira den weinenden Stefanos an. Der Tag der so schön begonnen hatte, trug plötzlich dunkle Wolken auf. Die Kastanienblätter schienen stärker im Wind zu rauschen. "Auwei." piepste Mira hilflos, was sie denn tröstendes zu Stefanos sagen sollte und drückte ihn feste an sich. "Ich.. ich.. muss zurück zu meiner Mutter.." "Ja.. du solltest bei ihr sein. Und wenn was ist, komm her. Mama und Papa konnten jedem Hilfesuchenden bisher immer weiterhelfen." meinte Mira nickend.

Stefanos verabschiedete sich mit einem Kuss auf Miras Wange und verliess den Hof. Das hatte er jetzt zum dritten Mal gemacht, zählte Mira nach und würde sich sonst eigentlich drüber freuen, doch sie war gerade ziemlich traurig. Die Füße auf die Bank hochziehend und die Knie mit den Armen umarmend, blieb sie auf der Bank sitzen. Priester 'Gabdibi' war ein netter und gütiger Mann und nun sollte er ganz anders sein? Ihm hatte es nicht gefallen, dass sie ungetauft gewesen war, als sie ihn kennengelernt hatte. Mit der vollzogenen Taufe hatte der Priester nun keinen Grund mehr 'griesgrämig' dreinzuschauen. Eine Träne kullerte über ihre Wange.


Mira McLeod
Ziehtochter des Bhreac McLeod
Bürgerin von Jerusalem

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Donnerstag, 29. Januar 2015, 14:51

Omar ibn Bakr

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Es waren nun schon einige Monate vergangen seit den Ereignissen von Al-Arisch. Und es war auch schon einige Monate her, dass ich als Emir in diese Stadt kam. Askalon. Die letzte Bastion der Zivilisation in Syrien. Die Barbaren hatten das einst mächtige Kalifat der Fatimiden überrannt. Sowohl die fränkischen Barbaren, als auch die Seldschukischen. Allesamt waren sie religiöse Fanatiker, die nur ihren eigenen Glauben und nur ihre eigenen Wege als richtig erachteten. Und allesamt waren sie meine Feinde.

Denn ich stand für etwas anderes. Ich war ein zivilisierter, aufgeklärter Mensch. Kein religiöser Fanatiker und kein blinder Befehlsempfänger. Hier in Askalon durfte jeder die Religion haben, die er haben wollte. Niemand wurde verfolgt, niemand wurde benachteiligt. Christen, Juden, Schiiten, Sunniten. Sie alle konnten hier leben, konnten arbeiten und hohe politische Ämter besetzen. So war es nicht in Jerusalem und so war es auch nicht in Damaskus. Die Sunniten entwickelten sich immer mehr zu blinden Fanatikern, die in ihrem Herrschaftsbereich Schiiten, Juden und Christen schikanierten, vertrieben oder gar töteten. Erst vor wenigen Jahren hatte es ein Massaker in Damaskus gegeben, bei dem viele Tausend Schiiten getötet worden waren. Auch hier in Askalon waren die meisten Einwohner suniitischen Glaubens. Und auch hier gab es fanatische Gruppierungen, die immer wieder für Ärger sorgten. Doch meine Soldaten hielten diese Gruppen klein und griffen hart gegen jeden Aufwiegler durch. Einen Krieg im Inneren war das letzte, was Askalon gebrauchen konnte.

Verteidigung, das war unsere Aufgabe und das war es schon seit dreißig Jahren. Seit die Franken die Levante überrannt hatten und sowohl uns, die Fatimiden, als auch die Seldschuken, vertrieben hatten. Einigkeit hatte es zu dieser Zeit nirgendwo in der muslimischen Welt gegeben und so waren wir wieder und wieder geschlagen worden. Doch das Blatt wendete sich. Im Norden erstarkte einer der seldschukischen Fürsten. Zengi. Schon seit Jahren beobachtete ich ihn und mittlerweile war er einer der stärksten Gegner der Franken geworden. Ob mich das freute, wusste ich nicht. Zengi war nicht besser, als die fränkischen Fürsten, eher schlimmer. Er war nur auf seine eigene Macht bedacht und führte Krieg gegen jeden seiner Nachbarn. Ein gefährliches Raubtier, aber nicht mehr. Eine einzige Niederlage würde ihn vernichten und sein Reich würde keinen Bestand haben.

Ich war anders. Ich trachtete danach, Askalon als mächtiges und langlebiges Emirat aufzubauen. Als starke Bastion, die Ägypten und das Fatimidenkalifat schützen konnte. Und es war schützenswert. Während ich durch den Palast ging, durch die Flure und Säulengänge und mir die Verzierungen, Schnitzereien und Ornamente betrachtete, dachte ich an meine Heimat. Al-Qāhira, die Starke. Hauptstadt des Fatimidenreiches und großartigste Stadt der Welt. Der Palast des Kalifen, die Al-Azhar Universität, in der jeder Meister und jeder Gelehrte lehren durfte. Ja nicht nur durfte, nein. Der Kalif warb um jeden gebildeten Mann aus aller Welt. Zahlte ihnen Geld, schützte sie und förderte sie, nur damit sie an seinen Hof kamen. Es gab Bibliotheken in Kairo, die ihresgleichen suchten und jeder, der es in sich hatte, durfte studieren, durfte sich bilden und nach Erkentniss streben. Und jeder durfte ein hohes oder niederes Staatsamt ausüben. Egal ob Muslim, Christ oder Jude... Ich selbst hatte in Kairo studiert. Hatte alte Bücher gelesen und Kopien von noch älteren. Viele hundert Jahre alte Werke von Sokrates, Archimedes, Aristoteles... Nur wenig von ihren Lehren verstand ich, denn ich war immer mehr ein Soldat gewesen. Aber wenn man in die große Bibliothek von Al-Azhar kam, dann konnte man einfach nur vor Ehrfurcht den Kopf neigen.

Und was taten die Franken? Was taten diese Schafe züchtenden, nomadischen Barbaren, die jetzt über den Osten herrschten? Sie kannten nur Feuer, Krieg und Zerstörung. Wofür kämpften sie alle? Außer für Gold und flüchtige Genüsse? Sie konnten nur zerstören, doch ein wahrer Herrscher musste aufbauen können. Das war so viel schwieriger und so viel lohender, als zweifelhafter Kriegsruhm...

Doch meine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als ich mich den Gemächern meiner Schwester näherte. Sie hatte mich heute Abend zum Essen eingeladen, hatte sogar ausdrücklich betont, dass es wichtig war. Daher hatte ich nicht ablehnen können. ich vernachlässigte sie ohnehin schon viel zu lange. Das hatte sie nicht verdient und ich war mir der Tatsache bewusst, dass ich sie schlecht behandelte. Doch ihre Gesellschaft brachte unweigerlich Vertrautheit und Alltag mit sich.... Etwas, vor dem ich seit einem halben Jahr auf der Flucht war. Ich gab mein ganzes Herzblut für Askalon, steckte meine ganze Energie in die Regierung. Nur um nicht nachdenken zu müssen, nur um nicht Abends in meinen Gemächern zu sitzen und nachzudenken. Denn das war zu schmerzhaft. Und es stellte mich vor Probleme, die ich nicht lösen konnte. Konflikte zwischen Herz und Verstand.

"Meine liebe Schwester." meinte ich mit einem müden Lächeln, als sie mich begrüßte. Ich umarmte sie, küsste sie auf die linke und rechte Wange und setzte mich dann ihr gegenüber vor den kleinen Tisch, auf dem zahlreiche Speisen aufgetragen worden waren. Ich hatte keinen Hunger. So wie ich diesen eigentlich fast nie hatte. Ich war nicht unbedingt abgemagert, aber ich war sehr dünn. Dünner als noch vor einem halben Jahr. Ich empfand keine Freude beim essen und aß meistens gar nicht, oder nur sehr wenig. Auch jetzt sah ich eher unentschlossen, als Hungrig auf die Speisen, die da vor mir lagen.

"Danke für die Einladung, es ist lange her, dass wir zusammen gegessen haben." sagte ich dann noch, wusste aber gar nicht recht, was ich mit ihr besprechen sollte. Ich hatte keine Ahnung, ob sie etwas bestimmtes von mir wollte und war in Gedanken immer noch bei anderen Dingen. Hatte mich gedanklich immer noch nicht auf diesen Abend eingelassen.


Nasir ad-Din Omar ibn Bakr al-Fadi, Emir von Askalon
Schiit des Fatimidenkalifats
Emir von Askalon